Männer in Cowboyboots und mit Karo-Flanellhemden stehen am Tresen und halten ein Budweiser in der Hand. Ein Redneck kaut auf einem Strohhalm herum. Aus der Jukebox dröhnt Countrymusik zu der ein paar beleibtere Ladies auf der Tanzfläche einen Linedance machen – so ungefähr sieht eine typische Bar in den USA in der Vorstellungswelt vieler Deutscher aus. Und tatsächlich kann man solche Bars in den ländlichen Gegenden noch finden. Was die wenigsten aber wissen: In den USA gibt es mittlerweile eine neue Trinkkultur in der nicht mehr nur an Miller oder Bud Light genuckelt wird. Die Amerikaner entdecken die Dive Bars wieder. Abgeranzte Schuppen um die Ecke, die auf der anderen Seite des Atlantiks auch als Eckkneipe in Berlin durchgehen könnten. Neben den alten Kneipen werden immer mehr neue Bars und Mikrobrauereien in trendigen Nachbarschaften eröffnet. Auch in Memphis boomt das Nachtleben. Selbst der offizielle Tourismusverband der Stadt empfiehlt die Kneipen den Besuchern mittlerweile als „original Memphis experiences“ – authentische Erfahrungen.

Earnestine and Hazel’s – Die Puff-Kirche von Ray Charles

Wer unter der Woche zu Earnestine and Hazel’s kommt, der kann nicht ahnen, wie voll das Haus hier am Wochenende ist. Die Dive Bar ist vermutlich die populärste von ganz Memphis. Das zweistöckige Gebäude beherbergt nicht nur einen Billardtisch – es ist auch das Heim mehrerer Geister. „Ich spüre die Anwesenheit der Geister“ sagt auch Keenan Harding. Der 56-Jährige arbeitet seit 15 Jahren bei Earnestine and Hazel’s und schwört, dass die Geister existieren würden. Und tatsächlich möchte man ihm glauben, schon allein wegen der turbulenten Geschichte, die das Haus sogar ohne Geister schon hat. Ursprünglich als Kirche gebaut, war es später eine Apotheke, dann ein Jazz Café. Im ersten Stock vergnügten sich Freier in einem Puff. „Sogar Ray Charles soll hier abgestürzt sein und mit den Prostituierten rumgemacht haben“, erzählt Keenan. Nach dieser Episode diente das Haus als Tante-Emma-Laden, bis es schließlich zur Bar wurde. Heute bekommt man hier einen der besten Burger der Stadt – den „Soul Burger“. Mit Earnestine and Hazel’s ist das ganze Viertel South Main mittlerweile ein Hexenkessel geworden.
Adresse: Earnestine and Hazel’s Bar Memphis, 535 South Main Street, geöffnet ab 17 Uhr täglich

Buckaneer Bar Memphis

Im Buckaneer spielen fast jeden Abend Livebands.

The Buccaneer – Das Piraten-Nest unter den Bars in Memphis

Im Buckaneer an der Monroe Avenue ist die Luft verraucht aber die Stimmung gut. In Memphis gibt es, anders als in den meisten größeren US-Städten, keine Gesetze, die das Rauchen in Bars verbieten. In einem separaten Raum spielt eine Bluesband. The Buckaneer ist vor allem für Livemusik-Freunde eine gute Alternative zu den Touristen-Bars der Beale Street.  An den Wänden gibt es reichlich Piratendekor. Der Barmann händigt reichlich Bier über die Theke. Hier gibt es auch andere Sorten als das übliche Miller’s oder Budweiser.
Allerdings mehren sich bei Facebook und anderen Bewertungsseiten Hinweise, dass der Besitzer wohl schizophren sei und Gäste wegschicken würde, weil sie angeblich NSA-Spione wären. Ob das stimmt, weiß ich nicht, deswegen vielleicht vorbeischauen und ansonsten zur nächsten Bar auf der Liste.
Adresse: The Buccaneer Lounge Memphis, 1386 Monroe Avenue, geöffnet ab 12 Uhr

Young Avenue Deli – Die Hipster-Brauerei in Cooper-Young

Nicht nur ein paar, sondern an die 30 Sorten Bier bietet das Young Avenue Deli. Die kleine Brauerei bietet Selbstgebrautes, genauso wie Dutzende Kreationen Craft Beer. In den vergangenen Jahren hat sich in den USA eine lebendige Craft-Beer-Szene entwickelt in der immer neue Sorten entstehen. Viele der Beer-Fans stehen auf Pale Ales oder IPA, also Indian Pale Ales, die alle einen höheren Hopfenanteil haben und deshalb auch etwas bitterer schmecken. Oft gibt es aber auch Biere mit Fruchtnoten. Im Young Avenue Deli gibt es neben Abita Strawberry auch Blue Moon oder Yazoo Hefe. Freunde der europäischen Braukultur können immerhin noch belgische Biere wie Stella Artois bekommen. Auch das war in den Städten Amerikas vor Jahren noch nahezu undenkbar.
Adresse: Young Avenue Deli, 2119 Young Avenue, ab 11 Uhr geöffnet

Lamplighter Lounge Memphis

Die Lamplighter Lounge in Memphis ist noch eine der originalen Bars von Memphis. Hier würden sich sogar die Stammgäste aus Berliner Eckkneipen wohlfühlen.

Lamplighter Lounge – Berliner Eckkneipe am Mississippi

In einem unscheinbaren Gebäude neben so banalen Geschäften wie einer Wäscherei versteckt sich ein Schatz unter den Bars von Memphis. Hier wurde der Begriff Dive Bar vermutlich erfunden, denn in der Lamplighter Lounge taucht man irgendwie ab. Die schummrige Kneipe ist so etwas wie das amerikanische Pendant zu einer Berliner Spelunke. Sie ist das Wohnzimmer unter den Bars in Memphis Die Wand ist voll mit kitschigen Memorabilia, von denen vermutlich nicht einmal die Besitzer wissen, wofür eigentlich. Die frühere Besitzerin, Miss Shirley, ist jedoch leider schon verstorben. Bei unserem Besuch bedient Kate, eine Kunststudentin, die sich hier nebenbei ein paar Dollar dazu verdient. Dafür muss sie die üblichen Trinker aus der Nachbarschaft in Schach halten. „Die sind aber ganz harmlos“, sagt sie. Aber es kommen auch immer mal wieder Studenten der University of Memphis vorbei. Hier sitzen sie neben den Trinkern und unterhalten sich angenehm – genau wie ich es aus meinen Stammkneipen in Berlin kenne.
Adresse: Lamplighter Lounge Bar Memphis, 1702 Madison Avenue, geöffnet ab 16 Uhr

Bars Beale Street Memphis

Die Bars an der Beale Street in Memphis bieten immer Live Music.

Bars an der Beale Street – Blues-Bar-Hopping leicht gemacht

Memphis ist nicht allein wegen Elvis und Graceland ein Magnet für Touristen. Nach der Bourbon Street in New Orleans zieht auch die Beale Street in Memphis jedes Jahr Millionen Besucher in ihren Bann. Jeden Abend ziehen sie von Bar zu Bar, denn Livemusik gibt es hier eigentlich überall. Die Kneipen sind auch meistens so voll, dass man nichts bezahlen muss, wenn man nicht will. Eintritt kostet keine der Bars, die Bands reichen meist Hüte für das Trinkgeld herum. Die beste Musik gibt es in Mr. Handy’s Blues Bar, im Rum Boogie und im Blues City Café zu hören. Gute Musik und gutes Essen zusammen bekommt man in B.B. King’s Blues Club. Dabei kann man auch meinen Artikel über das Mississippi Blues Delta lesen, wo B.B. King herkommt.
Die besten Abende fürs Barhopping sind Mittwoch und Donnerstag. Dann ist einiges los aber es ist nicht so voll wie am Wochenende.

Warst Du auch schon dort und hast eine oder mehrere Bars in Memphis getestet? Dann rein mit Deinen Tipps in die Kommentare!

Ich wurde von Memphis Tourism nach Memphis eingeladen. Das Bier hab ich aber selbst gezahlt 🙂

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Posted by Peter Althaus

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