Goethe, Schiller, Herder, Gropius. Was? Wer nochmal? Viele Besucher Weimars vergessen gern, dass die ehemalige Kulturhauptstadt Europas gleich zwei Unesco-Weltkulturerbe hat. Neben der Weimarer Klassik ist es das Bauhaus Weimar. Mit dem Bauhaus entstand das erste Gebäude, das alle Künste dieser Schule der Moderne vereinte.

Wer das Bauhaus in Weimar sucht, der wird zunächst in das Bauhaus-Museum rennen. Doch das Museum, das eigentlich ein viel älterer Bau aus der Zeit der Weimarer Klassik ist, enttäuscht jeden Besucher. Jeder reguläre Tourist würde selbstverständlich zunächst ins Bauhaus-Museum rennen, um sich dort die Informationstafeln anzuschauen. Die Ausstellung im Museum ist nicht schlecht, aber viel zu klein und der Bedeutung des Bauhauses für Weimar nicht würdig. Immerhin gibt es aber Abhilfe. Derzeit wird ein neues Museum für die Bauhaus-Ausstellung in Weimar geplant. Ursprünglich sollte es bis 2018 fertig sein. Mittlerweile verzögert sich der Bau aber immer weiter. Nun soll das neue Bauhaus-Museum bis 2019 gebaut werden.

Bauhaus-Universität Weimar als Reinkarnation des Bauhauses?

Wer sich die Zeit bis dahin vertrösten möchte, hat aber auch jetzt schon genug Möglichkeiten das echte Bauhaus und seine Überbleibsel zu entdecken. Für einen Spaziergang sollte man deshalb zunächst zum Hauptgebäude der Bauhaus-Universität gehen. Hier begann die Geschichte des Bauhauses als Weimarer Institution. Nicht umsonst legen die Weimarer Kulturbürger großen Wet darauf, dass das Bauhaus aus Weimar stammt und nicht, wie immer wegen des ikonischen Gebäudes dort, aus Dessau.
In der heutigen Bauhaus-Universität werden viele Kunstrichtungen aber auch ganz andere Studiengänge als zu Zeiten des Bauhauses angeboten. Auch entspricht die Organisation der einer normalen deutschen Universität. Dennoch sind viele Studierende der Bauhaus-Universität auch stolz auf die Namensgeber und versuchen die Ideen des Bauhauses in ihren Studienarbeiten aufzugreifen.
Wenig richtungsweisend aber trotzdem voll mit witzigen Ideen und interessanten potenziellen Weihnachtsgeschenken ist übrigens der Bauhaus-Weihnachtsmarkt im Hauptgebäude der Uni an einem Adventswochenende im Dezember. Souvenirs kann man aber ansonsten auch im Bauhaus-Atelier, dem Laden der Universität hinter dem Van-de-Velde-Bau kaufen.
Das Hauptgebäude der heutigen Universität wurde als Großherzöglich-Sächsische Kunstschule Weimar von Henry van de Velde entworfen. Van de Velde selbst war kein Bauhaus-Meister sondern ein Architekt und Designer der Art Nouveau und des Jugendstils. Dennoch führte Van de Velde einige der Lehrmethoden und Prinzipien ein, die für das Bauhaus richtungsweisend waren.

Henry van der Velde in Weimar

Deshalb lohnt sich auch eine Entdeckungstour zu den Wirkstätten Henry van de Veldes. Die hört nicht am Hauptgebäude der Universität auf. Gleich daneben, in der Geschwister-Scholl-Straße steht das ehemalige Hauptgebäude der Kunstgewerbeschule. Das Gebäude wurde bereits 1904 bis 1906 nach Plänen Henry van der Veldes geplant und errichtet. Das dortige Treppenhaus zeigt Repliken von Wandgestaltungen von Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer.
Van de Velde selbst lebt in seiner Weimarer Zeit im Haus Hohe Pappeln (Belvederer Allee 58). Hie lebte der Architekt mit der siebenköpfigen Familien. Heute ist es ein Museum der Klassik-Stiftung Weimar. Neben seinem eigenen Gebäude gestaltete er auch das Palais Dürckheim (Cranachstraße 47), die Villa Henneberg (Gutenbergstraße 1a) und das Erdgeschoss des Nietzsche-Archives (Humboldtstr. 36). Beim Mietshaus Menzel (Trierer Straße 71) ist seine Beteiligung bis heute umstritten. Baupläne tragen jedoch seine Unterschrift.

Musterhaus Haus am Horn

Mit der Gründung des Bauhauses im Jahre 1919 begann Walter Gropius sein Wirken in Weimar. Für mich das beeindruckenste Zeugnis in der Frühphase des Bauhaus-Schaffens ist auch das Haus Am Horn. Was von außen wie ein trister Neubau daherkommt, war seinerzeit eine Revolution und das erste Gebäude, welches die Ideen des Bauhauses vereint. Es ist im Grunde DAS BAUHAUS, denn wie Walter Gropius 1919 im Bauhaus-Manifest schrieb: „Das „Endziel aller bildnerischen Tätigkeiten ist der Bau“. Das Haus selbst ist nicht mehr in allen Details erhalten, da es viele Zwischennutzungen gab. Das Haus Am Horn ist nur im Sommer von Mai bis September geöffnet. In den restlichen Monaten gibt es jedoch gelegentlich Führungen. Ich empfehle sich zuvor über das Haus zu belesen, um die Details des Bauwerkes entdecken zu können. Von der Einteilung der Räume bis zur Luftzirkulation im Keller – hier kann man einiges über moderne Architektur lernen und anfangen sich zu fragen, warum wir immer noch so wohnen, wie wir wohnen. Eine Empfehlung für die Vorlektüre ist die Webseite, die im Zuge der Sanierung entstanden ist. Alternativ kann ich eine Führung mit Studenten der Uni beim Bauhaus-Spaziergang empfehlen.

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Posted by Peter Althaus

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