Es ist ewig her, dass ich das letzte Mal in Budapest war. Ungarns Hauptstadt hatte mich damals nicht besonders umgehauen. Damals war ich allerdings auch im Dezember dort und es war echt beschissenes Wetter. Am ehesten erinnere ich mich noch daran, wie ich ein Stück Paprika in den Mund schob, im guten Glauben, es sei Gemüsepaprika, wie in Deutschland. Kurz darauf konnte ich kaum noch atmen und wurde feuerrot. Seitdem bin ich vorsichtiger mit ungarischem Essen. Nun war ich allerdings wieder in Budapest und war positiv überrascht. Die Stadt ist sehr ansehnlich, bietet tolle Perspektiven – nicht nur bei gutem Wetter. Und ich habe Seiten von Budapest kennengelernt, die ich so noch nicht kannte. Deshalb hier ein mal die alternativen Sehenswürdigkeiten von Budapest und sieben Weisheiten, die sie mehr gelehrt haben.

Brückenporno Budapest – Viele schöne Wege über den Fluss – und zurück

Budapest besteht ja bekanntlich aus Buda – und hier kommt die Überraschung Pest. Logisch, dass die beiden früheren Einzelstädte durch die Donau getrennt werden. Buda ist im Westen, Pest im Osten. Ich stehe übrigens immer auf den Osten, habe ich festgestellt. In Berlin ist das so, in Istanbul ist das so und in Budapest auch. Aber trotzdem sind auch die Brücken in Budapest ein echtes Highlight und es lohnt sich die Brücken für einen Spaziergang zu nutzen. Ich empfehle besonders den Hinweg über die Kettenbrücke, der Klassiker unter den Brücken über die Donau und zurück die Margaretenbrücke. Freunde von mir stehen besonders auf die Freiheitsbrücke. Da habe ich es aber wegen meines noch verstauchten Fußes allerdings nicht hingeschafft. Kommt aber vielleicht noch. Von der Margaretenbrücke kann man auch auf die Margareteninsel und dort herrlich spazieren gehen.

Das ungarische Parlament – Außen hui, drinnen sitzt pfui

Das Parlamentsgebäude in Ungarn ist eines der schönsten Gebäude Europas. Es ist dem Westminster-Palast in London nachempfunden. Ich finde es aber fast noch schöner. Egal bei welcher Tages- oder Nachtzeit – es ist eigentlich immer ein super Fotomotiv. Für mich allerdings nur von draußen. Sorry, wenn da jemand anderer Meinung ist, aber solange Viktor Orban drin sitzt, bleibe ich lieber draußen. Denn wer will schon das Eintrittsgeld der Fidesz-Regierung in den Hals werfen? Ich jedenfalls nicht.

Ellato kert Budapest

Der Biergarten Ellato kert gehört zu den schönsten in Budapest und ist mitten im jüdischen Viertel der Stadt.

Ruinen-Pubs ruinieren vor allem die Leber

Budapest hat eine Besonderheit, die man in anderer Form auch aus Berlin kennt. Wer sich noch an das mittlerweile geschlossene Tacheles erinnern kann, der erfreut sich sicher an einem Besuch im Szimpla und der Szimplakert, dem wohl bekanntesten Ruinen-Pub in Budapest. Alle Ruinen-Pubs in Budapest sind in alten Häusern untergebracht, die halb verfallen. Nicht nur das, macht sie wahrscheinlich zu den besten alternativen Sehenswürdigkeiten von Budapest. Manche sind auch eher nur Biergärten. Auch schön: Das Ellato und der Ellatokert (kert heißt übrigens Garten auf Ungarisch). Am besten kann man sie alle im Jüdischen Viertel in Budapest entdecken. Fazit aber: Weil es so viele gibt, sind die Ruinen-Pubs vor allem ruinös für meine Leber. Aber was tut man nicht alles für die Recherche. Wer seiner Leber auch etwas Gutes tun möchte, der kann bei WeLoveBudapest über die anderen Ruinen-Pubs nachlesen.

Ikarus, Metro und Straßenbahn – Nostalgie und Ostalgie gibt es gratis

Bist Du früher auch mit dem „Schlenki“ zur Schule oder zur Arbeit gefahren? Dann bist Du nicht nur Ossi, sondern wirst gleich einen Anfall von Ostalgie bekommen. So gibt es die alten Ikarus-Busse aus Ungarn hier nämlich noch zu Hunderten. Ich hab mich jedes Mal gefreut wie ein Schneekönig, wenn ich einen gesehen habe und sogar mitfahren konnte. Falls Du im Westen oder im Ausland aufgewachsen bist, dann solltest Du trotzdem mal mitfahren. Die Ikarus-Busse sind typisch ungarisch, wurden hier gebaut und sehen zum Großteil noch aus wie damals – inklusive der nussbraunen Ledersitze.
Wer allerdings mehr auf U-Bahnen steht, der findet hier die alten Wagen aus russischer Produktion. Auf einigen Linien fahren noch die alten Züge aus sowjetischer Produktion. Die haben auch einen besonderen Klang bei der Fahrt. Ich steh drauf.
Zu guter letzt will ich aber auch die Straßenbahnen nicht auslassen. Die sehen nämlich noch viel älter aus, als die Ikarus-Busse. Dafür sind sie aber trotzdem super in Schuss und eine Fahrt ist ein Nostalgie-Erlebnis zum Preis eines Nahverkehrstickets (knapp ein Euro). Einsteigen bitte!

Die Gül Baba utca ist eine der malerischsten Straßen Budapests und entführt Dich direkt in den Orient.

Die Gül Baba utca ist eine der malerischsten Straßen Budapests und entführt Dich direkt in den Orient.

Osmanisches Budapest – Die Gül Baba utca entführt Dich in den Orient

Die Ungarn sind zwar nicht besonders gut auf die Türken zu sprechen – schließlich haben die Osmanen die Stadt eingenommen, viele Ungaren ermordet, sie jahrelang besetzt und sich es hier eine Weile gut gehen lassen. Dafür haben sie aber auch einiges gebaut und zurückgelassen, als die Habsburger kamen und die vertrieben. Deshalb findet man auch heute noch eine der niedlichsten Straßen in Ungarn im alten türkischen Viertel. Die Gül Baba utca liegt malerisch in Buda. Hier sieht es wirklich aus wie in der Türkei oder anderen einst osmanischen Ländern. Eine echte Alternative zu den anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Gleich daneben ist das Grab von Gül Baba, einem osmanischen Dichter. Das Grab ist der nördlichste muslimische Wallfahrtsort der Welt, denn er wird von vielen Muslimen als Heiliger verehrt.

Bäder in Budapest – Türken wissen, wie man Bäder baut

Aber auch eine der wohl wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt verdankt Budapest den Türken. Die Türken brachten nämlich auch ihre Bäder mit sich, die man in der Stadt bis heute findet. Auch ich war in einem davon baden. Der Geheimtipp hier ist das Bad Veli Bej direkt in der Nähe der Margaretenbrücke auf der Buda-Seite. Es ist viel kleiner, hat aber auch viel weniger Besucher als das Gellert-Bad oder das Széchenyi. Hier kann man für 9 Euro herrlich entspannen und sich im mineralhaltigen Wasser aus den Quellen in Budapest aalen. Wer da nicht relaxt rauskommt, ist selber schuld. Mehr über die anderen Budapester Bäder lest ihr hier.

Essen in Budapest – Gulasch ist nicht gleich Gulasch

Bereits bei meinem ersten Besuch in Budapest musste ich ja schmerzlich erfahren, dass Paprika nicht gleich Paprika ist. Aber Gulasch ist auch nicht gleich Gulasch. Denn was wir als Gulasch kennen, heißt in Ungarn eigentlich Pörkölt. Schmeckt dort aber auch genauso lecker, wie bei uns oder in Tschechien. Nun fragt ihr euch vielleicht, was ihr denn stattdessen bekommt, wenn ihr in Ungarn Gulasch bestellt. Das ist einfach: Eine Suppe. Während bei uns Gulasch auf flachen Tellern mit Klößen, Knödeln oder Kartoffeln gegessen wird, ist es in Ungarn eine Suppe, die man eher mit Brot ist. Aber auch die Gulaschsuppe ist lecker und in jedem Restaurant ein wenig anders. Nicht fehlen darf nur eines nicht: Paprika.
Wer übrigens nicht so auf Gulasch steht, der kann auch gerne mal Lángos probieren oder das ungarische Stockbrot, genannt Kürtöskalács.

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Posted by Peter Althaus

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5 Comments

    1. Danke, Sabrina!

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  1. Markus - BudapestAppartement Mai 17, 2015 at 13:39

    Sehr interessanter Reisebericht!
    Gratis ins Parlament kann man am 20. August (Stephanstag) – nur sollte man ein wenig Zeit einplanen – ich bin 2 Stunden in der Schlange gestanden bei 40° im Schatten…
    Es gibt aber schon auch moderne Busse und Strassenbahnen in der Stadt 😉 … und besonders die neue Metro M4 ist so ziemlich die modernste U-Bahn die ich bisher gesehen habe…. alles klimatisiert- sogar die Bahnsteige…
    Sehr zu empfehlen ist die Haltestelle Rakoczi ter der M4 – sehr schön und modern gemacht!
    LG Markus

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  2. danke für die tollen Tipps! ich mache jetzt im Oktober mit Freunden einen einmonatigen Budapest-Urlaub und bin schon ganz aufgeregt 😮 Außer der Ferienwohnung ist noch nichts arrangiert, daher hat mir dein Reisebericht grad echt geholfen 🙂 liebe Grüße

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  3. Tolle Tipps, denen ich voll und ganz zustimmen kann. Wir waren letzten Dezember das letzte Mal dort und das schönste Erlebnis war bei Schneefall im heißen Thermalwasser des Szechenyi Bad zu sitzen. Einfach unvergesslich.

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