Ich weiß, ich weiß. Ihr habt den zwanzigsten Reise-Jahresrückblick gelesen und ich bin ziemlich spät dran. Aber puh, Leute. 2015 war echt anstrengend. Reisemäßig, lebensmäßig, emotional. Deshalb kommt dieser Überblick erst jetzt. Aber er lohnt sich zu lesen, denn ihr seid ja schließlich hier, weil es euch interessiert, oder? Und 2015 war einfach besonders. Es ist ein ungerades Jahr. Ich liebe ja die ungeraden Jahre. Ich liebe auch ungerade Zahlen. Ich bin an einem 27. geboren (übrigens ein Freitag, weshalb der Freitag auch mein liebster Tag ist). Ok, bei Monat und Jahr funktioniert das nicht. Aber egal. Ich mag es ungerade. Ungerade Jahre sind für mich meist Jahre, in denen ich etwas Neues ausprobiere. 2003 war ich das erste Mal in Litauen, 2007 habe ich dort Erasmus gemacht. 2009 habe ich mein Volontariat und eine langjährige Beziehung begonnen. Ungerade Jahre stehen bei mir für Veränderungen und manchmal auch ein wenig Chaos. Da ich meine Diplomarbeit Ende 2014 abgegeben habe, war klar, dass ich nun viel Zeit haben würde. Und so war es dann auch. Ich habe meinen Job so geregelt, dass ich viel reisen konnte. Und dabei habe ich einige echt tolle Trips gemacht. Weil man da schnell den Überblick verlieren kann, hab ich für euch nochmal alle Reisen in 2015 zusammengefasst.

Nir kam gerade aus Sderot als er mich in Ber'sheva aufgegabelt hat.

Nir kam gerade aus Sderot als er mich in Ber’sheva aufgegabelt hat.

Januar/Februar: Israel – Tel Aviv, Ramon-Krater, Eilat, Totes Meer, Jerusalem

In das neue Jahr bin ich in Berlin reingerutscht und es war wunderbar. Mit vielen Freunden und guten Erinnerungen. Dieses Jahr hab ich übrigens fast wieder genauso verlassen. Spezielle Momente habe ich eben doch am liebsten mit guten Freunden. Ich freu mich schon auf das nächste Silvester!
Bereits im Dezember hatte ich einen extrem günstigen Flug von Berlin nach Tel Aviv mit Easyjet gebucht. Keine 100 Euro für den Nahen Osten. Da muss man zuschlagen! Hat sich auch gelohnt, denn dort waren es immer mindestens 17 Grad. Selbst das Wasser war nicht kälter als die Ostsee im Sommer. Deshalb war ich auch gleich mal im Roten Meer baden – als einziger an einem riesigen Strand in Eilat! Vorher hatte ich schon den Ramon-Krater gesehen – der Grand Canyon des Nahen Ostens. Unglaublich beeindruckend. Von Eilat bin ich zum Toten Meer getrampt und hab dort in einem Kibbuz gecouchsurft. Auf dem Rückweg zum Flughafen habe ich mir in Jerusalem die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem angeschaut. Ein toller Trip und fast ausschließlich per Anhalter.

Idyllische Bäume am Strand im Bahia Honda State Park.

Idyllische Bäume am Strand im Bahia Honda State Park.

März/April: Roadtrip durch die USA – Von Miami nach Chicago

Ich hatte den Trip schon lange vorher gebucht und wollte meine liebsten Orte in den USA sehen und meine Freunde dort alle mal abklappern. Der Trip war trotzdem einer der schönsten überhaupt. Los ging es in Miami, das mich echt überrascht hat. Das Essen lecker, die Streetart in Miami Weltklasse! Und natürlich wollte ich auch endlich mal auf die Florida Keys und hab dort auf einem Boot gecouchsurft und wie Hemingway getrunken. Dann ging es die Westcoast hoch und ich bin mit Seekühen schwimmen gewesen. Es war so toll. Das sollte jeder einmal gemacht haben. Die Tiere sind schon echt klasse und strahlen so eine Ruhe und einen Frieden aus.
In New Orleans hab ich mir dann Unmengen an Jazz-Bands und Marching-Bands reingezogen. Danach war ich dann in Louisiana ganz viel essen. In Mississippi hab ich in Juke Joints den echten Blues entdeckt und mir das ländliche Amerika gegeben. In Memphis war es hingegen Elvis, der mich fasziniert hat und die Soul-Musik, für die Memphis neben Detroit (Mo-Town-Records) der Hotspot ist.
Leider habe ich mir dort den Fuß übel verstaucht, so dass meine weitere Reise etwas ruhiger ausgefallen ist. In St. Louis war ich zwar auf der Gateway Arch und bin auch mal durch die gefährlichste Stadt der USA (East St. Louis) gefahren aber mehr ging nicht. Von St. Louis hat mich mein alter Freund Paul abgeholt. Mit ihm sind wir die Route 66 entlanggefahren und haben uns die kuriosen Roadside-Attractions angeschaut.
Paul ist zwar aus Florida, wohnt aber mittlerweile in Chicago. Er ist ein echter Gourmet und hat mich in seine Lieblings-Restaurants mitgenommen. Außerdem hab ich endlich mal das Skelett eines T-Rex gesehen (kann man seit Dezember 2015 aber auch in Berlin). Und ich habe mir einen alten Traum erfüllt und war endlich auf dem Willis Tower. Warum das ein Traum war, erzähle ich euch hier bald.

Das Parlamentsgebäude von Ungarn sieht man von der Margaretenbrücke in Budapest am besten.

Das Parlamentsgebäude von Ungarn sieht man von der Margaretenbrücke in Budapest am besten.

April: Budapest – Kleine Städtereise

Besondere Menschen bringen einen manchmal an besondere Orte. Deshalb war ich im April das erste Mal seit 2009 wieder in Budapest. Und es war wirklich schön. Die Stadt hat in der Frühlingssonne gestrahlt und ich hatte genug Zeit mir das jüdische Viertel in Budapest anzuschauen und auch mal in einem der berühmten Thermalbäder zu baden. Budapest hatte ich lange nicht mehr auf der Landkarte aber das hat sich geändert und ich verstehe die ganzen Backpacker, die dort hinfahren.

Gdansk town hall #2. Rathaus Danzig #2

Ein von Peter Althaus (@rooksack_de) gepostetes Foto am

Juni: Gdansk – Längerer Zwischenstopp

Vor meiner Abreise nach Island, wollte ich auch endlich mal Gdansk sehen. Eigentlich hatte ich geplant dort schon 2003 hinzufahren. Aber ein Zufall brachte mich dann nach Litauen, wo ich später auch Erasmus-Student war. Und auch wenn ich Litauen nicht missen möchte, hatte ich Gdansk echt ein paar entspannte Tage, einen sehr coolen Couchsurfing-Host (Danke, Irek!) und hab ein tolles Lagerfeuer am Ostseestrand mitmachen können. Für solche Erlebnisse reist man. Leider hab ich aber von der schönen Altstadt und dem interessanten Museum zur Solidarnosc nicht viel gesehen. Aber Gdansk ist ja nicht weit von Berlin, da fahre ich sicher nochmal hin. Diesmal dauert es auch keine 12 Jahre 🙂

Die Kreuzung lag direkt im Patreksfjörður, der zu den schönsten der Westfjorde gehört - aber auch zu denen mit dem geringsten Verkehr und den meisten Fliegen.

Die Kreuzung lag direkt im Patreksfjörður, der zu den schönsten der Westfjorde gehört – aber auch zu denen mit dem geringsten Verkehr und den meisten Fliegen.

Juni/Juli: Island – Tramper-Roadtrip um die Ringstraße

Nachdem ich im Mai und Juni viel gearbeitet habe um mir etwas für Island anzusparen, ging es Ende Juni endlich nach Island. Das Land war eines meiner Traumländer und was soll ich sagen. Es hat meine kühnsten Träume nochmal übertroffen. Mit Abstand die geilste Reise in 2015! Vulkane, Thermalfelder, Papageientaucher in Island sehen, durch die Westfjorde wandern , Whale Watching in Husavik und noch so viel mehr. Dann noch Dutzende tolle Zufälle und so nette Menschen. Island, ich kann nicht aufhören davon zu schwärmen! Letzlich habe ich die komplette Ringstraße einmal umrundet und noch mehrere Abstecher gemacht. 

Die Spinnen haben es sich über Nacht an den Takelagen gemütlich gemacht. Sie hatten sicher genug Mücken zu fressen.

Die Spinnen haben es sich über Nacht an den Takelagen gemütlich gemacht. Sie hatten sicher genug Mücken zu fressen.

August: Brandenburg – Wie Huckleberry Finn auf der Spree

Fast hätte ich es vergessen. Aber Brandenburg gehörte dieses Jahr 2015 definitiv zu den Highlights. Mit einem Floß ganz allein über den Schwielochsee und die Spree bei Beeskow schippern, das würde ich sofort wieder tun! Schon allein morgens im dichten Nebel mitten auf dem See aufzuwachen und mir meinen Tee auf dem Gaskocher in der grauen Suppe zu kochen war unglaublich toll. Dann noch eine Grillsession mit Freunden, die spontan zu Besuch gekommen sind und das mitten auf dem See. Abends dann mit einem Bier auf dem Floß sitzen und den Fledermäusen beim Mückenfangen zuschauen – unbezahlbar!

September: Brüssel

Der August war ansonsten ruhig und ich hab längere Zeit im Mansfelder Land verbracht. Das auch, um Kraft für meine anstehende Reise zu tanken, denn Ghana stand auf dem Plan. Im Jahr 2014 hatte ich bereits einen Flug von Brüssel aus gebucht. Vorher wollte ich mir die belgische Hauptstadt anschauen und gleich mal meine Freunde dort besuchen. Deshalb habe ich mal wieder nicht so viel von Brüssel gesehen. Das Atomium immerhin habe ich auf dem Rückweg angeschaut und den Männeken Pis hab ich auch bewundert – Gott ist der klein! Aber ich hab trotzdem nichts verpasst, denn genug belgisches Bier mit Freunden gab es auf alle Fälle. Brüssel hat mir Lust auf mehr Belgien gemacht. Ich denke ich komme bald zurück!

Ein Elefant beim Fressen im Mole National Park.

Ein Elefant beim Fressen im Mole National Park.

September/Oktober: Ghana – Erstes Mal Sub-Sahara-Afrika

Von Ghana wusste ich vor meinem ersten Besuch nicht viel, auch wenn ich mir den Reiseführer von Bradt durchgelesen hatte. Aber in Europa weiß man allgemein wenig über Afrika und so ging es auch mir. Wie es dort aussieht, wie die Menschen leben, konnte ich mir nie so richtig vorstellen, bis ich es mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Und was soll ich sagen: Ich bin immer noch von den vielen Eindrücken dort geplättet. Es gibt die bittere Armut und ich habe dort Dinge gesehen, die ich so selbst in den ärmsten Ländern meiner bisherigen Reisen nicht gesehen habe. Aber trotzdem ist das Land wunderschön. Die Menschen sind super freundlich und sprechen fast alle Englisch, was die Kommunikation sehr einfach macht. Trotzdem versteht man sich nicht immer – was auch einfach an der unterschiedlichen Mentalität liegt. Neben meinen Naturerlebnissen, wie mit den Elefanten im Mole-Nationalpark, habe ich dort besonders Gelassenheit gelernt. Die kann ich sowieso noch etwas mehr gebrauchen. Ghana hat mir jedenfalls mehr Lust auf Afrika gemacht. Vielleicht sogar wieder auf Ghana!

Oktober: Wroclaw – Vor dem Ansturm zur Kulturhauptstadt

Das alte Breslau. So eine wunderschöne Stadt. Die roten Backsteingebäude sind immer noch umwerfend. Aber in Breslau gibt es nicht nur ein cooles Nachtleben. Die Stadt beherbergt auch Dutzende Gebäude aus der Zwischenkriegszeit und dem Jugendstil. Die Architektur von Breslau war auch Gegenstand meines bisher beliebtesten Instagram-Posts überhaupt.

Oktober: Malta – Endlich alle Länder in Europa bereist

Eines fehlte dann doch noch. Ursprünglich wollte ich meine Reise durch alle europäischen Länder in Island beenden. Weil aber die Zeit und die Flüge direkt im Juli günstiger waren, blieb mir noch Malta. Hier traf ich auch alte Freunde wieder, die dort leben. Aber auch Gozo habe ich mir angeschaut, bin mit dem Mofa über die kleine Schwesterinsel von Malta gefahren. Das hat mir besser gefallen als die Hauptinsel, wobei ich am letzten Tag vor dem Abflug auch noch den Charme von Valetta entdeckt habe. Das Essen war überraschen gut und sehr günstig. Allein dafür kann man hier im Oktober oder im April für mehr Sonne hinfliegen. Auch habe ich an der Strandpromenade von Sliema aus meinem Hotel einige echt beeindruckende Wellen beobachten können. Der Abschied aus Malta fiel mir aber dennoch nicht so schwer, denn ich war etwas reisemüde.

Typisch englisches Wetter in London.

Typisch englisches Wetter in London.

November: London – Auf eine Tasse Tee nach England

Der November und Dezember blieben ziemlich ruhig. Um Freunde zu sehen, bin ich kurzfristig für ein Wochenende nach London geflogen. Sightseeing habe ich bei dem typisch-englischen Wetter allerdings kaum gemacht. Ich bin aber mal mit einem Doppeldecker-Bus gefahren und habe mir auch Big Ben von der Straße angesehen. Ansonsten war es aber eher eine Zeit um Freunde zu treffen und zu relaxen, bevor es Montagmorgen zurück nach Berlin und auf Arbeit ging. Der Rest des Novembers und der Dezember waren dann auch Deutschland-Wochen und vor allem Berlin-Wochen. Ich war viel arbeiten und habe nur persönliche Kurztrips zu Freunden und zur Familie gemacht.

Wie geht es 2016 weiter?

Was 2016 alles kommt, das erzähle ich im nächsten Post. Im Moment fällt mir eine konkrete Planung zwar noch schwer, aber der nächste Post könnte mir bei der Entscheidungsfindung helfen.

Wie war euer 2015? Was waren eure Reisehighlights? Ich habe meinen Bart abrasiert. Was habt ihr so verändert?

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Posted by Peter Althaus

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One Comment

  1. Also, ich lese gerne auch noch den zwanzigsten Jahresrückblick 😉 Du hast ja in 2015 echt viel erlebt und gesehen! Tolle Reisen waren dabei, besonders spannend fand ich natürlich deinen Trip durch die USA 🙂 Diese Juke Joints mit echtem Blues hätte ich mir auch gern mal gegeben, gibt’s aber in NOLA nicht, oder? Werde ich mir in jeden Fall im Kopf behalten, wenn ich mal wieder in der Ecke sein sollte.
    2015 habe ich mir zwar weder meinen nicht vorhanden Bart abrasiert noch sonstige gewagte äußere Veränderungen vorgenommen 😀 bin aber nach 13 Jahren vom schönen Dresden wegen des Jobs nach Leipzig gezogen (wie du ja schon weißt). Die erste Jahreshälfte war daher auch eher etwas stressig. Reisetechnisch war mein Highlight letztes Jahr mein USA-Trip von Chicago nach New Orleans, Connecticut und Cape Cod. Schöner Mix aus ganz verschiedenen Ecken Amerikas 🙂
    Nun bin ich gespannt, wohin es in diesem Jahr so für dich geht. In diesem Sinne: Auf viele weitere tolle Reisen in #2016! 🙂
    Liebe Grüße
    Mandy

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