Es gibt Länder, in denen man erstaunt ist, wie wenig man bisher über sie wusste. Und es gibt Länder, bei denen man vielleicht auch noch erstaunt ist, wie schön sie eigentlich sind. Ein Land, dass mich völlig von den Socken gehauen hat, weil ich mir eigentlich fast nichts darunter vorstellen konnte, war Luxemburg. Da fiel mir vorher eigentlich nur Großherzogtum, Finanzparadies und Jean-Claude-Juncker ein. Und eine lustige Mischung aus Französisch und Deutsch.

Flagge Luxemburg

Die Flagge von Luxemburg kann man leicht verwechseln, wenn es nicht genauer weiß.

Was ich in Luxemburg gelernt habe

Nun, was die lustige Mischung aus Französisch und Deutsch betrifft musste ich mich zumindest zum Teil des besseren belehren lassen. Denn Luxemburgisch (oder eigentlich Lëtzebuergesch) ist eine eigene Sprache, auch wenn sie ein Seitenarm des Deutschen ist. Die Luxemburger finden Dich gleich viel sympathischer, wenn Du eins, zwei Worte in ihrer Sprache sagst. Das ist als Deutscher etwas schwerer, als als Franzose. Hauptproblem: Manche Wörter klingen wie aus einigen Deutschen Dialekten. Hier ein paar Beispiele:

  • Moien (gesprochen Morjen) heißt hallo/guten Tag.
  • Äddi heißt Tschüss/auf Wiedersehen (genau genommen steht es für Ade).
  • Wann ech gelift heißt bitte.

Schon cool, oder? Aber manchmal muss man etwas lachen, weil es für Deutsche doch ganz niedlich klingt. Trotzdem braucht man sich keine Sorgen machen. Praktisch jeder spricht entweder Französisch oder Deutsch. Vor allem in den Cafés und Restaurants arbeiten aber meist Franzosen. Also etwas „Bonjour“ und „Merci“ kann auch nicht schaden.

Gelle Fra Luxemburg

Die Gelle Fra ist das Wahrzeichen Luxemburgs und wurde den Luxemburgern von den Nazis gestohlen. Erst 1980 ließen sie die Luxemburger wieder errichten.

Was man in der Stadt Luxemburg gesehen haben sollte

Luxemburg hat mich auch deshalb überrascht, weil es so bergig ist. Die Altstadt von Luxemburg selbst liegt auf einer Bergkuppe. Sie ist mit dem Bahnhofsviertel über Brücken verbunden. Brücken ziehen sich eigentlich auch durch die ganze Stadt. Die schönste ist vermutlich die Passarelle, der Viadukt. An einigen Stellen ragen schroffe Felswände heraus.  Da würde man gern mal klettern gehen. Wenn man aber sowieso schon oben ist, hat man die schönste Aussicht aber definitiv von der Corniche. Nicht umsonst nennt man sie auch manchmal den schönsten Balkon Europas.  Der Blick über den Grund, also das Tal des Flusses Azette, der die Altstadt und das Bahnhofsviertel trennt, ist wirklich beeindruckend. Nicht verpassen sollte man auch das Wahrzeichen Luxemburgs, die Gëlle Fra, die goldene Statue. Die Nazis haben sie 1940 geklaut und die Luxemburger stellten sie dann 1980 wieder auf. Sie erinnert übrigens an den Engel von Uzupis.

Fahrrad Blumenständer Blumenkorb

Ein schöner Blumenständer oder?

Spaziergang durch die Altstadt

Die Altstadt von Luxemburg mit ihren kleinen Gassen ist ziemlich romantisch. Viele Gebäude im Stil der Neogotik durchziehen die Straßenzüge, die meisten aus hellen und beigen Steinen, fast wie kleine Burgen. Auf keinen Fall verpassen sollte man den Herzogspalast. Heute sind dort eigentlich nur die Büros des Großherzogs und seiner Frau und Teile des Parlaments sitzen dort. Immerhin konnten wir uns aber die Kathedrale Notre Dame de Luxembourg anschauen. Cool dort: Die verschieden modernen Glasfenster. Auch ist die Kirche ein guter Ort sich vom Trubel der Altstadt etwas zurückzuziehen.

In den Bock-Kasematten kann man kilometerweit wandern. Dabei ist nur ein Teil überhaupt offen.

In den Bock-Kasematten kann man kilometerweit wandern. Dabei ist nur ein Teil überhaupt offen.

Kasematten (Casemates du Bock)

Teil der Festung, zu denen auch die Corniche gehört, sind die Kasematten. Unter der kleinen Festungsanlage wurden mehrere Kilometer Gänge in den Felsen gehauen. Heute sollen noch 17 Kilometer der Kasematten erhalten sein. Insegesamt sind es wohl noch ein paar Kilometer mehr. Doch schon der wesentlich kürzere heute begehbare Teil ist ein ziemlicher Marsch. Zu mehreren Seiten kann man wie die Soldaten mit Kanonen früher auf die umliegenden Täler schauen. Es gibt in den Kasematten sogar einen Brunnen. Neben den Bock-Kasematten, in denen wir waren, gibt es auch noch die Petrus-Kasematten, die ähnlich interessant sein sollen.

Minigolf Luxemburg

Auf der Minigolfanlage im Petrustal habe ich leider versagt. Aber ich habe mich später beim nächsten Spiel bitter gerächt. Haha.

Minigolf spielen wie ein Champion

Von der Altstadt kann man über Treppen oder Fahrstühle in den Grund hinabfahren. Wir sind zunächst eine Treppe in der Nähe der Pont Adolphe hinabgestiegen, in den dortigen Park im Vallee de la Petrusse. Dort gibt es eine ziemlich niedliche und schön gelegene Minigolfbahn, die laut einem alten Plakat sogar Wettkampfbahn für die europäischen Minigolfmeisterschaften in den Achtzigern war. Ich habe unser Duell leider verloren, konnte mich also nicht wie ein Champion fühlen 🙁

Grund und Alzette in Luxemburg

Der Grund und die Alzette in Luxemburg von oben aus.

Der Grund und die Alzette

Aber das Panorama der Unterstadt hat mich dann doch entschädigt. Die kleinen Gassen im Grund, die wunderschön spiegelnde Alzette und die Gärten am Ende des Grund sollte man auf jeden Fall erlaufen. Auch der Neumünster lohnt einen Besuch. Wer hier gern verschnaufen will, findet sicher einen Platz im Scott’s Pub, mit wunderschönem Blick auf die Alzette und den Berg hinauf zur Altstadt.  Hier kann man auch eines der Luxemburger Biere trinken (Diekirch) oder ein Bier aus Belgien. Aber keine Angst: Das Luxemburger Bier ist wirklich lecker. Wir waren mit Auto dort und ich habe gleich ein paar Sixpacks mitgenommen.
Zurück in die Altstadt kommt man am bequemsten mit einem der städtischen Fahrstühle, die aus dem Tal nach oben führen. Sie gehören zur Stadt und sind frei benutzbar. Nach einem Tag des Umherlaufens, war ich dafür sehr dankbar.

Burg Vianden

Die Burg Vianden ist wahrscheinlich die schönste in Luxemburg. Auf jeden Fall die schönste, die wir dort gesehen haben.

Ausflug nach Vianden

Wer mehr als zwei Tage in Luxemburg verbringt, der sollte definitiv mindestens einen Ausflug in die Umgebung machen. Wir haben auf dem Rückweg nach Deutschland auch einen Abstecher gemacht. Wir wollten das Städtchen Vianden sehen, mit dem sich Luxemburg für einen weiteren Unesco-Welterbe-Titel bewirbt. Die malerischen Gassen des Städtchens beiderseits des Flusses Our kann man recht schnell erkunden. Ein echtes Highlight ist aber die mittelalterliche Burg Vianden mit ihren prunkvollen Sälen, Ritterrüstungen und den schönen Gewölben. So mittelalterlich ist sie allerdings nicht, denn eigentlich war sie bis in die Achtziger eine Ruine. Sie wurde erst sukzessive wieder aufgebaut. Mittlerweile kann man aber sagen, dass es eine stattliche Burg ist. Vielleicht wird es ja doch noch etwas mit dem Welterbe-Titel.
Für eine schönen Aussicht über Vianden, lohnt sich die Seilbahn. Sie führt unter anderem über den Fluss und dann einen steilen Hang hinauf. Von oben überblickt man das Tal der Our, die hier auch Grenzfluss zu Deutschland ist. Wir sind von dort wieder heimgefahren und haben die Gelegenheit genutzt vorher noch einheimisches Bier, Wein aus Luxemburg und allerlei andere lokale Lebensmittel günstig zu kaufen.

Mehr zu Luxemburg und anderen Kleinstaaten in Europa

Weiterlesen über Luxemburg: Falls Ihr noch ein paar Tipps zu Luxemburg haben wollt, dann schaut mal auf den Seiten von Corinne und Laurens. Die beiden sind aus Luxemburg und haben auch schon darüber geschrieben. Auch Monika hat bei TravelWorldOnlineTraveller über Luxemburg geschrieben.

Weiterlesen über Europas Kleinstaaten: Da ich mittlerweile fast überall in Europa war, habe ich auch schon über einige Kleinstaaten geschrieben. Hier eine Übersicht:

  • Andorra – Definitiv ein Highlight in den Pyrenäen – auch eher unerwartet!
  • San Marino – Wie ich zum Wolkenkratzer wurde
  • Monaco – Ein Tag kostenlos im Staat der Reichen und Schönen
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Posted by Peter Althaus

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5 Comments

  1. Ich war leider nur mal einen Tag in Luxemburg (tatsächlich wegen mittlerweile verjährten Geldgeschäften) und war auch positiv überrascht von der hügeligen Stadt. Leider hatte ich nicht viel Zeit, weil ich bald nach dem Bankbesuch wieder den Zug zurück nach Deutschland nehmen musste. Geschnappt wurde ich nicht.

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    1. Was man hier so alles erfährt 🙂

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  2. Erst einmal vielen lieben Dank für die Verlinkung. Und dann dafür, dass du dich nach Luxemburg getraut und mir ein bisschen Heimweh mitgebracht hast. Auch wenn ich definitiv noch nie jemanden ´morjen´ sagen gehört habe. 😉

    Die Minigolfbahn im Grund hat allerdings wirklich jeder echter Luxemburger schon mal bespielt. Ist bei mir nur leider schon mindestens 15 Jahre her. Aber dann weiß ich ja jetzt, was ich bei meinem nächsten Heimatbesuch auf jeden Fall machen werde… 🙂

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    1. Es war mir eine Freude. Du kommst aus einer wirklich schönen Stadt. Und bei Gelegenheit bin ich mal für ein Minigolf-Duell in Kreuzberg oder Luxemburg:-)

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  3. Danke für diesen Bericht – da müssen wir mal hin! Man hört ja dann und wann mal etwas über diesen „kleinen“ Staat – aber mehr auch nicht…?! Wir werden uns das anschauen – und berichten ?! 😉

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