Nach einer Fahrt in einem Minibus von Shkodra aus, durchqueren wir nach vielleicht einer Stunde einen Tunnel. Am anderen Ende ist eine Anlegestelle. Rechts sieht ragt die Staumauer aus dem Wasser. Dahinter geht es noch ein paar Dutzend Meter weiter hinunter. Zu beiden Seiten ragen die Berge der Prokletije, der Albanischen Alpen, auf, ein Teil der Westdinariden, die den Gebirgszug auf dem Westbalkan bilden. Hier steigt auch der Jezerca, einer der höchsten Berge Albaniens gen Himmel, allerdings in einiger Entfernung. Hier hat der Mensch den Bergen einiges abgerungen.

Albanien Norden Fähre

So wurde (wird) im Norden von Albanien eine Fähre beladen.

Neben mir stehen viele Männer und Frauen mit Plastiksäcken. Sie alle warten auf das wohl seltsamste Gefährt in Albanien. Eine Autofähre, die den Koman-Stausee abklappert. Nach ein paar Minuten kommt tatsächlich ein Schiff aus dem Schluchten-Wirrwarr hervor. Es ist eine kleine Autofähre mit einem Buglader. Kurz darauf legt sie am Steg an. Einige Autos fahren herunter. Danach dürfen Passagiere und die anderen Autos rauf. Einige haben deutsche Kennzeichen. Es sind Kosovo-Albaner, die zuvor in Albanien waren um dort ihre Verwandten zu besuchen, wie ich später von einem erfahre. Reisende sind in dieser entlegenen Gegend zu dieser Zeit noch eine Seltenheit. Und auch heute ist der Koman-See noch lange kein Touristenmagnet.

Albanische Alpen Koman-Stausee

Die gefluteten Schluchten der Albanischen Alpen sehen einfach atemberaubend aus.

Dabei hat der Fluss eigentlich mehr als genug Potenzial dazu. In der Schlucht hat sich der Drin, dieser Fluss der aus Montenegro kommt, aufgestaut. Bis zu 50 Meter tief ist er an manchen Stellen. Die schroffen Berghänge hingegen ragen gleich mehrere hundert Meter aus dem Wasser. Das Wasser strahlt blau bis türkis, so wie man sich Wasser wünscht. Am liebsten würde man hineinspringen.

Müll-Problem Albanien

Müll im Koman-Stausee: Leider haben viele Menschen noch nicht verstanden, dass Naturschutz auch ihnen helfen kann.

Happy End im Kampf gegen den Müll am Koman-Stausee

Doch da ist ein kleines aber beträchtliches Hindernis. Immer wieder werfen die Passagiere ihre Cola-Dosen und Flaschen in das Wasser. Überall schwimmen die Plaste-Pullen durch das Blau des Flusses. Es ist zum Heulen. Ich rege mich auf, will etwas sagen, aber was nützt das schon? Der Fluss ist schon voll davon, helfen würde nur eine Sammelaktion und vermutlich ein offizielles Verbot von den albanischen Behörden. Ich spreche leider nicht einmal Albanisch und bin schließlich auch nur Gast in diesem Land. Die gute Nachricht erreicht mich ein paar Jahre später: Es gibt nun ein Müllsammelschiff, wie ich in einem Blogpost lese. Ob das Wegwerfen mittlerweile auch verboten ist, weiß ich nicht. Ich hoffe es.

Die Hanf-Bauern von Nord-Albanien

Unterwegs hält die kleine Fähre immer mal wieder an und lässt Menschen an oder von Bord. Sie verschwinden danach in den Bergen. Ein Mitfahrer berichtet mir, dass hier wegen der Unzugänglichkeit der Berge häufig von den Bauern Marihuana angebaut wird, dass dann nach Europa geschmuggelt würde. In der Tat sehen wir auf der Fahrt eine Hang, an dem scheinbar Hanf-Pflanzen wachsen.
Rund zwei Stunden durchqueren wir die Bergtäler, bis wir am Ende in Fierze landen, einer kleiner Ortschaft im Norden. Von dort führt eine Straße weiter in den Kosovo nach Prizren. Für mich war die Fahrt hier diesmal in diese Richtung jedoch beendet. In den Kosovo wollte ich erst im Jahr darauf reisen. Es sollte weiter nach Montenegro gehen. Fierze selbst war kaum sehenswert. Es ist ein typisches Dorf in der albanischen Provinz, nicht einmal ein besonders schönes. Ein paar Betonblöcke, die Anlegestelle, die eigentlich nur ein Dreckhaufen ist. Nach einer Stunde geht es zurück, die gleiche Strecke. Doch bei dieser Landschaft fahre ich gern zweimal.

Albanien Rundreise Koman-Stausee

Die Staumauer des Koman-Stausees.

Fähre Koman-See Reisetipps

Um die Fähre nach Fierze zu bekommen müsst ihr zunächst an die Anlegestelle kommen. Ab Shkodra gibt es Mini-Busse die dorthin fahren. Die Tickets für die Mini-Busse und die Fähre kauft ihr jeweils an Bord. 2008 war das noch separat.
Mittlerweile gibt es aber diese schicke Internetseite auf Englisch, wo ihr die aktuellen Preise findet (pro Person derzeit 5 Euro für die Fähre, mit Minibus von Shkodra und weiter bis Valbona kostet es 17 Euro). Die Fahrt ab Shkodra soll derzeit um 6.30 Uhr starten.

Von Fierze kann man auch weiter in den Kosovo fahren. Es gibt auch dorthin Minibusse. Trampen ist aber mitunter auch möglich, kann aber sehr lange dauern, denn es gibt im Norden von Albanien nur wenig Verkehr.

Übernachten am Koman-Stausee

Auf dem Weg nach Fierze gibt es ein kleines Gästehaus. Dort kann man übernachten und von dort die schöne Umgebung mit den Bergen erkunden. Mehr Infos auf der Internetseite der Pension am Koman-See.

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Posted by Peter Althaus

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