Ich habe schon wieder den Fehler begangen, mitten durch die Nacht zu fahren. Ich bin froh als meine Beine wieder den Boden der Straße in Kumasi berühren und ich endlich meinen 15 Kilo schweren Rucksack nach 4 Stunden von meinen Oberschenkeln auf den Rücken verfrachten kann. Ich steige einfach an irgendeinem Busbahnhof aus, der aussieht wie fast jeder Busbahnhof in Ghana. „Bus station“ beschreibt hier eher eine Straße, an der dichtgedrängt Dutzende Taxis und Kleinbusse warten. Überall um mich herum schreien Vermittler in Megafone. Einer ballert wie bei einer Beatbox immer wieder nur „Accra, Accra, Accra“ in das knarxende Gerät. Dazwischen fehlt auch hier nicht der typische Wanderprediger, der ebenfalls in ein Mikrofon brüllt, das an einen Verstärker angeschlossen ist.

In der Innenstadt von Kumasi ist das Fahren ein ständiges Stop and Go. Nachts kann es zudem noch gefährlich werden, da gelegentlich auch Taxifahrer Fahrgäste ausrauben.

In der Innenstadt von Kumasi ist das Fahren ein ständiges Stop and Go. Nachts kann es zudem noch gefährlich werden, da gelegentlich auch Taxifahrer Fahrgäste ausrauben.

Nachts Taxi fahren in Ghana: Bloß nicht ausgeraubt werden

Ich habe mein Telefon in der Hand und versuche zu telefonieren, kann aber mein eigenes Wort kaum verstehen. Zum Glück habe ich die Nummer der ghanaischen Tourismusbehörde und mein Ansprechpartner Kojo sagt mir wie ich zum Hotel kommen kann. Ich schreie auch absichtlich laut ins Telefon, um gleich alle Vermittler abzuwehren, vor allem Taxifahrer sprechen mich an: „Welcome friend, where do you wanna go?“, fragen sie. Ich zeige auf das Telefon und sage nur „No. Thank you“. Nachts steigt in Ghana die Gefahr überfallen oder ausgeraubt zu werden. Auch Taxifahrer sind dafür bekannt, sich gerne Opfer auszusuchen. Deshalb drehe ich den Spieß um und suche einen Fahrer der keine Anstalten macht, mich anzusprechen. Zudem finde ich einen, der kleiner ist als ich. Ich verfrachte mein Gepäck auf den Rücksitz und setze mich direkt hinter ihn. In Accra hat mir eine Freundin geraten „Setz Dich nachts immer hinter den Fahrer. Dann kannst Du ihn würgen, falls er Dich ausrauben will.“ Ich gebe dem Fahrer die Adresse und tippe sie parallel in mein iPhone. Google Maps funktioniert selbst in den Städten von Ghana perfekt. So kann ich sehen, ob er woanders hinfährt und mich womöglich ausrauben oder betrügen will. Aber er fährt den direkten Weg und ich komme heil gegen Mitternacht in meinem Hotel in Kumasi an. Air Condition und eine kalte Cola gibt es auch noch.

Central Market Kumasi

Marktfrau Patricia auf dem Central Market von Kumasi. Sie verkauft unter anderem Kochbananen und Maniok.

Besuch auf dem größten Markt in Afrika: Kumasi Kejetia Market

Ein paar Tage zuvor war ich bereits in Kumasi. Und auch wenn es hier noch nicht so klang: Ich fand die Stadt interessanter und wesentlich weniger hektisch als das Moloch Accra. Kumasi, die Hauptstadt des Königreichs Ashanti, ist fast schon beschaulich, hat ein einziges Stadtzentrum und auch relativ viele Sehenswürdigkeiten. Kumasi hat so viele Einwohner wie Hamburg, es wirkt aber eher so klein wie Hildesheim. Es gibt keine Hochhäuser, das Zentrum der Stadt hat wie jede Kleinstadt eine zentrale Post und eine Polizeistation. So richtig merkt man erst, dass man in einer Stadt ist, wenn man über eine Fußgängerbrücke die alten Gleisanlagen in Kumasi überquert. Hier fährt zwar schon seit Jahren kein Zug mehr, aber von der Brücke darüber hat man einen großartigen Blick auf den Central Market. Der größte Markt in Ghana, der auch oft Kejetia Market genannt wird, ist eine endlose Aneinanderreihung von Verkaufsständen. Der Markt ist in Viertel aufgeteilt. In einem Viertel bekommt man Lebensmittel. In einem anderen gibt es Kleidung, in noch einem Viertel Haushaltswaren – und so weiter.

Ich schlage mich bis zum Haushaltswarenviertel durch. Hier ist es ruhiger, denn hier sprechen mich nur wenige Vermittler oder Verkäufer an, denn die meisten schnallen von allein, dass ich vermutlich keine Salatschüssel mit nach Europa nehmen will. Die einzelnen Stände haben dabei mitunter sogar nur einzelne Produkte. Ein Stand ist auch Gummibänder spezialisiert. Ein junger Mann tut stundenlang nichts anderes, als die Bänder zu schneiden. An der Straße, die am Central Market vorbeiführt, sitzt Patricia. Sie verkauft Kochbananen, Maniok und Cocoyam „Ich bin aus Kumasi und arbeite schon seit Jahren hier. Ich sitze hier jeden Tag von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr am Abend. Ich ernähre damit meine zwei Kinder“, sagt sie. Andere Verkäufer kommen jedoch von weiter her, oft aus dem Norden Ghanas und verkaufen hier ihre Produkte.

Ashanti Palace Kumasi

Der Manhyia-Palace wurden dem Ashanti-König Prempeh I. von den Briten geschenkt. Er nahm es zwar an aber zahlte es lieber ab.

Kumasi – Hauptstadt des Königreich Ashanti

Kumasi war aber schon immer ein Anziehungspunkt. Das Gebiet der Ashanti erstreckte sich einst über eine Fläche größer als das heutige Ghana, wurde jedoch mit der Zeit kleiner. Heute ist das Herrschaftgebiet des Königs wieder auf die Größe der Provinz Ashanti in Ghana geschrumpft. Der Ashanti-König hat hier jedoch immer noch echten Einfluss. „Er ist sogar mächtiger als unsere gewählten Volksvertreter“, erklärt mir Kofi, der mich durch den Manhyia-Palace („Keine Fotos erlaubt“) begleitet. Das Gebäude wurde dem Ashanti-König von den Briten geschenkt. Das ist eine nette Geste nachdem man Prempeh I. sein halbes Leben lang im Exil in Elmina, Sierra Leone und den Seychellen interniert hatte. Der König nahm nach der Rückkehr dementsprechend das Geschenk zwar an, aber zahlte den Briten jeden Penny dafür zurück. Er wollte kein Geschenk von ihnen bekommen.

Ashanti Kumasi

Mit Kofi und den Löwen vor dem Palast der Ashanti.

Der Goldene Stuhl oder wie ein Hocker einen Krieg auslösen kann

Und die Ashanti waren nicht nur durch die Internierung ihres Königs tief verletzt. Im Jahre 1900 hatte der britische Gouverneur der Kolonie Gold Coast sich mit einem Expeditionskorps nach Kumasi begeben. In einer dreisten Rede verlangte er, sich auf den Goldenen Stuhl setzen zu dürfen. Das wäre so, wie wenn Napoleon nach London einmarschiert wäre und sich die Kronjuwelen um seine Kronjuwelen gebunden hätte. Der Goldene Stuhl gilt den Ashanti als heilig. Dementsprechend verlor die Königinmutter – bei den Ashanti fast wichtiger als der König selbst – die Fassung und ließ die Briten angreifen. Es folgte der Krieg des Goldenen Stuhls. Die Ashanti verloren leider und das Königreich wurde Kronkolonie bis Ghana 1957 unabhängig wurde. Der Goldene Stuhl wird übrigens auch nicht im Ashanti Palace Museum aufbewahrt. Nicht dass sich noch ein Tourist draufsetzt und damit einen Krieg auslöst.

Lake Bosumtwi

Der Lake Bosumtwi ist ein Süßwassersee. Das birgt in Ghana allerdings das Risiko zusätzlicher Krankheiten. Ich bin mir nicht sicher, gehe deshalb auch nicht baden.

Erholung von Kumasi am Kratersee – Der Lake Bosumtwi

Ohne einen Krieg anzuzetteln schaffe ich es am nächsten Morgen dann auch ein Trotro in Richtung des Lake Bosumtwi zu finden. Anders als die Tage zuvor sieht man heute kaum Ziegen am Straßenrand stehen. Sie wurden alle für das islamische Opferfest geschlachtet. Nach etwa eineinhalb Stunden über Buckelpisten kommen wir an einem kleinen Busbahnhof an. Hier heißt es Umsteigen. Das Trotro fährt nicht weiter. Es muss ein Taxi her. Der Taxifahrer lässt sich nach kurzer Diskussion darauf ein, mich nur unwesentlich mehr als die anderen Passagiere zahlen zu lassen. Dafür muss er mich bis zum Hoteleingang bringen. Wir rasen mit Lichtgeschwindigkeit in einem klapprigen Opel Astra die Serpentinen zum See runter. Der Fahrer fährt so schnell, dass er nicht mal an der Schranke für den National des Lake Bosumtwi anhält. Der Ranger steht noch auf, aber da sind wir schon vorbei und ich habe mir einen Euro gespart. Als wir endlich über die Anhöhe hinweg sind, sehe ich endlich den See. Er ist von Hügeln umgeben, denn eigentlich ist der Lake Bosumtwi ein riesiger Meteoritenkrater mit zehn Kilometer Durchmesser. Hier kam vor einer Million Jahren ein riesiger Gesteinsbrocken aus dem All herunter. Der Krater füllte sich über die Jahre mit Wasser und ist nun ein ziemlich großer Frischwassersee.

Tausentfüßer Lake Bosumtwi

Diesen Tausendfüßer haben wir im Restaurant unseres Hotels gefunden. Keine Angst, die tun keinem was.

Als ich am frühen Abend am Seerand stehe, will ich lieber nicht ins Wasser. Auch wenn es hier keine Bilharziose-Erreger im Wasser geben soll, verzichte ich lieber auf die kleinste Möglichkeit mir einen Parasiten unter die Haut zu holen. Stattdessen setze ich mich mit Willie an den Strand und lasse mir von den Hotelangestellten erst ein paar Colas und später ein paar Bier bringen. Wir erzählen über seine Heimat Südafrika. Dort gibt es für ihn kaum noch Arbeit, deshalb ist der Bauingenieur hier in Ghana und baut Malls – erst in Accra, nun in Kumasi. An den Wochenenden entdeckt er das Land. Alle paar Monate kann er sich die Zeit nehmen und ein paar Wochen zu seiner Familie nach Kapstadt fliegen. Gemeinsam relaxen wir am Strand, sammeln Tausendfüßer und Essen das Menü des Hotel-Restaurants hinunter. So lässt es sich leben in Ghana.

Kumasi Straßen

Auf den Straßen von Kumasi geht es etwas gelassener als in Accra zu – aber immer noch recht hektisch.

Tipps für Kumasi

An- und Abreise mach Kumasi: Es wäre schön, wenn ich euch das irgendwie beschreiben könnte. Es ist Ghana. Wird also schwierig. Ich fand allerdings die Karte im Bradt Guide zu Ghana ganz ok. Die wird euch allerdings auch nicht zu den Busbahnhöfen führen. Mir gegenüber wurde ständig angegeben, dass die sich gerade wieder geändert haben. Ich habe leider auch jedes Mal nach den Bussen nach Bolgatanga, Tamale, Takoradi und zum Lake Bosumtwi fragen müssen. Die fahren auch alle woanders. Fragt vorher am besten im Hotel, damit der Taxifahrer klar Anweisungen von euch bekommt.

Übernachtung in Kumasi: Ich habe zwei Nächte in unterschiedlichen Hotels in Kumasi verbracht. Die erste Nacht habe ich im Hotel Sanbra Kumasi geschlafen. Es ist ein stickiges Drecksloch, das selbst für ghanaische Verhältnisse noch recht teuer ist. Dafür hat es den Vorteil, dass es zentral liegt und ein super Restaurant direkt drin hat. Das Essen kann ich sehr empfehlen. Hier habe ich auch einige von der Ashanti-Adelsfamilie essen sehen.

Die zweite Nacht war wesentlich besser. Sie habe ich im Hotel Madison Lodge in Kumasi verbacht. Leider kann ich euch nur eine Telefonnummer und keine Webseite anbieten. Der Manager heißt Yaw. Das Hotel ist außerhalb des Zentrums und nur mit dem Taxi zu erreichen. Dafür ist es sauber, hat funktionierende Klimaanlagen und fließendes, meist sogar warmes, Wasser. Wenn das besser klingt, dann ruft Yaw unter 032 239 5237 an.

Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich ein recht luxuriöses Zimmer im Hotel Golden Bean* nehmen. Das habe ich kurz angeschaut. Restaurant und Pool sehen ziemlich schick aus.

Ich empfehle darüber hinaus am besten bei Booking.com nach einem Hotel in Kumasi* zu suchen.

Blick von der Anhöhe über den Lake Bosumtwi. Der See ist ein mit Wasser vollgelaufenener Meteoritenkrater. Ringsherum sieht man nur Anhähen.

Blick von der Anhöhe über den Lake Bosumtwi. Der See ist ein mit Wasser vollgelaufenener Meteoritenkrater. Ringsherum sieht man nur Anhähen.

Tipps für den Lake Bosumtwi

An- und Abreise: Zum Lake Bosumtwi gibt es Touren ab Accra oder Kumasi. Man kann es aber auch einfach selbst organisieren. Ab Kumasi gibt es Trotros, die in Richtung des Sees fahren. Mein Trotro fuhr allerdings nur bis in ein Dorf vor dem See. Den Rest musste man mit dem Taxi fahren. Ich konnte es mit Einheimischen teilen. So kostete die Fahrt nur rund 10 Cedi ingesamt.

Hotels am Lake Bosumtwi: Ich selbst habe im Lakepoint View Guesthouse* ein Zimmer für 65 Cedi gemietet. Es wurde im Bradt-Guide für Ghana empfohlen. Die Zimmer hatten schöne Bäder, waren groß und komfortabel und hatten einen guten Moskitoschutz. Leider gab es aber nur Ventilatoren und keine Klimaanlagen. Die Angestellten waren freundlich aber etwas verschlafen.
Beim Gespräch mit Willie erzählte er mir, dass er am Morgen noch ein anderes Gästehaus entdeckt habe: das Cocoa Village Lake Bosumtwi*. Es wird von einem slowenischen Pärchen geleitet, soll sehr gut ausgestattet und europäisch organisiert und sauber sein. Das nächste Mal würde ich also ganz klar dort absteigen! Die Besitzer organisieren auch Touren in die nähere Umgebung und kennen sich gut in Ghana aus.
Beide Unterkünfte am Lake Bosumtwi und noch weitere könnt ihr über Booking.com* buchen. Ich habe das ebenfalls in Ghana genutzt.

Empfehlung: Ihr denkt über eine Safari nach? Dann lest hier meinen Bericht über die vermutlich günstigsten Safaris in Afrika weiter.

* Das ist ein Affiliate-Link: Für diese Links bekomme ich eine kleine Provision, wenn ihr hierüber bucht. Das hilft mir dabei, diese Seite weiter zu betreiben und kostet euch nichts extra. Danke dafür!

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Posted by Peter Althaus

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One Comment

  1. Hey Peter, schön, dass ich nun noch einen weiteren Blog gefunden habe, auf dem auch über Ghana berichtet wird (= Die Geschichte mit den Ashanti hast du schön erklärt, aber lass die Ghanaer bloß nicht hören, dass du den Stool des Ashanti-Volkes als einfachen Stuhl bzw. Hocker bezeichnest. Für sie ist der Stool ja sowas wie ein heiliger Thron. (=

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