Meine Tage im Iran sind gezählt, denn es treibt mich noch viel weiter. Also verlasse ich Teheran, das sich noch im Ausnahmezustand befindet, stelle mich an die Straße und trampe weiter Richtung Südosten. Die Straße heißt Persion Golf Highway. Klingt schon ganz schön weit weg von Eisleben! Isfahan, das ist eine tolle Stadt. Der Medicus spielt hier. Ich bin hier mitten im Orient, an der Seidenstraße. Ich erinnere mich, wie ich mich hier mit Andreas, meinem Schulfreund aus Hettstedt, getroffen habe. Das ist jetzt acht Jahre her. Damals sind wir gemeinsam nach Dubai geradelt. Tolle Erinnerungen, die ich hier auffrischen kann. Diesmal treffe ich Uwe aus Schmalkalden hier im Hostel. Er hat sich ein Sabbatjahr genommen und ist mit dem Fahrrad unterwegs und weiß noch nicht, wohin er fährt. Eine interessante Begegnung über den Sinn des Lebens. Außerdem freunde ich mich mit Maria (aus Madrid) an und wir trampen, gemeinsam mit Vincent aus China, weiter in die Wüstenstadt Yazd. Dabei verliebt sich gleich der erste Fahrer in die Spanierin, die sich hinreißen läßt, das Kopftuch im LKW abzunehmen. Sorry, Baltasar, ich glaube das hat keine Zukunft!

Schleier ist mir schleierhaft

Ja, der Schleier ist schon so ein Problem. Und ich verstehe ihn einfach nicht. Man könnte doch so sinnvolle Dinge verbieten: angeklebte Fingernägel, lila Strähnen, Tattoos mit Namen, Lidstrich, Augenbrauen ausrupfen und mit dem Stift wieder anmalen, Pfennigabsätze, What́sapp den ganzen Tag. Aber nein, es müssen die Haare sein. Da schneidet man sich doch als Mann ins eigene Fleisch. Nun muss es der arme Baltasar schaffen, die Bilder der unverhüllten Maria wieder aus seinem Kopf zu bekommen.
In Yazd werden wir, wie immer wieder im Iran, eingeladen. Wir fahren mit einer Familie in die Wüste und werden herrschaftlich bewirtet. Ich kenne kaum ein anderes Land, in dem Gäste so herzlich begrüßt werden wie hier!

Live-Musik nach langer Suche

Wir ziehen weiter, nach Shiraz. Ganz in der Nähe liegt Persepolis, das Zentrum der Welt vor 2300 Jahren. Eine riesige Anlage. Man bekommt eine Vorstellung des Reiches, von dem das Zentrum hier war. Eine Hochkultur, als die Menschen in Germanien noch halbnackt am Feuer saßen, gab es hier schon Bibliotheken und sagenhafte Paläste.
Im Iran Live Musik zu finden, ist sehr schwer aber nach einigen Anstrengungen gelingt mir schließlich einen Studentenclub zu finden. Es gibt sogar eine Jam Session im dunkeln Kämmerchen, irgendwo am Stadtrand von Shiraz. Ich geselle mich mit meiner Trompete dazu und erlebe einen bewegenden Abend. Man kann die verbindende Kraft der Musik nicht in Worte fassen.

Grenzenlosigkeit vs. Trump

Anschließend bleibe ich noch zum Kino. Etwas ungewohnt, mit Balken über weiblichen Brüsten und milchig gemachten Nacktszenen. Da hat das System ein Auge darauf, dass die Jugend nicht auf dumme Gedanken kommt.
In diesen Tagen schaut die Welt auf Amerika. Trump ist neuer Präsident. Ein Präsident, wie keiner vor ihm. Voller Tatendrang, ohne lange Überlegungen. Es wird gehandelt, egal wie. Ich sehe aus dem Iran zu. Trump verhängt ein Einreiseverbot für Iraner, der Iran kontert! US-Amerikanern wird die Einreise in den Iran verwehrt. Was für eine Welt, in der wir uns an die Grenzenlosigkeit gewöhnt haben. Ein beängstigendes Gefühl.
Dann zieht es mich weiter gen Osten. Maria muß zurück nach Teheran. So kommen und gehen die Mitreisenden. Man teilt Zimmer, Erfahrungen und ein Stück des Weges, dann geht jeder wieder seiner Wege. Daran gewöhnt man sich. Ich stelle mich an die Straße und trampe an die pakistanische Grenze, nichts ahnend, was mich erwartet. Aber daran bin ich auch gewöhnt.

Unglaubliches Vertrauen

Der Iran ist kein Entwicklungsland. Ich reise eintausend Kilometer an einem Tag. Hier gibt es vierspurige Straßen, Benzin für umgerechnet unter 10 Cent pro Liter. Nasen-OPs sind an der Tagesordnung, genauso, wie Haarverpflanzungen. Und, die Menschen zahlen mit Kreditkarte – außer uns Touristen, denn das amerikanische Embargo verhindert nur ausländischen Devisenverkehr.
Auch ein schöner Eindruck: Zum Bezahlen Dazu geben die Käufer dem Verkäufer die Karte und sagen ihm ihre Geheimzahl, die er dann ins Gerät tippt. Für uns unvorstellbar. Aber der Islam ist eine Religion, wo man sich gegenseitig traut. Ein Vertrauen, das man auch als Reisender immer wieder erlebt.

Liebe Leute,

von mir ein riesiges Sorry. Ihr habt alle auf den nächsten Blog von Gregor gewartet. Ich bin einfach nicht dazu gekommen. Dafür entschuldige ich mich ganz doll. Das macht auch etwas Arbeit, die Beiträge online zu stellen und ich hatte einfach keine Zeit und war noch dazu krank. Aber ich hoffe ihr freut euch trotzdem. Gregor geht es zum Glück gut und ich soll euch alle grüßen! Den nächsten Blog gibt es schon am Mittwoch zu Pakistan.

Liebe Grüße

Peter

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Posted by Gregor Majewski

Hi, ich bin Gregor und schreibe hier auf Rooksack über meine Abenteuer per Anhalter in der Welt. Ich mache jedes Jahr einen längeren Trip und schreibe hier für euch. Wenn ihr mehr davon lesen wollt, dann folgt uns doch auf Facebook, Twitter oder abonniert uns per E-Mail!

One Comment

  1. Der Iran ist sicher eines der interessanten Länder zum Reisen. Selten kann man in einem Land so viele Vorurteile abbauen, wenn man mal genau hinsieht. Danke für den schönen Bericht.

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