Es geht durch die Wüste gen Süden. Sand, Steine, Schotter, Wellblech. Auf dem Weg nach Bolivien verbringe ich einen Tag und eine Nacht in Chile, genug Zeit, um ein wenig in der Fußgängerzone aufzuspielen. Mein Partner spielt Schuhsohlen-Abflußrohr-Aerophon. Ein paar hundert Kilometer später, kann ich dann noch musikalisch bei der Reifenpanne helfen, in dem ich auf der Trompete spiele, damit es schneller geht.

Ausgesetzt in der Einsamkeit

Auf dem Weg nach Bolivien nehme ich ein Stück den Bus. Der Busfahrer wird mir noch eine Weile in Erinnerung bleiben. Mitten in der Nacht weckt er die einzelnen Fahrgäste mit Namen und sorgt dafür, dass sie an der richtigen Stelle aussteigen. Was für mich dabei allerdings nicht zu begreifen ist: Immer wieder werden Fahrgäste mitten im Dunkeln ausgesetzt – weitab von sichtbarer Zivilisation. Noch unwirklicher habe ich das nur in der Mongolei gesehen, wo mitten im Nichts, bei minus 25 Grad Menschen einfach am Straßenrand zurückgelassen wurden. Und das nach dem eigenem Willen. Mir schien dies immer wie eine Episode aus „So weit die Füße tragen“, der Roman in dem sich ein deutscher Kriegsgefangener aus einem Gulag in der Sowjetunion bis heim nach Deutschland durchschlägt.

Erstes Mal für meine Eisleber Mütze

Viele Tage bin ich nun entlang der Küste unterwegs. Die Anden sind manchmal in Sichtweite. An der Grenze zu Bolivien muss ich sie durchqueren. Es ist kalt. Zum Glück hat mir eine tolle Klasse von meiner Erzieher-Schule in Eisleben eine Mütze zur Abreise geschenkt. Die brauche ich nun endlich, um meine kalten Ohren zu verbergen. Die Nacht verbringe ich mit Alfed, in den Bergen. Es ist bitterkalt. Ich schlafe mit ihm im LKW und er deckt mich mit 3 Decken zu. Trotzdem friere ich. Am Morgen belohnt uns aber die Natur für unsere Entbehrungen. Die Anden, Lamas, grüne Hänge, Adler, die über uns kreisen. Ein Land in dem man es aushalten kann – vor allem klimatisch.

Schönes La Paz

Immer wieder treffe ich Menschen in traditionellen Trachten, fahre auf LKW Ladeflächen und genieße den Blick auf Quinoafelder und die Berge. Dann komme ich in La Paz, der Hauptstadt Boliviens an. Inmitten von Bergen ist die Stadt im Tal gefangen. Hier herrscht 24 Stunden am Tag Stau. Einige Seilbahnen sollen helfen den Transport in der Stadt zu regeln. Es gibt viele Touristen, die durch die Stadt ziehen. Seit Wochen habe ich keinen Ausländer mehr gesehen. Ich bin fast schon froh darüber. La Paz ist eine sehenswerte Stadt.

Endlich gibt es auch wieder einmal für Vegetarier eine gute Auswahl. Ansonsten bin ich von Südamerika kulinarisch sehr enttäuscht. Die Grundsätze der hiesigen Küche sind einfach: viel Fleisch, wenig Geschmack. Reis und Bohnen gehören zum Standard, wenig Gemüse, wenig Gewürze, wenig Ideen. Dabei wächst alles hier. Gelobt seien Indien und Thailand! Dort gibt es für Vegetarier alles im Überfluss!

Tutti Frutti - endlich gibt es auch für Vegetarier wieder etwas leckeres.

Tutti Frutti – endlich gibt es auch für Vegetarier wieder etwas leckeres.

Am Abend komme ich auch noch zu meinem Auftritt auf dem großen Platz vor der Kathedrale spielt eine Band auf. Sie ist leider nicht sehr gut, dafür lassen mich die Musier mitspielen, haben sehr viel Publikum und lassen ihren Gastmusiker “el alman” feiern.

HIer spiele ich mit der nicht besonders guten aber freundlichen Band in La Paz.

HIer spiele ich mit der nicht besonders guten aber freundlichen Band in La Paz.

Strapaziöser Ritt nach Rio

Fast die Hälfte der Stecke nach Rio ist geschafft. Ich liege gut in der Zeit aber es bleibt spannend. Den ganzen Tag fahre ich auf einer Ladung Kartoffeln durch die Berge. Es geht Serpentinen hoch und wieder runter. Neben mir sehe ich steile Abhänge. Wir müssen Flüsse durchfahren. Asphalt ist hier Mengelware. Alles dauert länger, bis wir endlich in Paraguay ankommen. Hier sind die Berge zu Ende. Aber die Straße wird leider nicht besser. Im Gegenteil, sie wird beinahe unpassierbar. Es ist die schlechteste Piste meiner Reise. Hunderte Kilometer geht es nur durch Schlaglöcher. Es ist fast unmöglich diese Strecke zu passieren. Für die Trucker wie Juan ist es Alltag. Mit ihm schlage ich mich 800 Kilometer weit durch. Eine Nacht verbringen wir zusammen im Truck. Leider gibt es dieses Mal nur ein Bett. Und leider hat das Juan. Leider ist in der Mitte meiner Liegefläche der Schalthebel. Warum gibt es hier keine Automatik?

Hinweis: Gregors Internetverbindung war nicht so dolle, deswegen fehlen hier ein paar Bilder. 

Zu viele Tramper

Aber ich will nicht klagen, denn am nächsten Tag, schwups 8 Stunden Schlaglöcher später, bin ich schon in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay. Es ist eine schreckliche Stadt. Aber ich bin ja nur 2000 Kilometer gefahren, um hier anzukommen. Ich bleibe nur ein paar Stunden und steige in einen Bus, der wenigstens ein paar Stunden Schlaf garantiert und mich bis zur Grenze nach Argentinien bringt. Nun sind es nur noch 1000 Kilometer bis Buones Aires. Leider gibt es aber viel Konkurrenz an Tampern. Auf einmal sind wir 5 Tramper, ein Hund und der Fahrer im Auto. Und dieses Mal stinke ich am wenigsten von allen. Das ist auch Premiere. Weit geht es nicht und dann stehen wir alle da. Die 2 Franzosen, die 2 Argentinier und der Hund. Mich packt natürlich der Ehrgeiz, als deutscher Vizemeister und siehe da, ich sitze als erster in einem Auto und das fährt mich sogar die 900 Kilometer bis ins Zentrum von Buones Aires. Den ganzen Tag habe ich auf dem Rücksitz mit Franco, der 7 ist, Blödsinn gemacht, Er weint herzzerreißend, als ich aussteige.

Mit Karacho durch die Schranke

Mitten in der Nacht, mitten in Brasilien hat mich Carlos aufgegabelt. Oberkörper nur mit Schweiß bedeckt, sonst mit nichts als guter Laune. Immer wieder hat er die Karte vom Fernschreiber rausgenommen, um länger und vor allem schneller fahren zu können. Ich habe ausgestreckt neben ihm geschlafen. Immer, wenn ich wach geworden bin, hat er mich angestrahlt und gesungen. Aber der absolute Obergau war, als er mit 60 Sachen durch die Mautstation gebrettert ist. Als die Schranke mit einem höllischen Krach abgeflogen ist, habe ich mir kurz ein bisschen eingemacht, aber Carlos war unbeeindruckt. Das hat mich dann wieder etwas beruhigt.
Sao Paulo war dann noch eine Tortur. Sieben Stunden hat es gedauert, bis ich aus der Stadt wieder draussen war. Aber dann war ich endlich in Rio. 12.000 Kilometer in 16 Tagen, nur drei Nächte davon in einem Bett. Kaum Wasser an die Haut. Ich bin ganz schön fertig.

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Posted by Gregor Majewski

Hi, ich bin Gregor und schreibe hier auf Rooksack über meine Abenteuer per Anhalter in der Welt. Ich mache jedes Jahr einen längeren Trip und schreibe hier für euch. Wenn ihr mehr davon lesen wollt, dann folgt uns doch auf Facebook, Twitter oder abonniert uns per E-Mail!

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