Kurz nach der Einreise in den Iran zeigte sich schnell, dass ein paar Worte Farsi her müssen, sonst kann man überhaupt nicht kommunizieren. Zum Glück konnte der erste Fahrer weiterhelfen. Er sprach ein bisschen Deutsch, denn er war gerade auf dem Weg von Dänemark über München nach Teheran. Mit einer Ladung Kosmetika aus Deutschland bin ich in den Iran gefahren. Mein Wortschatz auf Farsi war allerdings noch kleiner, als der des Fahrers auf Deutsch: Salam (Hallo), Tashakor (Danke), Chube (gut), Bale/Nah (Ja/Nein) und Chudofes (Auf Wiedersehen). Leider erklärt es sich damit nicht so einfach, dass man kein Fan Hitlers ist und auch auf den Gruß mit der ausgestreckten Hand nicht antworten will. Aber mit den paar Worten man kann man schon mal überleben und Freundschaften schließen. Immer wieder betonen die Iraner, dass wir zu ein und derselben Rasse, den Ariern gehören und schon deshalb Freunde sind. Nun, ein sehr belastetes Thema, aber eben nur für uns Deutsche.

Nächster Halt: Weltkulturerbe Tabriz

Meine erste Station im Iran: Tabriz. Dort gibt es einen riesigen Basar, der zum Weltkulturerbe zählt. Auf den Märkten und Basaren fühle ich mich immer wohl. Noch dazu, wenn sie die Unesco für so wichtig, wie Eisleben hält. Basare sind ein Zentrum des Lebens hier. Es herrscht ein reges Treiben, gibt immer einen Tee und interessante Gespräche. In Bulgarien hatte ich zuvor einen Mann getroffen, der gesagt hat, in den Iran dürfe man nicht fahren, da Frauen dort keine Rechte haben. Dies toleriere oder stütze man, wenn man sich dort aufhält. Seit dem beschäftigt es mich, ob dies so ist. Kann man etwas verändern oder ist es ein Statement, wenn man es sich verbietet, dort hinzureisen, wo Unrecht geschieht? Ich denke, man kann sich erst dann ein Bild und eine Meinung machen, wenn man vor Ort beobachtet und mit den Menschen dort spricht.

Familie in Tabriz

Als Frau nicht zum internationalen Schwimmwettbewerb zugelassen

einem Imbiss habe ich eine Familie kennengelernt. Die Frau hat, wie die meisten gut gebildeten Menschen hier, Kritik am politischen und religiösen System geübt. Sie kann als Schwimmerin an keinem internationalen Wettstreit teilnehmen. Schon allein wegen der Kleiderordnung. Wir haben uns lange unterhalten. Sie hat sehr gutes Englisch gesprochen und hat sehr versiert mit ihrem Handy gegooglet und übersetzt. In dem Augenblick habe ich gemerkt, dass man Frauen nicht unterdrücken kann. Nicht dauerhaft. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in einer Welt, in der es Internet gibt. Es ist eine Frage der Zeit, da werden die Männer gar nicht so schnell hinterhersehen können, wie die Frauen sich befreien. Im Westen ist es längst geschehen, hier, in der traditionell patriarchalen Welt merken die Männer den Wandel gar nicht. In der Zeit, wo sie gemeinsam Tee trinken, Wasserpfeife rauchen und LKWs reparieren, studieren Frauen, lernen Englisch und bereiten den Aufstand vor, dessen bin ich mir sicher. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Hochhaus Einsturz Teheran

Nach einer Weile stürzte das Hochhaus in Teheran ein. Dabei sollen mehr als 100 Menschen gestorben sein. In Deutschland war dies nur eine kleine Randnotiz.

Hochhaus-Einsturz Teheran: Wie Zeuge des Unglücks wurde

Am nächsten Tag habe ich mich dann wieder auf den Weg gemacht und bin bis in die 14- Millionen-Stadt Teheran gefahren. Genau am Wahrzeichen der Stadt bin ich angekommen und gleich mit der U-Bahn ins Zentrum gefahren. Am nächsten Tag war eine große Aufregung in der Stadt, überall stand Polizei und dann habe ich gesehen warum: Ein Hochhaus brannte lichterloh. Gleich neben der deutschen Botschaft, mitten im Zentrum der Stadt schlugen die Flammen aus den oberen Stockwerken eines 17-geschossigen Hauses. Ein Feuerwehrmann mit einem Schlauch versuchte den Brand aufzuhalten. Und dann stürzte das Gebäude vor meinen Augen ein. Unfassbar. Es war ein Gefühl, wie am 11. September in New York. 100 Tote, vor allem Feuerwehrleute, die im Gebäude waren. Die Menschen hier waren geschockt. In Deutschland war es nur eine kleine Pressenotiz.

Im nächsten Beitrag berichte ich euch dann schon aus dem noch unbekannteren Pakistan.

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Posted by Gregor Majewski

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