Wer braucht schon Ägypten? Am Nil kommt man in den Knast, wenn man die Pyramiden besteigt. Im Mansfelder Land hingegen gibt es sogar öffentliche Führungen auf die Pyramiden von Mansfeld. Die Bergbau-Halden im Mansfelder Land sind zwar nicht öffentlich zugänglich, werden jedoch für Führungen immer wieder geöffnet. Und so kann man legal den Ausblick genießen – von diesen Pyramiden, die sogar höher sind als die Originale in Ägypten.

Mansfelder Halden – Wo gibt es die?

Entstanden sind die Halden im Mansfelder Land über Jahrhunderte, denn den Bergbau in der Region gibt es schon seit dem Mittelalter. Auch der Vater des Reformators Martin Luther soll bereits ein Bergmann gewesen sein. Geocacher können deshalb auch die Lutherhalde bei Wimmelburg suchen. Sie soll das älteste Zeugnis der Bergbau- und Hüttentradition in der Region sein. Im Grunde hat aber jeder der Orte im Mansfelder Land mindestens eine Halde in der Nähe. Auch von meinem alten Kinderzimmer kann man auf eine Halde blicken – bis 1990 floß hier sogar noch heiße Schlacke an den Hängen hinunter. Ein Anblick wie bei einem künstlichen Vulkanausbruch.
Doch diese Halden sind alle mickrig im Vergleich mit den Millionen Kubikmeter Gestein der Mansfelder Pyramiden. Eigentlich zählen hierzu vor allem die Halde des Fortschritt-Schachtes (oder Wolf-Schachtes) bei Volkstedt in der Nähe von Eisleben, des Thälmann-Schachtes bei Siersleben und des Otto-Brosowski-Schachtes bei Hübitz. Manche zählen auch die Halde des Thomas-Müntzer-Schachtes (ursprünglich falsch ohne T geschrieben) bei Sangerhausen dazu. Die Halde „Hohe Linde“ wird besonders von den Eislebern gern unterschlagen, obwohl sie die zweithöchste nach der des Fortschritt-Schachtes ist. Da sie aber außer Sichtweite für die Eisleber ist, geht es hier nach: „Aus den Augen, aus dem Sinn“.

Besteigung der Mansfelder Halden

Doch der Ausblick dürfte kaum weniger spektakulär sein. Auch die Hohe Linde ist mit 144 Meter immer noch ganze 5 Meter höher als die große Cheops-Pyramide in Gizeh. Die Halde des Fortschritt-Schachtes toppt aber alles mit 153 Meter. Hierauf kann man ungefähr einmal im Jahr legal klettern. Es gibt hunderte Wanderer, Blasmusik und eine ausführliche Einweisung. Normalerweise ist das Betreten verboten. Das Gestein rutscht schnell ab, es kann zu Unfällen kommen. Dennoch gibt es eigentlich keine wirklichen Barrieren, die jemand ernsthaft vom Besteigen der Halden abhalten könnten.

Halde des Ernst-Thälmann-Schachtes bei Siersleben

Und wie es so ist, hab auch ich meine Lieblingshalde. Es gibt ja Menschen, die sind in Objekte verliebt. Ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber wenn ich eine Halde aussuchen muss, dann ist es die des Ernst-Thälmann-Schachtes bei Siersleben. Sie ist mit 130 Metern nicht die höchste der Mansfelder Halden. Aber sie ist der heimliche Star. Auf dem Gipfel der Halde gibt es ein Gipfelkreuz. Das symbolisiert schon: Du hast es geschafft. Von hier oben sieht man nicht nur die nahe Umgebung. Auch der Brocken ist gut zu sehen, genau wie die Buna-Werke und alle anderen Halden der Umgebung – sogar die Kalihalde von Teutschenthal. Und es gibt das Kunstwerk „Lichtauge“der Künstlerin Rosemarie Ullrich zu sehen. In die Einkerbung passte ursprünglich einmal ein Schlüssel, der aber mittlerweile entfernt wurde. Genauso wie das Gipfelbuch am Kreuz. Scheinbar wurde es schon mehrfach entwendet, denn Besucher werden angewiesen, das mittlerweile wieder verschwundene Gipfelbuch doch bitte an seinem Platz zu belassen. Der Schlüssel zum Lichtauge befindet sich mittlerweile auf dem neben der Halde befindlichen Betriebsgeländes der Maut AG. Übrigens zählt die Halde auch zu deren Besitz, weshalb der Aufstieg offiziell auch untersagt ist. Ich rate also jedem davon ab, die Halde außerhalb der leider sehr seltenen Aufstiege zu besuchen.

Halde Otto Brosowski Schacht Mansfelder Land Pyramide Kunstwerk Lichtauge

Das Lichtauge und im Hintergrund die Halde des Otto-Brosowski-Schachtes.

Termine der Besteigung der Mansfelder Halden

Es gibt zwei einfache Möglichkeiten die Mansfelder Halden zu besteigen. Zum einen bietet der Verein der Mansfelder Berg- und Hüttenleute regelmäßig eine Haldenbesteigung an. Die Termine findet ihr unter der Rubrik „Haldenbesteigung“ auf der Webseite des Vereins.
Zum anderen bietet auch das Standortmarketing Mansfeld-Südharz Haldenbesteigungen an. Diese werden meist zusammen mit Firmen durchgeführt. Zweimal im Jahr geht es auf die Halde Hohe Linde bei Sangerhausen. Einmal im Jahr auf die Halde des Fortschrittschachtes bei Volkstedt.
Wann ihr wieder auf die Halde des Thälmann-Schachtes könnt, steht noch nicht fest. Schreibt doch einmal den Verantwortlichen beim Standortmarketing. Vielleicht lässt sich etwas organisieren!

Tipps für den Aufstieg auf die Halden

  • Ihr solltet definitiv Wasser mitnehmen. Man wird durstig wie eine Bergziege!
  • Auch müsst ihr dringend fit genug sein, in so einem spitzem Winkel den Berg hochzukommen. Das ist vermutlich 35 bis 40 Grad steil.
  • Unterwegs empfehle ich immer mal eine kurze Pause zu machen, bis man wieder halbwegs atmen kann.
  • Vorsicht mit dem abrutschenden Geröll und nicht zu nah an die Kante gehen.
  • Oben lässt sich prima picknicken!
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Posted by Peter Althaus

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One Comment

  1. Super Bericht,

    ich war 1982 auch mal dort oben mit einem Schulkameraden/Lehre der schon leider verstorben ist. War ein außergewöhnliches Erlebnis…

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