Die Milchbar in Polen ist eine Institution. Hier bekommt jeder eine günstige Mahlzeit – meist sogar unter 3 Euro. Wie die Milchbars in Polen entstanden sind und wie man auch als Ausländer dort heute noch günstig essen kann, erkläre ich euch im heutigen Artikel. Smacznego!

Viel hat sich in Polen in den vergangenen Jahren geändert. Als ich das erste Mal dort war, so um 1997 muss das gewesen sein, da sah alles noch grau aus. Die Leute fuhren noch Polski Fiat, sprachen keine Fremdsprachen, liefen in billigen Klamotten rum und tranken viel Vodka. Doch Polen hat sich verändert. Heute ist es quirlig, viele Leute sprechen Englisch oder Deutsch, abends geht man in schicke Kneipen und trinkt Cocktails oder Bier. Und westliche Automarken haben den polnischen Fiat und die Skodas aus Tschechien von den Straßen verdrängt.

Milchbar Mewa Wroclaw Bar mleczny Breslau

Die Milchbar Mewa gehört zu den ältesten in Wroclaw.

Kein Produkt des Kommunismus in Polen

Eine Sache jedoch hat sich nicht verändert: die Milchbars – auf Polnisch Bar mleczny. Anders als oft geglaubt, gibt es sie schon viel länger. Die erste hat 1896 in Polen auf der Novy Swiat eröffnet. Damals verkaufte ein Landwirt dort vor allem landwirtschaftliche, vegetarische Produkte – darunter auch Milch. Daher auch der Name Milchbar. Nach dem Ersten Weltkrieg bereits, zur ersten polnischen Republik, erlangten die Milchbars bereits große Popularität und ermöglichten einfachen Leuten eine günstige Mahlzeit. Die polnischen Kommunisten griffen diese Idee einer fleischlosen und günstigen Ernährung der Bevölkerung jedoch auf und eröffneten landesweit viele Milchbars, bereits bestehende wurden verstaatlicht. In den 80ern sollte das System sogar ausgebaut werden, aber die Pläne wurden wegen des Ausnahmezustands, fehlender Räume und Lebensmittel nicht verwirklicht.

Milchbar Mis Wroclaw Theke Essen günstig Polen

Die Einrichtungen in den polnischen Milchbars, wie hier ind er Milchbar Mis in Wroclaw, sind auch heute noch eher schlicht.

Weniger Milchbars mit mehr Angebot und immer noch günstig

Dennoch haben die polnischen Kommunisten sie noch viel populärer gemacht. Der polnische Staat subventioniert die Läden bis heute, auch wenn sich ihre Zahl seit dem Ende des Kommunismus in Polen drastisch verringert hat. Aber es gibt weiterhin welche und auch heute noch sitzt dort jeder neben jedem. Professor und Bauarbeiter, Student und Rentner teilen sich die Tische und essen polnische Hausmannskost. Die Inneneinrichtung ist auch heute noch schlicht. Ein paar einfache Tische und Stühle. Im Fenster ein paar Grünpflanzen. An der Wand eine Tafel mit den Gerichten. Daneben eine Kasse und die oft mürrische Kassierin und dahinter der Tresen mit den Gerichten.

Milchbar Mis Wroclaw breslau polen günstig essen

Die Karte aus der Milchbar Mis in Wroclaw: Steht hinter den Gerichten ein Preis, kannst Du das Gericht bestellen.

So bestellst Du in einer polnischen Milchbar

Es gibt jeweils eine Tafel mit den angebotenen Gerichten. Steht hinter dem Gericht ein Preis, so kannst Du das Essen bestellen. Steht kein Preis dort, gibt es das Gericht heute nicht. Notiere Dir vielleicht einfach Deine gewünschten Gerichte. Hier weiter unten findest Du die wichtigsten Gerichte auf Polnisch. Die Kassierin rechnet dann alles zusammen. Meist zahlst Du für ein großes Essen mit Getränk kaum mehr als 10 oder 12 Zloty (2,50 bis 3 Euro). Nun bekommst Du einen Zettel mit Deinen Speisen und nimmst Dir neben der Speisentheke ein Tablett und Besteck. Dann reichst Du der Köchin dahinter den Kassenzettel und wartest, bis Dir das Gericht zusammengestellt wird. Nach ein paar Sekunden hast Du es in den Händen. Das Essen was da ist, wird meistens in größeren Mengen vorbereitet und warm gehalten. So geht es schneller. Hast Du auch ein Getränk bestellt, nimm Dir nun eine Flasche aus dem Kühlregal. Dann kannst Du Dir einen Platz suchen. Ist kein Tisch frei, ist es üblich, dass man sich einfach zu jemand an den Tisch setzt. Ich habe mich meist zu jüngeren Leuten an den Tisch gesetzt. Da kann man sich vielleicht noch etwas unterhalten. Aber wenn Du nur essen möchtest, ist das auch voll ok. Wenn Du fertig bist, räumst Du Dein Geschirr zusammen und bringst es zur Geschirrrückgabe. Im Grunde ist es also wie in einer deutschen Kantine. Nur eben auf Polnisch.

milchbar wroclaw polnisches essen polen lecker

Besonders das Essen in den Milchbars ist sehr authentisch. Polnisches Essen ist einfach lecker. Selbst für Vegetarier gibt es in den Milchbars etwas.

Diese Gerichte aus der polnischen Küche solltest Du in der Milchbar probieren

Ich persönlich liebe Kohlrouladen, Polnisch golabki. Auch die gibt es beispielsweise in der polnischen Küche. Piroggen solltest Du dringend probieren. Das sind Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen. Als Vorsuppe bietet sich Barszcz an, eine Rote-Beete-Suppe, die Du vielleicht aus der russischen Küche kennst. Typisch Polnisch finden viele Polen auch Bigos, einen Eintopf mit Sauerkraut, Weißkohl und Wurst.
Eher unbekannt sind die Nachspeisen aus Polen. ich persönlich stehe auf Mohn, weswegen ich Makowiec ganz lecker fand. Aber sucht euch selbst was!

Suppen
  • Barszcz czerwony – auch Borscht ist Suppe aus Roter Beete (vegetarisch)
  • Zurek – ist eine saure Mehlsuppe mit Kartoffeln oder Eiern
  • Flaki – ist eine sehr ungewöhnliche Kuttelsuppe. Wer weiß, was Kutteln sind, dem ist klar, dass man hier einen kleingeschnittenen Rindermagen bekommt. Das ist gewöhnungsbedürftig aber die leckeren Gewürze reißen es meist raus.
Hauptgerichte
  • Bigos – ist ein Schmoreintopf mit Sauerkraut und Wurst
  • Golabki – kommen ursprünglich aus Litauen und sind Kohlrouladen mit Hackfleisch in Tomatensauce
  • Kiełbasa – sind polnische Würste – soll es eine Weißwurst sein, gibt es die sogar in Polen. Dann heißen sie einfach biała Kiełbasa
  • Kotlet schabowy – ist ein Schweinkotelett, und ähnelt dem Wiener Schnitzel. Sie sind eigentlich immer ganz gut.
  • Pierogi – ähneln Maultaschen und haben eine Füllung. Hier kann man sich leicht vertun. Es gibt nämlich süße und gerzhafte Perogi. Deshalb hier die Unterscheidung:
    • Pierogi ruskie – Pierogi mit einer Füllung aus Kartoffeln und Twarog (ein polnischer Käse) –  (vegetarisch)
    • Pierogi z miesem – Pierogi mit Hackfleischfüllung
    • Pierogi z kapusta i grzybami – Pierogi mit Sauerkraut und Pilzen (vegetarisch)
Beilagen
  • Kopytka – sind Klöße aus Quark (vegetarisch)
  • Kasza gryczana – ist Buchweizen (vegetarisch)
  • Placki kartoflane – kennen wir als Kartoffelpuffer (vegetarisch)
Nachspeisen
  • Makowiec – sind leckere Mohnstrudel aber das ist natürlich Geschmackssache (vegetarisch)
  • Napoleonki – sind die polnische Variante von Crepes (vegetarisch)
  • Paczki – kennt man als Berliner und in Berlin als Pfannkuchen (vegetarisch)

So, das wären meine Empfehlungen. Es gibt natürlich noch viel mehr aber ich will euch nicht langweilen. Hat euch der Text weitergeholfen? Wenn nein, helft mir ihn zu verbessern! Oder habt Ihr etwas davon schon einmal gegessen? Wie hat euch das polnische Essen geschmeckt? Auf jeden Fall erstmal ein fröhliches „Smacznego! (Guten Appetit! auf Polnisch).

Jacek i Agatka, Wroclaw, Mlichbar, Essen, günstig

Die Milchbar Jacek i Agatka war wahrscheinlich mein Favorit in Wroclaw.

Diese Milchbars in Wroclaw solltest Du probieren

Auch in Wroclaw gibt es natürlich noch einige Milchbars. In allen wird weiter günstiges Essen serviert. Die Milchbars sind oft sogar an recht zentralen Orten untergebracht.

Mis

Die Milchbar Mis ist gleich gegenüber vom Kalambur ist nach einem berühmten polnischen Film benannt. Die Einrichtung ist so schlicht wie überall in den Milchbars, die Karte umfangreich. Ich habe hier Kopytka und ein Schnitzel gegessen. Das war ganz gut. Gezahlt habe ich 11 Zloty. Das war ok. Für den Kaffee kann man dann ja ins gegenüberliegende Kalambur gehen.
Adresse: Milchbar Mis, ul. Kuźnicza 48, Wroclaw

Jacek i Agatka

Jacek i Agatka hat auch samstags recht lang auf, weswegen ich dort noch essen konnte. Die meisten Milchbars haben Sonntag geschlossen, so auch diese. Dennoch ist Jacek i Agatka eine wirklich gute Milchbar. Auch am Samstag saßen hier wirklich sehr verschiedene Leute herum. Ich habe gleich mehrere Essen bestellt und eine Cola (siehe Foto) und bin mehr als satt geworden. Besonders gut sind die Golabki und die Pierogi!
Adresse: Milchbar Jacek i Agatka, Plac Nowy Targ 27, Wrocław

Auch gut sein soll übrigens die Bar Mewa (Adresse: ul. Drobnera 4, Wroclaw), die ich nur fotografiert habe. Das ist die Lieblings-Milchbar meines Couchsurfing-Gastgebers Piotr.

Nun, habt Ihr Hunger bekommen? Wart Ihr schon mal in einer Milchbar in Polen? Wie hat es euch geschmeckt?

 

FLASCHENPOST FÜR DICH
Sei mit dabei und erhalte gratis die Rooksack-Flaschenpost mit Updates zu Backpacking, kostenlosem Reisen, Trampen und Couchsurfing.
Spam ist doof. Von mir kriegst Du keinen.

Posted by Peter Althaus

Hi, ich bin Peter und ich schreibe hier auf Rooksack über meine Abenteuer mit dem Rucksack in der Welt. Wenn Du mehr davon willst, folge mir auf Facebook, Twitter oder abonnier uns per E-Mail!

5 Comments

  1. Dieser Beitrag kam genau zur richtigen Zeit. Seit einigen Monaten hatte ich schon übers lange Maiwochenende meinen allerersten Kurztrip nach Polen, genauer gesagt Wroclaw geplant (und ja, die 5 Tage haben mich definitiv angefixt). Das Konzept der Milchbars kannte ich noch von einem Prag-Trip im Jahr 1992.

    Leider war wegen der Feiertage am 1. und 3. Mai fast alles nicht-Touristisches geschlossen. In Uninähe habe ich dann aber noch in Uninähe (Nozownica 14-16, Seitenstrasse der Kuźnicza, vom Eco-Supermarkt an der Ecke sieht man es schon) das Misz Masz gefunden. Secker war und auch recht angenehm zum Sitzen, bei gutem Wetter auch im Freien.
    http://barmiszmasz.pl
    Sehr lecker dort die Golabki, aber auch die anderen Sachen haben gut geschmeckt. Preislich lag alles incl. Getränk bei 8 – 12 Zloty mit großzügigen Portionen. Das Misz Masz hat 7 Tage die Woche geöffnet, bis abends um 21 Uhr.

    Was ich ansonsten durchaus auch empfehlen kann, wenn man sich einfach mal quer durch die polnische Küche durchprobieren möchte ist das STP direkt auf der Kuźnicza in der Altstadt, 2 Block weiter südlich. Der Ort ist von Einheimischen durchaus gut frequentiert, bezahlt wird nach Gewicht, d.h. die Teller werden an der Kasse abgewogen. Ich hatte dort zweimal gegessen, mit gutem Hunger sollte man mit 15 bis 20 Zloty rechnen, wenn man sich den Teller am Buffet einigermaßen vollgeladen hat. Aber wie gesagt: Es hindert einen niemand daran, einfach nur einen 10 Zloty Teller mit Probierportionen der 20 typischen Gerichten auf der polnischen Speisekarte zusammenzustellen. So kann man z.B. einfach mal für wenig Geld und Sprachschwierigkeiten diverseste Pierogi durchprobieren.
    http://www.multifoodstp.pl/restauracja/wroclaw/pierwszy-multifood-stp-kuznicza-10

    Antworten

    1. Über den Autor Mai 5, 2014 at 22:40

      Hallo Jörg!
      Das sind wirklich gute Tipps! Misz Masz wollte ich eigentlich auch noch hin, weil sie als einzige sonntags geöffnet hat. Leider hab ich es nicht mehr geschafft. STP hatte ich gesehen und probiere ich das nächste Mal!
      Liebe Grüße,
      Peter

      Antworten

  2. 2000 habe ich in Warschau studiert. Nahe der Uni war/ist eine Milchbar, die meine Mitstudenten und mich oft versorgt hat. Meist hatte ich kasza gryczana z grzybami ale z jajkiem sadzonym, ich habe es geliebt! Aber der Geruch des Buchweizens hat meine nichtpolnischen Mitstudenten regelmäßig das Gesicht oder sich gleich ganz verziehen lassen. Hatte ich halt mehr Platz am Tisch 😉
    Die Schroffheit der Mitarbeiterinnen lässt eine Norddeutsche sich gleich zu Hause fühlen. Ich hatte, in der langen Schlange stehend, immer Angst, meine Bestellung nicht schnell und deutlich genug herausbringen zu können – guter Tip mit dem Zettel! Jedesmal hat mich der Blick in die Küche beeindruckt: Die riesigen Löffel und Kellen, der Dampf aus den gigantischen angebeulten Töpfen… Zum Abschied wollte ich diesen Einblick fotografisch festhalten, aber das wurde mir abgeschlagen.

    Antworten

    1. Ja, so kann man sich auch ein ruhiges Mittagessen verschaffen. Kann man vielleicht auch, indem man ihnen erklärt, was Flaki ist:-D
      Auch Berlinern und Ostdeutschen ist der Service in Milchbars wohlvertraut.
      Wenn ich das nächste Mal in Warschau bin, teste ich mal Deinen Tipp. Danke dafür! Vielleicht schaffe ich es dann aber für Dich ein Foto zu machen. Dann poste ich es!

      Antworten

  3. kerstin borges April 23, 2017 at 1:05

    Hallo Peter

    Ich kenne alle 3 beschriebenen bars, häufig war ich in Jacek und Agata, da das hostel dort in der Nähe, lag, in dem ich öfters genächtigt hab.
    Ich liebe Nalesniki z serem (Pfannekuchen mit Quarkfüllung), da sie immer richtig frisch sind.
    Auch Miseria (Gurkensalat) und Chlodnik (kalte rote Bete Suppe) sind sehr lecker.
    Gerne nehme ich mir am Abend auch noch einige Salate (surowka) mit ins Hostel.
    Es gab in der Piłsudskiego, ich glaube nr. 20 auch eine Milchbar, die hierß – hm, zum goldenen Hahn ( złoty kogut) oder so ähnlich.

    Antworten

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.