Ich bin immer noch an der Kreuzung aus dem zweiten Teil. Meine kleiner Rückblick hat mich wieder in die Realität versetzt. Eine Nachricht poppt bei Whatsapp auf. Wir sind wieder im Nirgendwo aber haben wie immer 3G-Internet. Island, ich liebe Dich. Meine Mutter schreibt mir, dass es fast 40 Grad daheim sind, wo warm wie noch nie. Ich mache mir Sorgen um unsere Oma, die bei dem Wetter immer sehr erschöpft ist. Aber allen geht es gut. Ich schicke ein Bild an euch Rooksack-Leser über Facebook. Im Hintergrund sieht man den Schnee, der hier in den Westfjorden im Juli selbst auf 600 Meter Höhe noch recht ordentlich liegt.

Nach einer halben Stunde kommt das Auto, auf das wir gewartet haben. Es ist ein riesiger Pickup. Er hat nicht nur vorne am Fahrerhaus gleich vier Türen, sondern anstatt der Ladefläche einen Camperaufsatz. Am Steuer sitzt ein Isländer Anfang 50. Wir freuen uns wie kleine Kinder. Nicht nur weil wir der Einöde entfliehen können. Es ist auch eher selten, dass Fahrer von Jeeps und Pick-Ups für Tramper anhalten. Über die Gründe zu spekulieren, ist eines unserer Hobbies für das Warten. Der Fahrer lässt uns unsere Rucksäcke in den hinteren Teil des Wagens packen, wo auch schon ein Labrador zu unsere Begrüßung auf uns wartet.

Þingeyri (gesprochen Thingeri) liegt malerisch am Dyrafjörður.

Þingeyri (gesprochen Thingeri) liegt malerisch am Dyrafjörður.

Isländer mit amerikanischem Akzent

Das Innere des Jeeps ist komfortabel. Es ist ein F150 von Ford, der in Island neben dem noch größeren F250 eines der auffälligsten Fahrzeuge ist. Bei den Fahrzeugen ist, was Größe und Breite der Reifen betrifft, der Isländer dem Amerikaner näher als dem Deutschen. Und auch der Fahrer hat einen breiten amerikanischen Akzent. Es ist Einar Páll Svavarsson. Den amerikanischen Akzent hat er vor allem aus seiner Kindheit. Er ist in der Nähe des amerikanischen Luftwaffenstützpunktes Keflavik aufgewachsen, der heute der internationale Flughafen von Reykjavik ist.

Er baut gerade eine Webseite über Island auf und fährt deswegen alle Orte des Landes ab. Das passt uns sehr gut, denn wie er uns erzählt, wird er bis Ísafjörður fahren und unterwegs auch in Þingeyri und den anderen Städtchen auf den Weg halten. Für uns ganz praktisch, so sehen wir die anderen Fjorde. Auf dem Weg nach Þingeyri ziehen kleine Bergseen an uns vorüber, die scheinbar durch die Schneeschmelze entstanden sind. Immer wieder fahren wir über kleine Bergkuppen, um dann in Schlangenlinien auf den Schotterpisten wieder ins Tal zu kriechen. Neben der Straße kleine und große Bergflüsse mit klarem Wasser.

Der Dynjandifoss ist der bekannteste Wasserfall in den Westfjorden von Island.

Der Dynjandifoss ist der bekannteste Wasserfall in den Westfjorden von Island.

Kurzer Zwischenstopp am Dynjandi-Wasserfall

Überall stürzen kleine Wasserfälle ins Tal. Auf unserer Fahrt in die Westfjorde hatte uns Leifur erzählt, dass wir unbedingt am Wasserfall Dynjandi halten sollen. Zum Glück stoppt Einar dort. Der Wasserfall kommt ebenfalls aus einem der kleinen Seen im Hochland darüber und fällt über mehrere Stufen ins Tals. Wir beeilen uns mit den Fotos am Wasserfall. Das Wetter ist wunderbar, die Sonne scheint, steht aber blöderweise relativ ungünstig über dem Wasserfall. Die Bilder werden mittelmäßig aber ich freue mich über den kurzen Zwischenstopp.

Islands niedlichstes Café und Gassi mit dem fremden Hund

Kurz darauf fahren wir nach Þingeyri in. Das kleine Fischerdörfchen war die Heimat der Verwandten eines Fahrers von unserer Hinfahrt in die Westfjorde. Einar wollte rund eine Stunde im Ort bleiben. Wir boten an, den Hund so lange Gassi zu führen. Doch zuerst haben wir Mittag gegessen, im vermutlich niedlichsten Café Islands. Das Café Simbahöllin in Þingeyri wird von einem dänischen Pärchen betrieben und war früher ein kleiner Tante-Emma-Laden. Drin gibt es leckere Kuchen. Das Café ist Treffpunkt für Backpacker und Reisende gleichermaßen. Mit dem Hund sind wir dann noch zum Ufer des Fjordes gelaufen, wo ein kleiner Park mit Pavillon angelegt hat. Von hier hat man einen schönen Blick auf den Fjord und die Berge der Umgebung. Hier trafen wir auch Leifur wieder, der mit seiner Familie einen Sonntagsspaziergang machte. Ihr erinnert euch vielleicht noch an den ersten Post, er hatte uns in die Westfjorde mitgenommen. Nach einer Stunde trafen wir Einar dann am Hotel Sandafell, in dem seine Cousine als Chefköchin arbeitet. Aber eigentlich macht sie wie jeder Isländer im Tourismus auch mal die Rezeption oder serviert.

Mittlerweile wurde es immer später und da wir nicht unbedingt jeden Ort in den Westfjorden sehen wollten, da auch nicht alle unbedingt spannend sind, entschieden wir uns, doch schon mal weiter nach Ísafjörður zu trampen und verabschiedeten uns von Einar und Hund. Wir wollten den Tag dort ganz in Ruhe ausklingen lassen.

Ísafjörður wirkte trotz seiner vergleichsweise kleinen Größe von rund 5000 Einwohnern sehr kosmopolitisch.

Ísafjörður wirkte trotz seiner vergleichsweise kleinen Größe von rund 5000 Einwohnern sehr kosmopolitisch.

Ísafjörður – Zurück in der Zivilisation

Eine knappe Stunde später waren wir dann in Ísafjörður. Die kleine Stadt mit rund 5000 Einwohnern ist das Herz der Westfjorde und deren Hauptstadt. Und in der Tat: Nachdem wir vorher nur in sehr kleinen Orten waren, wirkte Ísafjörður nun fast weltstädtisch. Es gibt sogar einen Bonus-Supermarkt und noch einen anderen. Viele Hotels und Restaurants locken Gäste, auf den Straßen sieht man sogar Menschen, nicht nur vereinzelte Autos. Es war eine willkommene Abwechslung. Unsere Unterkunft hatten wir diesmal nicht über booking.com gebucht. Wir fragten uns durch und fanden ein nettes kleines Hostel für die Nacht, mit einer Küche. Im nahen Supermarkt kauften wir ein, alles für Pasta. Da Hannah bei unserem Stop auf dem Campingplatz gekocht hatte, war ich diesmal dran.

Leider nicht nach Hornstrandir

In der Küche der kleinen Herberge trafen wir auf zwei andere Schweizerinnen. Mit Hannah schwatzten sie in Schwyzerdütsch, das ich mittlerweile sogar einigermaßen verstehen konnte. Ihr Plan für den nächsten Tag: Eine der Fähren nach Hornstrandir nehmen. Ein Großteil dieser Halbinsel in den Westfjorden ist nur noch per Fähre erreichbar. Man lässt sich absetzen und wandert dann einige Tage zu einem anderen Fähranleger. Dort wird man wieder abgeholt. Man muss der Crew vorher mitteilen, wo man hinwandert. Wenn man nicht aufkreuzt, werden Suchtrupps losgeschickt. Das Gebiet ist komplett unbewohnt aber es gibt Schutzhütten und Campingplätzen. Viel einsamer geht in Island eigentlich nicht mehr. Ich wollte mit, aber die Fähren sind relativ teuer , Hin- und Rückfahrt kosten bis zu 150 Euro. Die Wanderungen dauern mehrere Tage, die ich auf diesem ersten Islandtrip nicht entbehren wollte. Auch Hannah wollte nicht mit. Ich entschied mich zu bleiben.

Hauptstraße mit Seehunden

Am nächsten Morgen standen wir wieder an der Straße und wollten nun endlich Richtung Akureyri. Da die direkteren Strecken aber alle sehr kleine und wenig befahrene Strecken sind, entschieden wir uns zur Ringstraße zurück zu trampenn. 500 Kilometer an einem Tag. Und manchmal ist auch der Weg ein Ziel. Denn neben der Straße sahen wir nun auch eine Sandbank mit Seehunden. Die Tiere lagen in 40 bis 50 Meter Entfernung und ließen sich so mit dem Teleobjektiv super fotografieren.
Auf dem Weg sahen wir dann auch noch die östliche Ecke der Westfjorde und entdeckten einen sehr schönen Pool, der zum Hotel Reykjanes gehört. Der Blick von hier auf den Ísarfjarðardjúp war dann auch einer der letzten, den wir auf die Westfjorde hatten. Eine Stunde später standen wir wieder an der Ringstraße.

Der Pool am Hotel Reykjanes liegt wunderschön. Von hier hatten wir den letzten Blick auf die Westfjorde, bevor wir wieder landeinwärts fuhren.

Der Pool am Hotel Reykjanes liegt wunderschön. Von hier hatten wir den letzten Blick auf die Westfjorde, bevor wir wieder landeinwärts fuhren.

Tipps für den Norden der Westfjorde in Island

Dynjandi: Der Dynjandi-Wasserfall liegt direkt an der Bundesstraße 60 zwischen Flokalundur und Þingeyri.

Þingeyri: Das Café Simbahöllin liegt direkt in der Ortsmitte. Das grüne Haus ist nicht zu übersehen. Es gibt dänische Waffeln für rund 900 Kronen. Suppen kosten zwischen 1400 und 1800 Kronen. Es gibt leckere Tees und Kaffees.

Ísafjörður: Wir haben im Gamla Gistihúsið übernachtet. Mit Schlafsack im Mehrbettzimmer kostete das 5200 Kronen im Sommer. Allerdings gab es kein W-LAN, was ziemlich doof war. Nebenan im Húsið kann man gut essen und es gibt auch leckeren Kuchen. In Ísafjörður gibt es auch den einzigen Bonus-Supermarkt, was gut ist, um seine Vorräte für Roadtrips aufzustocken.

Pool des Hotels Reykjanes: Das Hotel Reykjanes liegt direkt an der Straße 61 von Ísafjörður Richtung Süden. Man kommt auf jeden Fall daran vorbei, wenn man wieder zum Hauptteil der Insel will. Der Pool kostet ein paar Kronen Eintritt, die sich aber auf jeden Fall lohnen.

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Posted by Peter Althaus

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2 Comments

  1. Toller Bericht und die Insel sowieso. Habe 2010 mit einem gemieteten Jeep 3 Wochen die Insel erkundet. War ein (schon wieder) tolles Erlebnis. Mir ist schleierhaft wie du in den Westfjorden Mitfahrgelegenheiten gefunden hast. wir haben oft tagelang keinen Menschen gesehen.
    Gruß
    Peter

    Antworten

  2. Oh der Dynjandi-Wasserfall hat mir damals auch sehr sehr gut gefallen – auch wenn ich nicht annähernd so gutes Wetter hatte wie du.

    Liebe Grüße
    Mel

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