Wer an Portugal denkt, der denkt meist an Lissabon und die Algarve mit Faro und den anderen touristischen Städten. Doch dann wird oft Porto vergessen. Dabei lohnt sich die Stadt nicht nur wegen des tollen Fußballclubs. Porto ist die für mich die schönste Stadt des Landes. Auch weil es eigentlich nicht schöner sein kann.

Nun, ich muss gleich vornweg sagen: Ich war noch nie in Lissabon. Ich habe gehört, dass es wunderschön sein soll. Ich glaube das gern. Ich bin mir sogar sicher, dass es das ist. Aber wie es eben so manche Dinge gibt, die sich dem menschlichen Gedankenhorizont entziehen, so kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es eine noch schönere und noch günstigere und noch idyllischere Stadt mit noch netteren Menschen gibt. Nein, das geht nicht.

Vorurteile über Porto – Stimmen sie?

Damit Ihr erstmal versteht, warum ich Porto so toll finde, muss ich erstmal mit einigen Vorurteilen über die Stadt aufräumen. Es gibt drei Behauptungen, die über Porto gern verbreitet werden. Es heißt immer, dass Porto das wirtschaftliche Zentrum des Landes ist und hier das Geld verdient wird, was man in Lissabon in den Tejo schmeißt. Laut den Portoern stimmt es und mehrere Webseiten scheinen dies zu bestätigen. Wer sich jedoch die reich verzierten Fassaden mit Azulejo, den typischen Fliesen der Region mit ihren blauen Bemalungen anschaut, wird es sowieso gern glauben. Zeugen sie doch vom Reichtum der Stadt im Mittelalter.

Die zweite Behauptung ist, dass man im Norden Portugals besser nicht baden geht. Ich kann es bestätigen. Keiner der Einheimischen wollte Ende Juni mit uns baden gehen. Sie meinten der Atlantik wäre noch zu kalt. Ich war mit den Füßen drin und wer das Mittelmeer gewohnt ist – der hätte gefroren. Für Freunde der Nordsee ist es Badewasser.

Porto bei Nacht

Nach einem Tag in Porto gehört sich auch nochmal der Blick auf die Stadt bei Nacht.

Die dritte Behauptung ist, dass in Porto der beste Fußball Portugals gespielt wird. 2013 sah es so aus. Auch in den Jahren 2011 und 2012 wurde Porto Meister. Dennoch hat Benfica Lissabon insgesamt 32mal den portugiesischen Meistertitel gewonnen. Porto hingegen konnte jeweils zwei Siege im Weltpokal, in der Champions League und in der Europa League verbuchen. Fest steht jedoch, dass die Fans des FC Porto zu den heißblütigsten in Europa zählen. Zumal der größte Teil der Stadt hinter dem Aushängeschild steht. Wer das live erleben möchte, kann sich Spiele im Estádio do Dragão für Preise ab 15 Euro anschauen – und das für eine der besten Ligen Europas. Die Spiele sind selten ausverkauft – nur zu den Derbys mit den Erzrivalen Benfica und den anderen stärkeren Mannschaften wie Sporting Lissabon oder dem FC Braga sollte man sich etwas früher um Tickets bemühen.

Schönste Buchhandlung der Welt entdecken

Neben diesen drei Behauptungen, die jeder für sich selbst validieren muss, gibt es in der Stadt aber auch einiges anderes zu entdecken. Auch wenn ich dieses Blog hier elektronisch führe und selbst mit einem E-Book-Reader reise, liebe ich doch Bücher. Und besonders toll lassen sie sich in einer der schönsten Buchhandlungen der Welt einkaufen. Die Livraria Lello e Irmão ist ein wahres Schmuckstück. Selbst wenn man dort kein Buch kauft, lohnt sich zumindest das Stöbern in den Regalen und das Wandeln auf der schönen, geteilten Treppe.

Kaum übersehbar aber auf jeden Fall einen Spaziergang wert ist die Ponte Dom Luis I. Die Brücke überspannt den Douro, den Fluß, der bei Porto in den Atlantik mündet und zu dessen Seiten sich Hänge mit viel Grün und schönen Gebäuden in der Stadt erheben. Man kann die Brücke auch mit der Metro überqueren. Auf der anderen Seite der Altstadt kann man mit der orangenen Linie D an der Station „Jardim do Morro“ (Garten der Mauren) aussteigen und zu Fuß zurücklaufen. In der Stadt gibt es zudem einen Fahrstuhl und eine Zahnradbahn, die Teil des öffentlichen Transportsystems und daher nicht allzu teuer sind. Auch kann man für 5 Euro mit einer Seilbahn fahren – der Teleferico.

Mit Portweinbooten oder alten Holztrams fahren

Straßenbahnlinie 1 in Porto

An der Endstation der Straßenbahnlinie 1 in Passeio Alegre in Porto kann man den Atlantik sehen.

Zu Fuße der Brücke ist das Ufer des Douro zu einer Promenade ausgebaut. Hier lässt es sich gemütlich entlangschlendern. Zu Fuße der Brücke findet man tags wie nachts viele Cafes und Kneipen mit einem schönen Blick auf die Brücke und das Tal. Das kostet zwar etwas mehr, aber Kneipen und Restaurants in Portugal sind im Vergleich zu Spanien oder Italien sehr günstig. Einheimische gehen dort selbst sehr gern hin.
Alternativ lohnt sich auch eine Fahrt auf den restaurierten oder nachgebildeten Rabelos, den früheren Portweinbooten.

Auf Holzbänken und in Zügen aus der alten Zeit, kann man sich in der Straßenbahn von Porto fühlen wie vor 90 Jahren. Die drei Linien sind alle sehr schön. Wir sind jedoch mit der Linie 1 bis zum Ende gefahren. Entlang des Douro bis zur Endstation. Die Gleise der Ringbahnstrecke 22 wurden zum Teil neu verlegt. Die Preise sind die gleichen wie die für die Busse. Tageskarten gelten auch in den Trams.

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Posted by Peter Althaus

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3 Comments

  1. Porto scheint für Straßenbahn-Liebhaber ja eine interessante Stadt zu sein. Muss ich mal hin, wahrscheinlich dann aber kombiniert mit Lissabon. 😉

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    1. Nicht nur für Straßenbahn-Liebhaber. Auch für Boots-Freunde, Seilbahn-Enthusiasten, Zahnradbahn-Anhänger (man bemerke den Wortwitz) und Fuß-Fetischisten lohnt sich die Stadt.
      Was Lissabon betrifft: Da muss ich auch noch hin. Blogtrip?

      Antworten

  2. Besuch „She Changes“ Skulptur (http://www.shechanges.pt) in Porto (Matosinhos region) am Meer Strand und stoppen in Black Coffee für Francesinha (Porto typisches Gericht) und ein paar Drinks auf der Terrasse mit Blick auf die Skulptur.

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