Klares Wasser, saubere Luft, viele Pflanzen in Wasser und an Land. Und das alles möglichst naturbelassen – eine Kanutour in Litauen, mit dem Kanu durch den Nationalpark Aukstaitija – das bietet vor allem die schönsten Seiten der litauischen Natur. Auch ich habe eine Bootstour gewagt – auch wenn mir dabei etwas mulmig war.

Ein Baumstamm wäre ich jetzt gerne. Meine Muskeln in den Oberarmen tun bereits weh. Das nachdem mein Mitreisender Rob die Karte falsch gelesen hat und wir eine Extratour kreuz und quer über einen der Seen im Nationalpark Aukstaitija gemacht haben – nur um am Ende festzustellen, dass es dort nicht weiter geht und wir ganz woanders hin müssen. Ja, ein Baumstamm wäre ich jetzt gern.

Neben den Seerosen war auf den Seen vor allem der Wind der größte Gegner.

Neben den Seerosen war auf den Seen vor allem der Wind der größte Gegner.

Baumstämme sind hier früher massenhaft den Fluss runtergetrieben. Der Fluss Buka, auf dem wir gerade treiben, war einer der Haupttransportwege für Holz aus den Wäldern Aukstaitijas. Dem Wald scheint es kaum geschadet zu haben. „Man nennt die Region auch den litauischen Dschungel“, erzählt Bootsverleiher Rimvydas Grusnius. Ich glaube ihm gern. Alle paar Dutzend Meter liegt ein Baum zum Teil oder ganz im Wasser. Gestrüpp ragt in das Flussbett. Zweimal müssen wir die Boote umsetzen. Zum Glück sind wir zu dritt. Allein wäre das schwieriger.

Ja, ein Baumstamm wäre ich jetzt gern. Dann könnte ich einfach den Fluss Buka hinabtreiben, bis ich irgendwann an meinem Bestimmungsort ankommen würde. Ich würde eine Runde durch das klare Wasser treiben und wenn ich mal irgendwo steckenbleiben würde, käme sicherlich irgendwann ein andere Baumstamm und würde mich anschubsen. Oder ein Holzfäller würde mich zurück in den richtigen Strom schieben.

Fressfreudige Tiere gab es auch genug.

Fressfreudige Tiere gab es auch genug.

Stattdessen muss ich rudern. Mal links, mal rechts – ich bin allein in meinem Kayak. Immerhin macht der Fluss es angenehmer. Die Buka hat eine ganz entspannte Fließgeschwindigkeit. Das macht das Navigieren leicht. Dennoch bin ich noch etwas unbalanciert und traue mich nur gelegentlich die Kamera aus dem wasserdichten Sack zu holen, den uns Rimvydas Grusnius gegeben hat. „Ungefähr 15 Prozent aller Besucher fallen ins Wasser“, sagt er. Auch bei meinem ersten Besuch in Aukstatija, Anfang September 2007, kippte eines unserer Boote um. „Das passiert meistens beim Ein- und Aussteigen“, sagt Grusnius. Auch ich fühle mich besonders am Anfang unsicher und schreie halb in Panik als mich Rob und Julia mit ihrem Boot (aus Versehen?) rammen. Badewetter herrscht an diesem Sonntag nur bedingt. Schwimmen ist jedoch selbst im Fluss erlaubt. Doch das interessiert kaum jemand. Nur Angler in ihren hüftlangen Gummihosen kommen uns entgegen. Stattdessen kann man die klare Luft in einer der abgeschiedensten Regionen Litauens genießen. Die kleinen Fische im Fluss kann man durch das klare Wasser beim Schwimmen beobachten. Gelegentlich freuen sich eine Entenmutter mit ihren Kindern oder ein paar Schwäne über ein paar Brot-Überbleibsel vom Frühstück.

haus am fluss buka in litauen im nationalpark aukstaitija

Eines der typischen Häuser. Früher lebten hier vor allem Holzfäller, die die Baumstämme den Fluss hinunter in die Städte transportierten.

Nach rund sechs Stunden haben wir uns endlich durch die Wasserpflanzen und gegen den Wind auf den Seen gekämpft. Wir sind angekommen. Unser Auto hatten wir bereits vor Abfahrt an der Wassermühle von Ginučiai abgestellt. Nun möchte man nach der Kraftanstrengung gern in den Auslauf der Mühle springen. Es ist ein beliebter Badeort. Einige Familien sind dort, es wird gegrillt. Rimvydas Grusnius lädt unsere Boote auf den Anhänger. „Freut mich, dass ihr nicht hineingefallen seid“, sagt er. Mich freut das auch.

Hier bekommt ihr euer Boot: Rimvydas Grusnius ist Besitzer des Bootsverleihs Sakarva die allerlei Kanutouren in Litauen anbieten. Für unsere sechsstündige Tour haben wir für den Transport der Boote insgesamt 70 Lita gezahlt. Normal wären 100 fällig gewesen. Dafür können dafür bis zu 8 Personen mit. Das 2er-Kayak hat 50 Lita Miete gekostet, mein 1er nur 30. Die Preise variieren je nach Wochentag und Saison. Neben Sakarva gibt es noch weitere Bootsverleihe. Die Tourismusinformation des Nationalparks Aukstaitija hat hier eine Liste zusammengestellt.

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Posted by Peter Althaus

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2 Comments

  1. Hallo,

    das ist wirklich ein toller Blog und bei diesem Beitrag musste ich es einfach mal loswerden.
    Der Anfang fesselt so, dass man den gesamten Artikel lesen muss. Die Bilder sind wirklich sehr gut geworden. Wenn ich an Litauen denke, denke ich wenn ich ehrlich bin nicht an Urlaub, aber mit diesem Blog Beitrag hast du mein Interesse für dieses Land geweckt. Echt atemberaubend.
    Hoffentlich folgen noch weitere Beiträge 🙂
    Gruß
    Andreas

    Antworten

  2. Hallo Andreas,
    ich danke Dir sehr herzlich für den Kommentar. Freut mich immer, wenn ich bei meinen Lesern die Neugier auf die von mir bereisten Länder wecken kann. Es kommen in den nächsten Wochen noch einige Artikel zu Litauen. Ich werde sie aber etwas streuen, damit hier keine Monotonie aufkommt.
    Viele Grüße,
    Peter

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