Gespannt schaue ich auf das Wasser. Ich sehe Luftblasen. Dann flutsch etwas an die Oberfläche. Es hört sich an, als ob jemand einen dicken Stein ins Wasser geworfen habe. Ich freue mich endlich eine Seekuh zu erblicken. Doch Entwarnung: „Das ist nur ein Fisch“, sagt unsere Bootsführerin Rhonda . Es ist mittlerweile 7.30 Uhr an diesem Samstagmorgen. Bereits um 6 Uhr stand ich vor dem Gebäude von River Ventures in Crystal River. Die Tourfirma bietet als eine von mehreren in Citrus County in Florida Touren an, bei denen man mit Seekühen, auf Englisch Manatees, schwimmen gehen kann.

Aus Versehen zum Geisterfahrer geworden

Zuvor hatte ich noch verschlafen, weil mein verdammter Handywecker genau an diesem Tag natürlich keinen Piep von sich geben wollte. Nur durch Zufall wache ich gegen 5.25 Uhr auf. Die Zeit in der ich eigentlich schon losfahren wollte. Ich raffe nur schnell alles zusammen und stürme nach draußen. Mit rund 15 Meilen pro Stunde mehr als erlaubt, brettere ich die Highways hinunter. Kurz vor dem Ziel biege ich auf eine Straße ein, als ich bemerke dass mir auf zwei Spuren Autos entgegenkommen. Nun erkenne ich auch, dass es keine Schilder in meine Richtung gibt. Ich bin aus Versehen zum Geisterfahrer geworden. Langsam fahre ich in eine Einfahrt und drehe wieder rum. An der nächsten Ampel wende ich. Keine Angst, ich habe es überlebt, sonst würdet ihr das nicht lesen!

Infovideo Manatee Seekühe tauchen

Bevor man mit den Seekühen tauchen kann, muss man zunächst ein Infovideo schauen.

Verhalten beim Beobachten von und schwimmen mit Seekühen

20 Minuten später sitze ich bereits in einem Raum mit einem Fernseher und vielen Stühlen. Auf einem Video sieht man Seekühe. Es wird erklärt wie man sich gegenüber den Seekühen zu verhalten hat. Tenor: Besucher, die sich am wenigsten bewegen, werden die meiste Freude an den Manatees haben.
Nach dem Video bekommen wir einen Wetsuit gereicht. Wir sollen schnell hineinschlüpfen. Draußen steht bereits der Kleinbus, der uns zum Bootshafen von Crystal River bringt.

Wetsuit

Das waren unsere Wetsuits. Die heißen übrigens zu recht so. Man wird nass 🙂

Von wegen dick und hässlich

Am Bootshafen wartet auch bereits unsere Bootsführerin Rhonda auf uns. Sie ist Anfang 50 und liebt den Job. Schon seit 16 Jahren fährt sie mit Besuchern auf den Booten zu den Manatees raus. „Ihr habt etwas Pech. Noch vor einem Monat haben wir hier in der Kings Bay rund 500 Seekühe gezählt. Die lagen mitunter ganz ruhig nebeneinander um die Quellen“, erzählt sie uns. Die Seekühe kommen im Winter nach Crystal River, weil in der ganzen Region Quellen Flüsse speisen, die konstant über das Jahr eine Temperatur von 72 Grad Fahrenheit (22 Grad Celsius) haben. Die meisten Seekühe sieht man also hier im Januar, Februar und März aber auch zu anderen Zeiten, wenn es mal abkühlt. „Seekühe wandern immer dahin, wo das Wasser warm ist, sie frieren leicht“, erklärt Rhonda. „Anders als man vermuten würde, haben die Manatees keine besonders dicke Fettschicht.“ Das überrascht mich dann doch, sehen Seekühe doch eigentlich ziemlich fett aus. Doch wie sich herausstellt, sind das alles Muskeln. Die Tiere ernähren sich zwar ziemlich gesund aber auch ziemlich einseitig. Statt den Kohlköpfen die sie in den Zoos gefüttert bekommen, fressen sie eigentlich am liebsten Seegras. „Das ist ziemlich mineralhaltig“, sagt Rhonda noch, nur um dann plötzlich den Motor zu stoppen.

Tauchen Seekuh Manatee

So sieht es aus, wenn eine ganze Bootsgruppe eine Seekuh sucht.

Geisterjagd in der Kings Bay

„Da vorn. Seht ihr die Luftblasen und die runde Strömung?“, fragt Rhonda leise. „Das ist eine Seekuh.“ Da es noch leicht dunkel ist, sehen wir außer der möglich Strömung nichts. Manatees kommen nur alle fünf Minuten zum Luftholen nach oben. Rhonda lässt aber die Leiter des Bootes ins Wasser und sagt uns das wir hineinsteigen sollen. Das Wasser ist recht warm. Aber es ist dennoch ungewohnt hineinzusteigen. Wie zuvor erklärt, lasse ich mich langsam rein, um die Seekühe nicht zu verschrecken. Auch bewege ich nur meine Hände, so wie geraten. Die bräuchte ich eigentlich nicht, denn im brusttiefen Wasser könnte ich getrost stehen. Dennoch versuche ich mich langsam möglichst horizontal vorwärts zu bewegen. Das Wasser ist ziemlich klar aber weiter als 2 bis 3 Meter kann ich trotzdem nicht sehen. Das liegt auch daran, dass ich Kontaktlinsen drin habe und meine mir ausgehändigte Taucherbrille leider wegen meines Bartes nicht komplett abschirmt. Ich muss immer wieder auftauchen um das Wasser abzulassen. Hätte ich mich spontan rasieren können, ich hätte es getan!

Riverventures Manatee Tour

Unsere Kapitänin Rhonda fährt schon seit mehr als 15 Jahren mit Besuchern zu den Seekühen.

Schutzgebiete schirmen Seekühe ab

Als ich da bin, wo die Seekuh vorher war, ist die Seekuh schon nicht mehr da. Sie hat sich in das Schutzgebiet verabschiedet, das mit Bojen abgeschirmt ist. Nur das bloße Berühren der Abgrenzung kann schon schwere Strafen nach sich ziehen. Die Seekuh zieht sich immer weiter zurück, bis wir sie aus den Augen verlieren oder das was wir für eine Seekuh halten. Ich freue mich trotzdem einem Tier so nah gewesen zu sein und steige wieder aufs Boot. Rhonda manövriert uns derweil zu einer anderen Position, nachdem sie sich mit Don, dem anderen Bootsführer von River Ventures ausgetauscht hat. Und tatsächlich. Kurzzeitig taucht eine dicke Knollnase aus dem Wasser aus. Eine Seekuh!
Sofort lassen beide Bootsführer die Leitern zu Wasser und geben den Besuchern die Anweisung ins Wasser zu steigen. Eine der Mitfahrenden ist gleich drin und hat Glück. Er kommt sogar an die Seekuh heran und kann sie kurzzeitig berühren. Ich hingegen bin wieder nicht schnell genug, komme nicht einmal in richtige Sicht und kann nur ihre Umrisse grob erkennen. Die anderen schwimmen ihr hinterher. Allerdings verschwindet sie außer Sichtweite.

Wenn Manatees schwimmen wollen, schaffen sie sogar Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern. Und wieder steige ich auf das Boot und bin trotzdem froh, so nah an den Tieren gewesen zu sein. Rhonda lässt den Motor wieder an und wir fahren in den Hafen zurück.

Three Sister Springs

Die Landschaft um die Three Sister Springs ist einfach malerisch.

Hunderte Seekühe an den Three Sister Springs

Da ich noch Zeit habe, fahre ich mir auch noch die 3 Sisters Springs anschauen. Hier lagen letzten Monat noch Dutzende Manatees im warmen Wasser und konnten von Besuchern problemlos beobachtet werden. Die Springs sind wunderschön und haben klares Wasser. Aber außer ein paar Schnorchlern schwimmt heute nichts weiter hierin. ich laufe noch etwas auf den Holzstegen entlang. Das gesamte Gelände ist Schutzgebiet und gehört dem Bundesstaat Florida. Der hatte es von einem Investor gekauft, der hier eigentlich hunderte Ferienwohnungen bauen wollte. Zum Glück ging er vorher pleite.

Seekuh Homosassa Springs

Hier ist sie nochmal in der Nahaufnahme zu sehen. Sie schwamm ganz langsam und suchte am Boden nach Essbarem.

Den inneren Frieden mit einer Seekuh gefunden

Um wenigstens noch ein paar lebendige Seekühe zu sehen, fahre ich noch in das 20 Kilometer entfernte Homosassa Springs. Im dortigen Wildlife Park werden Seekühe gehalten, die nicht mehr ausgewildert werden konnten. Wenn Sie im großen Becken schwimmen, kann man sie aus einer Unterwasserstation beobachten, die man hier „Floridas Biggest Fish Bowl“ nennt. Heute sind sie allerdings nur im kleinen Becken und lassen sich die fetten Salatköpfe schmecken. Ich erkunde noch den Park. Als ich über die Brücke über den Fluss laufe, sehe ich dann aber etwas entfernt einen dunklen Fleck im Wasser, der sich zu bewegen scheint. Mehrfach vergewissere ich mich, dass sich der Fleck auch bewegt. Und tatsächlich. Dort schwimmt eine Seekuh. Es ist sogar eine wilde Seekuh, denn wie vorher im Park erzählt wurde, können die Tiere von draußen bis zum 31. März in die Bucht des Homosassa Springs schwimmen, was sie auch öfter tun. Im kristallklaren Wasser kann ich das Tier in Ruhe beobachten, wie es unter der Brücke durchschwimmt und den Boden nach Essbarem abkaut. Ich freue mich und bewundere die Ruhe der Tiere. Auch über mich kommt ein Gefühl der Entspannung. Letztlich weiß ich nun auch, was Rhonda, die Bootsführerin vom Morgen meinte, als sie sagte, dass einige Besucher nach dem Kontakt mit den Seekühen tief berührt sind. Auch ich finde an diesem Tag meinen inneren Frieden. Leben und leben lassen, wie ein Manatee.

In Florida ist man stolz auf die Manatees.

In Florida ist man stolz auf die Manatees.

Seekühe in Florida sehen

Wenn ihr auch gerne einmal diesen faszinierenden Tieren näher kommen möchtet, dann könnt ihr diese in den folgenden Möglichkeiten tun.

Schnorcheltour mit Manatees

Hier fahren euch meist erfahrene Bootsführer zu den Stellen, an denen Seekühe in Florida zu finden sind. Die Touren finden in Gruppen bis 20 Personen statt, was ein zu viel sein kann. Wer mehr Geld hat, mietet sich das ganze Boot und den Bootsführer gleich mit. Ich persönlich war bei einer Manatee-Schnorchel-Tour von River Ventures dabei. Die Firma ist sehr erfahren, die Bootsführer sind kompetent und unterhaltsam und haben mir alle Fragen beantwortet. Unsere Bootsführerin Rhonda hatte ein gutes Gespür für die Seekühe. Eine solche Tour kostet 54 Dollar. Wetsuit, Schnorchel und Taucherbrille werden gratis geliehen. Die Touren finden immer um 6 Uhr und 9 Uhr statt. 6 Uhr ist meistens besser. Manatees kommen am liebsten zu den Quellen, wenn es in Florida kälter wird – also im Winter.

Kanu mieten und Seekühe suchen

Wenn ich noch einmal nach Florida kommen sollte, um Seekühe zu beobachten, würde ich das nächste Mal ein Kanu mieten. Kanus kann man um Crystal River überall mieten. Die Mieten gehen ab 45 Dollar los. Mit den Kanus oder Kajaks kann man sich den ganzen Tag Zeit lassen und die Manatees ausfindig machen.

Three Sister Springs Florida

So sehen die Three Sister Springs bei Crystal River aus. Bis vor kurzen schwammen hier noch hunderte Seekühe. Die Quellen sind konstant 72 Grad Fahrenheit warm.

Boardwalk oder Schnorcheln an den Three Sister Springs

Der Staat Florida hat um die Three Sister Springs einen Laufsteg eingerichtet. Von hier kann man sich die wunderschöne Quelle anschauen. Hier liegen in der Manatee-Hochsaison (Januar und Februar) oft ganz viele Tiere herum und sind vom Steg aus problemlos zu sehen. Die Fahrt hierher kostet 5 Dollar und wird ebenfalls von River Ventures von 15. November bis Ende März organisiert.
Alternativ kann man dort auch hinein schnorcheln. Boote sind um die Springs nicht mehr zugelassen.

Manatees im Homosassa Springs Wildlife State Park

Ich habe meine Seekuh dann durch Zufall im Homosassa Springs Wildlife State Park gesehen. Sie schwamm durch ein offenes Tor ein. Aber es gibt dort auch vier Seekühe, die man nicht mehr auswildern konnte. Man sieht die Tiere dort also in jedem Fall. Der Eintritt ist mit 13 Dollar nicht ganz billig. Dafür kann man unter anderem aber auch Alligatoren und Weißkopfseeadler sehen, eine Bootstour machen und mit etwas Glück die Seekühe auch Unterwasser aus dem Fish Bowl beobachten.

Hinweis: Ich wurde zur Manatee-Schnorcheltour von River Ventures von Visit Citrus County, dem Tourismusbüro für den Kreis eingeladen. River Ventures hat mich zudem zum Boardwalk mitgenommen. Der Homosassa Springs Wildlife State Park hat mir freien Eintritt gewährt. Dafür an alle ein herzliches Danke!

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Posted by Peter Althaus

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4 Comments

  1. Das kommt sofort auf meine „to do“-Liste! Ich hatte vor vielen, vielen Jahren schon einmal das Glück mit wilden Delphinen zu schwimmen, aber Seekühe finde ich auch total toll!

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  2. Schöner Bericht! Das habe ich auch schon lange vor. Mal sehen ob es dieses Jahr mal klappt.

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  3. Das war für mich jetzt wirklich sehr interessant, weil ich mir überlege, diesen Winter genau dasselbe zu unternehmen. Wir werden sehen, im Moment weiß ich noch nicht genau wo es mich diesen Winter hinverschlägt… Die USA wären aber ein Traumziel von mir!

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    1. Hallo Marion,
      das lohnt sich auf jeden Fall! Seekühe sind einfach wunderbar.
      Lass mich wissen, wenn es geklappt hat und freu mich auf einen Reisebericht!
      Liebe Grüße
      Peter

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