Schon Goethe ließ die Studenten in Faust sagen: „Mein Leipzsch lobsch mir, es is ä Kleen-Paris und bildet seine Leudde.“ Steht zwar auf Hochdeutsch drin aber eigentlich muss man es ja korrekt betonen. Damals wie heute ist die Stadt meiner Abi-, Zivi- und Studienjahre ein schönes Schmuckstück. Ich fahre immer wieder gern hin. Und wenn Du noch nicht dort wart, dann hilft dieser Artikel vielleicht bei der Entscheidungsfindung. Hier sind schon mal sieben Sehenswürdigkeiten in Leipzig und wie sie die Leipziger nennen. Gibt natürlich noch viel mehr, aber diese Auswahl ist ein Anfang.

Weisheitszahn, Steiler Zahn oder Uniriese – City-Hochhaus

Es ist schon eine interessante Sache, dass in vielen osteuropäischen Städten die Universitäten und Akademien oft die höchsten Häuser der Stadt waren. In Leipzig war das zu DDR-Zeiten auch schon so und so erhebt sich seit 1972 der Uniriese oder auch Weisheitszahn im Zentrum von Leipzig (siehe Bild oben). Bis kurz nach der Wende war dies eines der Gebäude der Universität, die auch heute noch ihren Sitz direkt daneben hat. Vom Uniriesen hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt – ich finde den besten! Der Zutritt zur Aussichtsplattform in 120 Meter Höhe kostet 3 Euro. Nur wenige Meter tiefer liegen die Restaurants im „Panorama-Tower“. Wer also die Aussicht genießen möchte kann sich hier einen Kaffee bestellen. Die Preise dafür sind durchaus annehmbar. Die beste Aussicht auf die Stadt gibt es dann gratis dazu.
Infos: City-Hochhaus, Augustusplatz 9, 04109 Leipzig. Geöffnet ist die Aussichtsplattform Montag bis Donnerstag von 11 bis 24 Uhr, Freitag und Samstag von 11 bis 1 Uhr. Sonntags von 9 bis 23 Uhr.

Völki – Völkerschlachtdenkmal Leipzig

Persönlich finde ich den Historismus als Bauform die furchtbarste in der Geschichte. Und das Völkerschlachtdenkmal ist ein ziemlich massiver Steinklotz. Gebaut wurde es 1913 als Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig, bei der die Preußen und die Russen das französische Heer unter Führung von Napoleon besiegten. Dabei starben Zehntausende. Zur Erinnerung an sie wurde das leider doch ziemlich hässliche Denkmal gebaut. Aber das schöne daran ist: Das Völkerschlachtdenkmal ist ruhig gelegen. Davor gibt es einen Teich mit Fischen. Die Parkanlagen drumherum laden zum Spazieren ein. Das Denkmal von innen ist sehr erdrückend. Dafür lohnt aber der Aufstieg nach oben. Die Aussicht ist nicht ganz so toll wie auf dem Uniriesen aber immer noch ziemlich gut.
Infos: Völkerschlachtdenkmal Leipzig, Straße des 18. Oktober 100, 04299 Leipzig. Geöffnet von April bis Oktober 10 bis 18 Uhr, in den anderen Monaten bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Darin ist der Aufstieg zur Aussichtsplattform bereits enthalten.

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Die Runde Ecke war zu DDR-Zeiten der Sitz der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit, kurz Stasi. Der DDR-Geheimdienst hat von hier aus das Leben vieler Bürger des Bezirkes überwacht. Heute ist das Haus Ort einer Gedenkstätte mit Museum.

Runde Ecke – Stasi-Museum und Gedenkstätte

Das heutige Museum in der Runden Ecke war zu DDR-Zeiten die Stasizentrale für den Bezirk Leipzig und bei den Bürgern berühmt und berüchtigt. Die Ausstellung zeigt viele Stücke aus der Agententätigkeit der Stasi-Mitarbeiter. Bei einer Führung erklären die Guides auch viele der Ausstellungsstücke detailliert. Ich persönlich fand die Stühle mit den abnehmbaren Stoffbezügen zur Gewinnung von Duftproben für Spürhunde sehr heftig. Ein Besuch lohnt sich und sollte auch mit dem Zeitgeschichtlichen Forum verbunden werden. Außerhalb von Leipzig, in Machern, gibt es zudem einen ehemaligen Stasi-Bunker.
Infos: Museum in der Runden Ecke, Dittrichring 24, 04109 Leipzig. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen gibt es immer um 15 Uhr. Kostenpunkt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Löffelchenfamilie – Leuchtreklame des ehemaligen VEB Feinkost

Die Löffelchenfamilie ist eine andere Leuchtreklame aus DDR-Zeiten in Leipzig. Es zeigt eine Familie die am Tisch sitzt und mit dem Löffel ist. Der Löffel bewegt sich durch wechselnde Beleuchtung. Die Leipziger lieben ihre Leuchtreklamen heute. Und in der Tat sind alle Leuchtreklamen in Leipzig Unikate. Sie sollen entstanden sein, nachdem sich der SED-Vorsitzende Walter Ulbricht nach einem Spaziergang durch das nächtliche Leipzig über die Finsternis in der Stadt beschwert haben soll. Nun gibt es in der ganzen Stadt noch Leuchtreklamen aus DDR-Zeiten. Besonders schön sind auch die entlang der Windmühlenstraße und am Bayerischen Platz.
Wer die Leuchtreklame leuchten sehen möchte, kann unter 0-900-LOEFFEL (0-900-5633335) anrufen und die Familie leuchtet. Dafür spendet ihr auch gleich 3 Euro für den Erhalt dieser wahrscheinlich Strahlendsten unter den Sehenswürdigkeiten in Leipzig.
Die Löffelchenfamilie ist auch ein guter Ausgangspunkt für die alternativen Läden in der Südvorstand. Dazu gehören auch die Läden der „Feinkost“ für die die Löffelchenfamilie früher warb und ein Biergarten von Mai bis September.
Infos: Löffelchenfamilie, Karl-Liebknecht-Straße 36, 04107 Leipzig. Betrieb bei Anruf unter 0-900-LOEFFEL (0-900-5633335). Kosten dafür: 2,99 Euro.

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Die Blechbüchse beherbergt heute einen Teil der Höfe am Brühl. Die Fassade steht unter Denkmalschutz und ist vermutlich einmalig in Deutschland.

Blechbüchse – Höfe am Brühl

Die Blechbüchse wie das Einkaufszentrum am Brühl schon immer genannt wurde, gehört zu den architektonischen Besonderheiten von Leipzig. Zu DDR-Zeiten war es das Konsument-Warenhaus. Die Fassade steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude wurde im Zuge des Abrisses der dortigen DDR-Plattenbauten komplett entkernt. Nur die Fassade blieb. Mittlerweile steckt ein modernes Einkaufszentrum dahinter. Die Einkaufsmeile dahinter finde ich eigentlich ein ganz gutes Beispiel für moderne Architektur. Ein wenig Wehmut bleibt aber dennoch, denn die Plattenbauten, die hier einst standen, wären mit in der Liste gewesen. Die Leipziger haben sie liebevoll „Scheiben am Brühl“ getauft. Auf dem Dach prangte ein großes „Willkommen in Leipzig“ in mehreren Sprachen. Ich fand die Russische Variante am coolsten! Sie kommt nicht wieder aber immerhin kommt der Spruch von Goethe „Mein Leipzig lob ich mir!“ zurück.
Infos: Höfe am Brühl, Brühl 1, 04109 Leipzig. Geöffnet in der Regeln von 10 bis 20 Uhr. Ins Center selbst kommt man bis 22 Uhr.

Drallewatsch – Barfußgässchen

Eines der urigsten Worte aus dem Leipziger Dialekt ist wohl der Drallewatsch. Wenn man als Leipziger was erleben will, geht man auf den Drallewatsch. Die Freisitze ziehen sich durch die ganze Gasse und machen ein Durchlaufen manchmal schwierig. Ich persönlich treffe mich mit Freunden gelegentlich im Barfusz oder im Spizz, wo auch öfter Jazzkonzerte stattfinden. Wer es lieber „alternativer“ mag, nimmt am besten eine Tram und fährt damit zur Karl-Liebknecht-Straße in die Südvorstadt oder in die Karl-Heine-Straße in Plagwitz.
Infos: Barfußgässchen, direkt neben dem Marktplatz. Sperrstunde von 5 bis 6 Uhr.

Kohlrabizirkus – Alte Messehallen

Der Kohlrabizirkus ist ein architektonisches Denkmal, was sogar im Jahr 2013 von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet wurde. Die ehemalige Großmarkthalle wird heute als Event- und Konzerthalle genutzt und ist so unter anderem während des jährlichen Wave-Gotik-Treffens oder während der Nachtflohmärkte dort geöffnet. Heute zählt der Kohlrabizirkus leider zu den etwas unbeachteten Sehenswürdigkeiten von Leipzig. Es wäre schön wenn sich hier wieder mehr tun würde.
Infos: An den Tierkliniken 42, 04103 Leipzig. Der Kohlrabizirkus ist nur zu Events geöffnet. Einer ist der Nachtflohmarkt. Wann der nächste Nachtflohmarkt stattfindet, liest Du hier.

Und fallen euch denn noch mehr Sehenswürdigkeiten in und um Leipzig ein? Wie heißen die mit Spitznamen?

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Posted by Peter Althaus

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One Comment

  1. Hallo Peter,
    Dein Leipzig Nachtflohmarkt-Link ist gebrochen.

    http://www.nachtflohmaerkte.de/leipzig/

    der sebastian

    Antworten

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