Mitten in Berlin steht ein verfallener Freizeitpark. Der Spreepark Berlin war früher ein viel besuchter Vergnügungspark. Heute erobert ihn die Natur langsam wieder zurück. Kommt mit auf eine Führung durch einen der seltsamsten aber auch schönsten Orte in Berlin.

Es ist der Charme des Morbiden, der über dem Spreepark Berlin hängt. Ich muss unweigerlich an die Bilder des verlassenen Freizeitparks von Pripjat denken – der Stadt neben dem Atomkraftwerk Tschernobyl. Von 50000 Menschen wurde sie eiligst verlassen. Der Freizeitpark sollte kurz darauf eröffnet werden und verfällt nun. Aber ich bin auch nicht in der Ukraine. Ich stehe mitten in Berlin und starre auf ein 45 Meter hohes Riesenrad. Das Metall knarrt erstaunlicherweise nicht, während sich das Riesenrad an diesem schönen Frühlingstag mit dem Wind weiterdreht. Es scheint als ob es gut geölt ist. Und es ist eigentlich ein Wunder, dass sich im Berliner Spreepark überhaupt noch etwas dreht. Denn seit 2002 ist im Spreepark Schicht im Schacht. Der Freizeitpark, der zu DDR-Zeiten VEB Kulturpark Plänterwald hieß, hatte in seinen Spitzenzeiten nach der Wende mehr als 1,5 Millionen Besucher. Zum Vergleich: den Heide Park in Soltau besuchten im Jahr 2012 nur 1,2 Millionen Gäste.

Katzenmaul achterbahn spreepark Berlin

Das Raubkatzenmaul der Achterbahn ist eines der Wahrzeichen des Spreepark Berlin.

Spreepark Berlin – Stoff genug für mindestens eine Doku

Als im Jahr 2002 die Spreepark GmbH in die Insolvenz geht, haben sich mehrere Millionen Euro Schulden angesammelt. Der Geschäftsführer, Norbert Witte, macht sich samt Kind und Kegel und sechs der Fahrgeschäfte aus dem Staub und geht nach Peru. Der dortige Zoll verzögert die Wiederaufnahme des Geschäftes. Norbert Witte, pleite und mittlerweile von seiner Frau getrennt, fällt auf ein paar Kriminelle rein und versucht Kokain zu schmuggeln. Sein Sohn wird damit erwischt und wandert für mehr als 20 Jahre in den Knast. Witte geht in Deutschland für mehrere Jahre ins Gefängnis. Stoff genug für den Dokumentarfilm „Achterbahn“. Es ist diese Geschichte und noch viele andere Absurditäten, die man bei einer Führung durch den Spreepark Berlin erzählt bekommt.

Spreepark Berlin umgefallener T-Rex

Der T-Rex im Spreepark Berlin ist mittlerweile auch schon umgefallen.

Spreepark-Führung statt Spreepark-Einbruch

Als ich zu Besuch bin, ziehen Wochenende für Wochenende noch Gruppen durch den Park. Zwischenzeitlich konnte man nur in den Spreepark einbrechen, um ihn zu sehen. Später deckte der Sicherheitsdienst mit öffentlichen Führungen seine Kosten. Immer samstags und sonntags, im Winter nur 13 Uhr, im Sommer auch 16 Uhr, konnten Besucher sehen, wie die Natur sich den Vergnügungspark zurückerobert. Ein Katastrophenfilm wurde im Spreepark Berlin zwar noch nicht gedreht aber einige andere. „Cate Blanchett stand hier bereits vor der Kamera“, sagt Christopher Flade, der die Führungen meist begleitete. 2010 wurde für „Wer ist Hanna?“ gedreht. Auch für diverse Videoclips, unter anderem für den früheren DSDS-Sänger Daniel Schuhmacher, wurde hier aufgenommen. Dem Park blieb auch wirklich nichts erspart.
Seit 2014 war dann jedoch Schluss. Die Grün Berlin GmbH hatte das Areal gekauft und die Führungen unterbunden. Es soll Probleme mit der Versicherung für die Besucher gegeben haben, denn das Areal ist ungesichert. Doch es gibt gute Nachrichten! Seit August 2016 gibt es alle 14 Tage am Sonntag um 11 Uhr wieder die Möglichkeit Führungen durch den Spreepark mitzumachen. Zwar nicht mit den alten Führern aber immerhin. Mehr dazu unten in den Tipps.

wildwasserbahn spreepark berlin

Die Wildwasserbahn im Spreepark gehörte einmal zu den schönsten ihrer Art in Deutschland.

Investorenschreck Vergnügungspark

Immerhin tut sich aber nun wieder etwas im Spreepark. Dass das so lange gedauert hat, daran sei der Kultursenat der Hauptstadt nicht ganz unschuldig, meint Christopher Flade. Es gab für den Spreepark Berlin die abstrusesten Auflagen. „Die Investoren sollten unter anderem ein Parkhaus bauen lassen, um Stellplätze zu schaffen“, erzählt Christopher Flade. Das allein ist vielleicht nicht verwerflich. „Aber es gibt hier eigentlich genug Platz für Stellplätze“, erzählt er. Außerhalb der Saison würde das Parkhaus wahrscheinlich komplett leerstehen. „Im Winter kommt hier zum Parken sicher niemand her“, meint er. Zusätzlich gibt es noch eine schlimmere Auflage. „Es sollten nur 300000 Gäste im Jahr maximal kommen dürfen“, so Christopher Flade. Ein wirtschaftlicher Betrieb wäre so vermutlich gar nicht möglich gewesen.“ Investoren haben deshalb reihenweise abgewunken. „Einige kamen mit sehr abstrusen Vorschlägen“, so der Mann, der in seiner Freizeit durch den Spreepark geführt hat. Selbst die Zwangsversteigerung über Ebay zu Beginn des Jahres 2014 hat keinen Käufer gebracht. Niemand wollte die 1,6 Millionen Euro zahlen. Höchstwahrscheinlich auch, weil sich die ursprünglichen 11 Millionen Euro Schulden des Spreeparks mittlerweile wohl fast verdoppelt haben. Kurz darauf entschied sich das Land Berlin die Sache selbst in die Hand zu nehmen und gab das Areal an die Grün Berlin GmbH ab. Auch die Bürger werden seitdem in Dialogen in die Parkplanung einbezogen. Der Spreepark soll zu einem öffentlichen Kulturpark umfunktioniert werden, mit nur wenigen Freizeitparkattraktionen, dafür aber Künstlerateliers und Konzerten. Auch für das Riesenrad könnte es eine Rettung geben. Die Teile seien zwar verrostet aber eine Instandsetzung werde geprüft, sagt Geisel gegenüber dem Berliner Kurier.

brücke spreepark berlin

Auf der Brücke im Spreepark wurden schon einige Filme und Musikclips gedreht.

Reisetipps Spreepark Berlin

Der Spreepark ist übrigens nicht mit dem Spreewald zu verwechseln. Der Spreepark liegt in Berlin-Treptow. Der Spreewald in der Lausitz und muss mit dem Regionalexpress angesteuert werden.

Führungen: Die Führungen im Spreepark werden seit August 2016 wieder angeboten. Die Führungen finden alle 14 Tage am Sonntag um 11 Uhr statt und dauern rund 90 Minuten und kosten 5 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder. Mehr zu Terminen etc erfahrt ihr unter Kosten Telefon 030 28018-320 oder per E-Mail an Spreepark@Runze-Casper.de
Ansonsten kann man aber auch um den Park spazieren. Christopher Flade, der früher die Touren angeboten hat, führt derzeit am Wochenende um den Park. Früher wurde der Spreepark auch oft illegal besucht. Das kann ich nicht empfehlen. Ob und inwieweit dort kontrolliert wird, weiß ich nicht.

Anfahrt: Zum Spreepark Berlin im Plänterwald kommt man entweder mit der S-Bahn oder mit dem Auto. Es halten die S-Bahn-Linien S8, S9 und S85. Von S-Bahnhof muss man nur die Straße „Am Plänterwald“ hinunterlaufen und ein Stück durch den Park gehen.
Autofahrer fahren einfach bis zur Neuen Krugallee und nutzen einen der zahlreichen Stellplätze dort.

Mehr über die Geschichte des Spreeparks und vieles mehr erfahrt ihr auf der Webseite von Fans des Spreeparks.

Wart ihr schon einmal im Spreepark? Kennt Ihr andere verlassene Orte in eurer Umgebung oder in Berlin?

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Posted by Peter Althaus

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7 Comments

  1. Moin Peter,

    vielen Dank für den schönen Beitrag. Ich werde ja wieder ein wenig neidisch, dass ich es immer noch nicht auch einmal in den Spreepark geschafft habe. Ich würde da gern einmal auf Fototour gehen.

    Zum Thema verlassene Orte: Die habe ich in diesem Monat zum Thema meiner Foto-Challenge gemacht und bin bereits auf Motivjagd. In Bremen gibt es noch einige verborgene Schmuckstücke. Aber in der Nähe meiner Eltern in Sachsen-Anhalt gibt es noch viel mehr zu entdecken.

    Wenn du nichts dagegen hast, nehme ich dich gern in den entsprechenden Artikel am Monatsende auf.

    Meinen Aufruf zur Foto-Challenge findest du hier: http://www.esel-unterwegs.de/foto-challenge-maerz-urbexlost-places/ (Falls ein Link hier nicht gewünscht ist, bin ich nicht böse, wenn du es hier rauslöschst.)

    Viele Grüße,

    Carolin

    Antworten

    1. Hallo Carolin!
      Danke für den Hinweis. Bin sehr gern dabei. Wenn Du mich selbst aufnehmen möchtest, dann sehr gern. Komme gerade zu kaum etwas!
      In Sachsen-Anhalt gibt es in der Tat sehr viele verlassene Orte. Mehr wahrscheinlich als bewohnte (das darf ich als Sachsen-Anhaltiner ja auch sagen).
      LG aus der Lausitz, Peter

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  2. Toller Artikel! Ja, der Spreepark hat schon eine sehr „spezielle“ Historie!
    Die Führung fand ich auch sehr interessant und witzig. Ich bin gespannt wie es dort weiter geht. Wenn wir alle zusammen legen, können wir was hübsches daraus machen…. http://www.immonet.de/angebot/22748015 😉

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    1. Attraktive Ratenfinanzierung möglich! Lol.

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  3. Hallo Peter!!!
    Kann man denn jetzt noch eine führung mitmachen,oder nicht?
    Im Internet steht,die Stadt Berlin hätte den Park gekauft?
    LG Carmen

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    1. Über den Autor Juni 10, 2014 at 14:32

      Hallo Carmen,
      habe den Artikel nach deinem Hinweis gleich aktualisiert. Leider sind Besuche derzeit nicht möglich. Man kann nur drumherum spazieren. Wie es weitergeht mit dem Park steht noch nicht fest.
      Beste Grüße,
      Peter

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  4. Ich wusste gar nicht, dass seit August wieder Führungen im Gelände angeboten werden O.o Bisher waren mir nur die außerhalb bekannt – gut zu wissen, dann habe ich vielleich ja doch noch mal die Chance auf einen ausgiebigeren Besuch 😉 Die letzten Jahre musste man ja leider stets Events abwarten, um wenigstens einige Teile des Parks betreten zu dürfen. Du hattest echt Glück, dass du noch an den alten Führungen teilnehmen konntest. Ich hatte leider zu spät davon erfahren.

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