Wroclaw, das frühere Breslau, ist in Deutschland recht unbekannt. Denkt man an Polen, fallen vor allem Warschau, Krakau und Danzig ein. Dabei ist Wroclaw derzeit wahrscheinlich eine der spannendsten Städte in Polen – und das nicht nur weil es Kulturhauptstadt Europas 2016 ist. Wroclaw ist ein echter Geheimtipp für Polen und nur knapp 4 Stunden von Berlin entfernt.

Während ich gemütlich am Ufer der Oder auf einer Bank sitze, habe ich endlich Zeit, mir die Erlebnisse in Wroclaw durch den Kopf gehen zu lassen. Ich war bereits 2009 einmal in Wroclaw. Auch damals bereits brummte die Stadt. Seitdem hat sich aber noch mehr getan und es gibt definitiv eine ganze Reihe von Gründen, warum man mal nach Wroclaw sollte.

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Die Aussicht von der Elisabethkirche auf den Marktplatz von Wroclaw (Breslau) fand ich am am besten. Dafür muss aber auch 300 Stufen nach oben klettern.

Viele Orte für die beste Aussicht in Wroclaw

Wroclaw ist eine Stadt der Türme. Wer denkt, dass sich Polens höchstes Gebäude in Warschau befindet, der hat sich geschnitten. Polens höchstes Gebäude ist der Skytower in Wroclaw. Mit 212 Metern überragt er zumindest alle Gebäude im Land. Und das beste daran: Man bis nach oben fahren und die Aussicht genießen. Ich habe die Auffahrt aus Zeitgründen leider verpasst. Die Sicht war aber auch nicht so toll an dem Tag.
Stattdessen habe ich die Aussicht vom Turm der Elisabethkirche in Wroclaw genossen. Die Aussicht von St. Elisabeth ist schon deshalb besser, weil die Kirche ganz in der Nähe des Marktes steht. Von dort kann man auch die gesamte Altstadt überschauen. Das entschädigt auch für das Fitnessprogramm, was man dafür absolvieren muss. Mehr als 300 Treppenstufen im engen Turmgang muss man dafür aufsteigen. das war echt anstrengend, besonders da ich noch nichts gegessen hatte. Wieder unten angekommen, solltest Du auch unbedingt mal in die Backsteinkirche gehen.
Skytower: Powstańców Śląskich 95, Tram: Wielka, Touren von Montag bis Freitag immer zur vollen und zur halben Stunde zwischen 9 und 20.30 Uhr. Am Wochenende kann man mit dem Fahrstuhl bis 21.30 Uhr nach oben. Die Tickets kosten unter der Woche 10, ermäßigt 5 Zloty (also rund 2,50 oder 1,25 Euro) und am Wochende 14 oder ermäßigt 7 Zloty (3,50 oder 1,75 Euro). Die Ermäßigung gilt auch für Studenten mit Ausweis.
Turm der Elisabethkirche: Von 9 bis 18 Uhr kommt jeder für 5 Zloty (rund 1,25 Euro nach oben). Sportliche Fitness vorausgesetzt 🙂 Die Kirche ist während der Gottesdienste für Touristen nicht zugänglich.

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In der Polnische Plakat-Galerie (Polish Poster Gallery) in Wroclaw gibt es unzählige Plakate zu kaufen. Am coolsten fand ich die alternativen Filmplakate.

Es gibt mehr als genug Kunst in Wroclaw

Wroclaw wird nicht ganz umsonst Europäische Kulturhauptstadt 2016. In der Stadt gibt es eine Kunsthochschule. Die Streetart in Wrcolaw ist kaum zu übersehen. An vielen Häuserwänden prangen überdimensionale Graffitis. Auf den Straßen findet man überall Skulpturen und Kunstwerke. Es gibt eine lebendige Galerie-Szene, die unter anderem einen gemeinsamen Galerie-Abend in Wroclaw jedes Jahr veranstalten. Bei einem Spaziergang kannst Du auch die lebendige Kunstszene im Viertel zwischen Altstadt und Bahnhof Nadodrze erkunden. Enden solltest Du Deine Tour durch die Galerien in Wroclaw aber am besten in der Polnischen Plakatgalerie. Dort gibt es unter anderem viele alternative Filmplakate und auch anderes aus der Werbegeschichte des kommunistischen Polen. Was nämlich kaum jemand weiß: Da in Zeiten des Kommunismus keine Filmplakate für Filme aus dem Westen erlaubt waren, gab es in jedem der Ostblockstaaten jeweils eigene Plakate. Galerist Krzysztof Marcinkiewicz stellt hier die besten Plakate aus und verfügt über einen Katalog mit 5000 weiteren Motiven. Wer bisher nicht weiß, wo er sonst Galerien finden kann, bekommt hier ein paar hilfreiche Tipps. Dafür muss man die Poster aber dann die ganze Zeit mitschleppen 🙂
Polnische Plakatgalerie: Polish Poster Gallery, ul. Św. Mikołaja 54/55, geöffnet täglich von 12 bis 18 Uhr. Neben Postern gibt es auch Postkarten und viele interessante Stories über die polnische Plakatkunst.

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Besonders das Essen in den Milchbars ist sehr authentisch. Polnisches Essen ist einfach lecker. Selbst für Vegetarier gibt es in den Milchbars etwas.

Das Essen in Wroclaw ist einfach lecker

Ich liebe Essen und Bier. Beides konntet Ihr schon bei diversen Gelegenheiten herausfinden. Klar, dass mir auch die polnische Küche nicht verschlossen blieb. In Wroclaw gibt es so viele leckere Restaurants zu entdecken, das glaubt man kaum. In Wroclaw ist neben der polnischen auch gutes armenisches oder ukrainisches Essen zu bekommen.
Ihr solltet aber auf jeden Fall mal die polnischen Milchbars ausprobieren. Das ist so ziemlich das beste, was vom polnischen Kommunismus übrig geblieben ist. Dort isst der Professor neben dem Bauarbeiter, der Student neben dem Rentner. Und das Essen kostet kaum mehr als 3 Euro für eine große Mahlzeit. Klingt wie ein Traum? Hier erfahrt Ihr wie es geht.
Um die ukrainische Küche kennen zu lernen, empfehle ich euch wärmstens das Restaurant Hortyca. Dort gibt es neben leckerem Borscht auch Chicken Kiev und andere Leckereien aus der Ukraine. Die Besitzer und die Bedienungen sind bei unserem Besuch auch echte Ukrainer gewesen.
Eine lange Tradition hat auch die armenische Minderheit in Polen. Demzufolge ist auch das armenische Essen in polnischen Städten öfter zu finden. Ich habe im „Armine“ ein leckeres Mousaka gegessen und kann das wärmstens empfehlen.
Milchbars in Wroclaw: Mehr zu den Milchbars liest Du in meinem Artikel über die Milchbars in Polen (erscheint Mittwoch, liked die Seite also gern auf Facebook, wenn Ihr das nicht verpassen wollt). Dort findest Du auch die Adressen von 3 wirklich guten Milchbars in Wroclaw.
Ukrainisches Restaurant in Wroclaw: Hortyca, ul. Więzienna 18/1, geöffnet bis 22 Uhr, Essen um die 10 Euro,
Armenisches Restaurant in Wroclaw: Armine, ul. Bogusławskiego 83, geöffnet von 13 bis 23 Uhr. Speisen zwischen 4 und 10 Euro. Nebenan sind auch einige coole Bars.

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Das frühere Kaufhaus Rudolf Petersdorff gehört zu den Stilikonen, die man in der Architektur in Wroclaw häufiger findet.

Die Architektur in Wroclaw hat viel(e) Geschichte(n) zu erzählen

Wroclaw war mal Breslau, es war mal Polnisch, mal Österreichisch, mal Preußisch, mal Deutsch, von den Russen besetzt und ist jetzt Polnisch und fühlt sicher aber trotzdem oft schlesisch. Eine ziemlich gute Basis nicht nur fürs Essen sondern auch für verschiedene Baustile. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Österreicher und die Deutschen die meisten Spuren hinterlassen haben. Zunächst sind besonders die Kirchen sehr schön. Neben der eben beschriebenen Elisabethkirche ist auch der Dom ein wirklich tolles Bauwerk. Überhaupt ganz Ostrow Tumski ist sehr sehenswert. Fast alle Kirchen der Stadt bestehen aus rotem Backstein. Das ist eigentlich mein Lieblingsbaumaterial bei alten Gebäuden. Überall findet sich die Farbe Rot im Mauerwerk an den Gebäuden der alten Festung Breslau.
Doch was man in Deutschland gar nicht so unbedingt im Blick hat, ist, dass in Wroclaw aber noch ganz andere Gebäude stilgebend sind. Besonders die Jahrhunderthalle, die heute Weltkulturerbe ist, ist ein herausragendes Beispiel deutscher Architektur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Mich persönlich erinnert sie ein wenig an die Blaue Moschee in Istanbul. Aber eigentlich ist sie eine Veranstaltungs- und Messehalle.
Daneben gibt es sehr viele Häuser und auch Dekorationen aus dem Jugendstil in der Stadt. Etwas später noch kam dann die Kaufhausarchitektur dazu. Die großen Warenhäuser in Breslau, wie das Kaufhaus Rudolf Petersdorff an der Ulica Szewska, gehörten meist jüdischen Familien. Sie wurden im Zuge Judenvertreibung durch die Nazis enteignet. Das Kaufhaus wurde von dem bekannten Architekten Erich Mendelsohn erbaut, der auch die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin errichtet hat. Das Warenhaus in Breslau steht mit einem halben Zylinder in der öffentlichen Raum. ich finde das einfach nur formschön.
Nicht übersehen sollte man aber auch das Warenhaus Feniks (Rynek 31–32), das frühere Warenhaus der Gebrüder Barasch. Die Jugendstilfassade und der Globus auf dem Dach erinnern an die glorreiche Zeit Breslaus. In diesem Zuge sollte man sich auch das Hotel Monopol (Ulica Świdnicka) anschauen, in dem schon Marlene Dietrich und Pablo Picasso abstiegen.

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Eine gute Party in Wroclaw kann in einem der Nachtclubs beginnen. Meine Parties in Wroclaw begannen meist im Kalambur.

Das Nachtleben und die Clubs und Bars in Wroclaw sind echt heiß

Nach all den Spaziergängen durch das wunderschöne Breslau bietet die Stadt auch ein wirklich gutes Nachtleben. Verschiedene Bars laden zu exzessiven Tanzabenden. Das Nachtleben gleicht dem in anderen osteuropäischen Städten. Es ist jung, es ist frisch und die Drinks sind bezahlbar. Die DJs sind auch nicht so schlecht wie noch vor ein paar Jahren. Der beste Start oder das noch bessere Ende eines jeden Abends war für mich das Kalambur. Der Künstlertreff ist tagsüber Café und wird abends zum Club. Auch wenn man ewig auf einen Drink wartet, die Leute sind cool, die Musik auch. Mehr Tipps für das Nachtleben in Wroclaw findest Du in diesem Artikel. Hier erzähle ich von meinem Ausflug ins Wroclawer Nachtleben mit heißen Drähten und heißen Nächten. Der Artikel erscheint in einer Woche. Wenn Du ihn nicht verpassen möchtest, dann like die Seite auf Facebook.

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Posted by Peter Althaus

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5 Comments

  1. Hallo Peter, schöner Artikel über das ‚Venedig Polens‘. Ich selbst war letzten September dort und kann eine Reise nach Wroclaw wirklich nur jedem empfehlen! Besonders gut gefielen mir die bunt hergerichteten Gebäude rund um den rynek (Marktplatz) sowie die zahlreichen (man vermutet mehr als 100!) Brücken, welche die 12 Inseln miteinander verbinden. Tolle Stadt und nette Menschen. Immer eine Reise wert!

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    1. Über den Autor April 28, 2014 at 23:27

      Hallo Mario! Dem ist nichts hinzuzufügen 🙂 LG, Peter

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  2. Wow, das klingt wirklich toll. Ich muss glaub endlich mal eine Polen Rundreise planen und das Land erkunden. Bisher hab ich’s nur bis Swinemünde an der Ostsee geschafft. Toller Artikel, danke!

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    1. Über den Autor April 28, 2014 at 23:28

      Hallo Mandy! Der Anfang ist ja schon mal gemacht. Freue mich auf die Berichte! LG, Peter

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  3. […] Rooksack.de erfährst Du, warum Du nach Wroclaw fahren solltest. Und Karina von zauberhaftesanderswo.de hat […]

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