Eine Woche Amerika. Die Reise von Seoul war unspektakulär. Ein Flug über China mit einen A380, dem größten Passagierflugzeug voll von Chinesen. In Los Angeles habe ich ein paar Tage bei Almut, der Cousine meines Vaters verbracht. Almut lebt seit 50 Jahren hier. Vor über 20 Jahren habe ich ihre Schwester in Sydney besucht. Damals bin ich durch Australien getrampt, gleich nach meinem Abitur. Lange ist es her.

Almut ist noch ziemlich fit steht aber auch auf die Teaparty.
Almut ist noch ziemlich fit steht aber auch auf die Teaparty.

Almut lebt in einem Vorort LAs. Die U-Bahn Station zu ihrem Haus heißt North Hollywood. Wenn das nichts ist. Hier ist gerade Frühling. Auch wenn es Palmen, Kolibris und Bananenstauden gibt, haben viele Bäume ihre Blätter verloren und man merkt, wie die Vegetation sich wieder aufrappelt. Ein schönes Gefühl, wie ich es auch vom europäischen Frühling kenne.
Meistens bin ich wohl eher Traveller, also Tourist  aber in LA bin ich ganz touristisch auf dem Walk of Fame spaziert.

Das berühmte Hollywood-Zeichen kennt wohl jeder.
Das berühmte Hollywood-Zeichen kennt wohl jeder.

Teaparty und Altersfitness

Wir haben nächtelang geredet,  über Gott und die Welt diskutiert und uns blendend verstanden. Wenn auch nicht in allen Sachverhalten, die Teaparty, auf die Almut schwört, ist mir doch etwas fern. Aber es waren interessante Gespräche und ich bin beeindruckt, wie fit man mit Ende 60 noch sein kann.

Nach 3 Tagen bin ich aufgebrochen, schließlich will ich weiter, nicht rasten, trampen! Die mexikanische Grenze ist nicht weit südlich von LA aber ich habe mich für die andere Richtung entschieden. Vorerst. Wenn ich schon einmal hier bin, will ich Kanada sehen und eigentlich von Alaska aus die Reise Richtung Süden beginnen. Also habe ich mich frohen Mutes an die Straße gestellt, um Richtung San Francisco, 600 Kilometer nach Norden zu trampen.

Trampen fast unmöglich

Der frohe Mut war leider schnell vorbei. Denn es hat sich herausgestellt, dass Trampen hier ausgesprochen schlecht geht. So bin immer ich sehr kläglich weggekommen und dann auch meist nur ein paar Meilen. Die Leute sind misstrauisch (vielleicht liegt es am Bart?!) und das Autobahnsystem ist ungünstig. So gibt es unzählige Ausfahrten und die Tankstellen sind außerhalb der Autobahn an diesen Ausfahrten. Man trifft also gar nicht erst auf die Fahrer, die quer durch das Land unterwegs sind, sondern auf die Leute, die vom Einkauf heim fahren. Außerdem dauert es noch lange, bis überhaupt jemand hält.

So bin ich mit ein paar jungen Leuten mit abgefahrenen Autos getrampt, mit einem Bestatter (ich durfte den Rucksack zu den Särgen legen) und mit einem riesen Truck.

2 Tage für 600 km. Da kann man sich die deutsche Goldmedaille in die Haare schmieren. Am besten in die Barthaare.

Schlafen im Erdbeerfeld und Probleme mit der Polizei

Eine Nacht mußte ich im Erdbeerfeld verbringen. Endlich konnte ich meinen Schlafsack nutzen. Den habe ich extra für Sibirien von Klettergerald geborgt, er lastet seit dem schwer auf meinen Schultern. Nun hat er wenigstens das amerkanische Mondlicht sehen können. Außerdem gab es mehrfach Probleme mit der Polizei.  Immer wieder haben mit die Fahrer Geld geben wollen und Essen geschenkt. Hier ist das Trampen eben keine Fortbewegung der studentischen Mittelschicht, sondern der Obdachlosen, der Tramps eben.

Mit dem Fahrrad zur Golden Gate Bridge
Mit dem Fahrrad zur Golden Gate Bridge

Übernachten bei Hippies

In Berkeley, gleich neben San Francisco, leben Leslie und Steve. Freunde von Freunden, Hippies, die ich unbedingt besuchen soll. Also bin ich zu ihnen gefahren und habe ein paar Nächte bei ihnen verbracht. Wieder ganz andere Geschichten, als die von der Teaparty. Geschichten aus der Hippiebewegung. Friedenskamp, freie Liebe, Leben in Community, Geschichten über das Trampen vor 40 Jahren. Und Entschuldigungen über Amerika heute. Ich konnte mir ein Fahrrad borgen und so durch Berkeley und San Francisco radeln. Besonders beeindruckend war die Fahr über die Golden Gate Bridge mit aufgehendem Vollmond über der Stadt. Eine tolle Stadt mit Straßenmusikern, interessanter Architektur, dem Meer, alten Staßenbahnen. Einfach schön.

Tolle Experimente für den Physikunterricht

Das Größte, was ich letztes Jahr erlebt habe waren Weiße Haie, vor Kapstadt. Das bislang Größte, was ich 2015 erlebt habe, war ein geöffnetes Hühnerei, was man unter einem Mikroskop beobachten konnte. 4 Tage alt, ein winzig es Blutgeflecht über der Dotter-mit schlagendem winzigen Herzen. Wunder Leben. Zum Glück kennen meine Hühner kein Sexualleben, so ohne Hahn. Sonst wäre ich spätestens jetzt im Konflikt mit meiner Ernährung. Schließlich bin ich 28 Jahre Vegetarier aber Veganer möchte ich nun wirklich nicht sein.
Das Exploratorium, mit dem lebenden Ei, ein riesiges Museum, gleich gegenüber von Alcatraz war atemberaubend, ich habe viele Experimente abfotografiert, um mich daran zu erinnern, sie im Physikunterricht zu erwähnen oder nachzubauen. Fortbildung also. Mal sehen, ob das Eisleber Finanzamt dies auch so sieht.

Die Tat weicht der Verzweiflung

Nun bin ich seit einer Woche in den Vereinigten Staaten. Die Verzweiflung über das Tampen ist verflogen, ich versuche es also weiter. Neue Strategien müssen her. Als erstes gepflegtes Aussehen. War ja immer schon meine Meinung aber ist in den letzten Wochen etwas in Vergessenheit geraten. Außerdem war es wärmer am Kinn.

Heute werde ich also mit dem Bus nach Sacramento fahren, dort führt die Interstate 5 vorbei. Ein riesiger Highway, der nach Seattle führt. Ich will dem Trampen hier noch eine Chance geben, vor allem, weil ich tolle Geschichten darüber im Internet gefunden habe.
Also hinaus ins Leben, in den Duft von blühenden Blumen. Narzissen, Tulpen, Rubinien, raus in den Frühling, an die Straße.

Posted by Gregor Majewski

Hi, ich bin Gregor und schreibe hier auf Rooksack über meine Abenteuer per Anhalter in der Welt. Ich mache jedes Jahr einen längeren Trip und schreibe hier für euch. Wenn ihr mehr davon lesen wollt, dann folgt uns doch auf Facebook, Twitter oder abonniert uns per E-Mail!

4 Comments

  1. Es sind die kleinen Geschichten, die das Leben schreibt 🙂
    Was du beim Trampen erlebst, vergisst man so schnell nicht wieder. Ich drücke dir die Daumen dass das weiter so klappt.
    Beste Grüße
    Sam

    Antworten

  2. Schön, dass es dir wieder besser geht. Ich freu mich auf die nächsten Blogs. Viele Späße noch.

    Antworten

  3. Wir freuen uns über deine reise und wünschen dir weiterhin: gute reise lieber Gregor, bleib behütet. jo und anne

    Antworten

  4. Ich bin 1979 in drei Monaten 22.000 Meilen von New York über Vancouver, Yellowstone, San Francisco, L.A., Colorado, New Orleans bis Florida getrampt.
    Das war eine unvergesslich schöne Zeit!
    Ich habe ausschließlich nette Leute getroffen, ein wunderschönes Land erlebt und niemals die Sehnsucht nach einer Wiederkehr verloren.
    Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr.

    Ride on!

    Antworten

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert