Es sind diese Situationen wofür ich das Trampen liebe. Am Sonntagabend um kurz nach 20 Uhr stehe ich an einer Raststätte kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze. Es ist schon dunkel. Auf dem Parkplatz stehen LKW dicht gedrängt. Die Fahrer sitzen an Campingtischen und essen Abendbrot oder waschen ihr Geschirr. Sie alle warten dass es 22 Uhr wird, denn erst dann endet das Sonntagsfahrverbot in Deutschland und Kolonnen von Lastwagen kriechen langsam über die deutschen Außengrenzen.

Doch im Moment ist es super still. Es kommen kaum noch Autos über den Parkplatz gefahren. Ich halte mein Schild heraus und den Daumen aber die wenigen Fahrzeuge halten nicht an. Eine halbe Stunde stehe ich immer noch hier. Es kommt ein weiteres Auto. Auch er beschleunigt und fährt Richtung Autobahnauffahrt. Doch genau auf meiner Höhe bremst er plötzlich, beugt sich vom Fahrersitz hinüber, um mein Schild besser lesen zu können und stoppt dann doch. Ich laufe hinüber und frage „Fahren Sie nach Dresden?“. Er antwortet: „Nein!“ Enttäuschung weicht der Freude. „Ich will nach Leipzig.“ Mein Herz macht Freudensprünge, denn ich will eigentlich sowieso nach Leipzig, um mit einem guten Freund in meinen Geburtstag herein zu feiern. Ich springe in den Skoda und los geht es. Eineinhalb Stunden später setzt mich Petr an der Auffahrt Leipzig-Mitte ab. Das obwohl er sogar einen kleinen Umweg fahren muss, da er eigentlich nach Eilenburg will, wo er gerade arbeitet.

Das ist es wofür ich das Trampen liebe. Die Momente wo man eigentlich schon aufgegeben hat und dann doch noch jemand kommt und einen genau dahin bringt, wo man hin möchte, Tagesziel erreicht. 12 Stunden habe ich für 774 Kilometer gebraucht. Positiver Nebeneffekt: Eine Flasche Vodka geschenkt bekommen und in die Ukraine eingeladen worden.

Zur Sicherheit hatte mir mein anderer Fahrer Michael, der mich bis zur Raststätte bei Teplice mitgenommen hatte bereits einen Schlafplatz angeboten. Es gibt so viel freundliche Menschen. Die hätte ich sonst niemals getroffen!

Couchsurfing-Gastgeber Heidi (r.) und Fabian (l.) und Hund Pecky - Couch am Abend vor Ankunft gefunden.

Couchsurfing-Gastgeber Heidi (r.) und Fabian (l.) und Hund Pecky – Couch am Abend vor Ankunft gefunden.

Oft auch bei Couchsurfing eine Last-Minute-Übernachtung gefunden

Ähnliche Situationen hatte ich aber auch auf meinen Reisen mit Couchsurfing. So habe ich auf meinem USA-Roadtrip auch mehrere Couches noch kurzfristig gefunden. Das liegt vor allem daran, dass ich selten lange im Voraus suche. Zum anderen hat mich Couchsurfing auch noch nie enttäuscht. Ok. Doch. Einmal in Jerusalem im Februar 2015. Dort habe ich ein Angebot für eine Couch um 21 Uhr bekommen, hatte aber schon 19 Uhr in einem Hostel eingecheckt. Der Abend war trotzdem toll und ich hatte den Request auch erst um 17 Uhr geschrieben, als ich aus der Gedenkstätte Yad Vashem gegangen bin.

In den USA wiederum habe ich meine erste Couch in Miami habe ich kurzfristig gefunden. Heidi und Fabian haben mir am Abend vor meinem Abflug zugesagt. Die letzte Nacht in Miami fand ich dann auch noch recht einfach. Später überraschte mich Melissa mit einer spontanen Zusage in Tampa. Ich wusste nicht genau, wo ich hin wollte an dem Abend. Ich wollte irgendwo zwischen den Everglades und Crystal River stoppen, wo ich am übernächsten Tag mit Seekühen schwimmen wollte. Melissa meldete sich nach 30 Minuten auf meine Anfrage, die ich im Stau auf der Interstate 75 in mein Iphone getippt hatte. Sie wäre 22.30 Uhr mit der Arbeit fertig und wir könnten gern noch was trinken gehen. So habe ich völlig spontan das Nachtleben von Tampa kennengelernt und ziemlich gruseligem Country-Karaoke gelauscht. Eine Erfahrung war es dennoch! Und meine Couch super bequem.

Beim Trampen durch Tschechien bekommt man mitunter auch einen schönen Sonnenuntergang, wie hier im Böhmischen Mittelgebirge bei Lovosice, gratis.

Beim Trampen durch Tschechien bekommt man mitunter auch einen schönen Sonnenuntergang, wie hier im Böhmischen Mittelgebirge bei Lovosice, gratis.

Was ich vom Trampen und Couchsurfing gelernt habe

Alle diese Erfahrungen habe mich vor allem eines gelehrt: Man darf niemals aufgeben. Wenn die Situation auch noch so aussichtslos erscheint, kam bisher doch immer noch ein Retter. Und noch etwas anderes habe ich gelernt: Es gibt so viele nette und hilfsbereite Menschen da draußen, die einem helfen wollen. Dabei denke ich auch oft an die Geschichte von Ahmed zurück, der mir in der Türkei eines Abends geholfen hat. Wenn man Geduld hat und flexibel ist, kann man eigentlich immer sein Ziel erreichen. Manchmal auch, selbst wenn es unrealistisch erscheint. Das gilt nicht nur aber besonders auch auf Reisen. Also immer an euch und eure Reise glauben und der Rest wird schon einfach passieren. Und wenn etwas mal nicht klappt: Nicht resignieren sondern einfach am nächsten Tag erneut versuchen!

Was sind eure Erfahrungen mit dem Zufall? Hinterlasst doch einen Kommentar von euren besten Spontan-Erlebnissen und davon, wie euch Geduld und Vertrauen doch noch ans Ziel gebracht haben.

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Posted by Peter Althaus

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One Comment

  1. Ich war leider noch nie Couchsurfen. Das steht schon so lang auf meinem Plan, aber ich habs noch nie in die Tat umgesetzt. Aber deine Erzählungen machen noch mal mehr Bock drauf 🙂

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