Es ist selten, dass ich von jüdischen Vierteln irgendwo beeindruckt bin. Ich mag die jüdische Kultur, fahre gelegentlich nach Israel, habe Freunde dort, war auch schon im Kibbuz in Israel. Doch dem Holocaust und auch der Abwanderung der Juden aus Osteuropa nach 1945 ist es geschuldet, dass man heute kaum noch wirkliche jüdische Viertel in Europa findet. Eigentlich fällt mir da nur das Marais in Paris ein. Sonst überall ist es eher gekünstelt. Umso überraschender fand ich meine Zeit im jüdischen Viertel von Budapest daher. Ich hatte mir über Airbnb ein kleine Wohnung im Herzen des Viertels an der Sip utca gemietet. Kaum 30 Euro die Nacht – ein Schnäppchen. Das war auch der Grund, warum ich das jüdische Viertel so ausgiebig durchstreifen konnte. Es lag schließlich immer auf dem Weg.

Juden in Budapest

Die Wichtigkeit der jüdischen Gemeinde in Budapest und Ungarn kann man bis heute sehen. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten laut Volkszählungen rund 800000 Juden in den ungarischen Gebieten. Der wohl bekannteste ungarische Jude war Theodor Herzl, der Vater des Zionismus. Er wurde in Budapest geboren, gleich in der Nähe der Großen Synagoge. Heute erinnert eine Gedenktafel daran. Das Elisabethviertel, welches erst seit wenigen Jahren als Jüdisches Viertel Budapest bezeichnet wird, war schon seit Jahrhunderten Zentrum des Budapester Judentums. Davon zeugen nicht nur doe zahlreichen Synagogen, sondern auch das Rabbinerseminar, Yeshiven (jüdische Schulen) und frühere Krankenhäuser. Und auch in den dunklen Zeiten der europäischen Juden war Budapest genauso betroffen. Während der Shoah diente das Jüdische Viertel von Budapest als Ghetto in dem 200000 Menschen eingepfercht wurden. Die mit den Deutschen verbündeten Pfeilkreuzler, die Ungarn terrorisierten, schleppten auch nach dem Abzug Adolf Eichmanns tausende Juden an die Ufer der Donau, zwangen diese sich auszuziehen und stießen sie in den Fluss. Doch Budapest war auch ein Ort von Lichtblicken. Hier half der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg vielen Juden und brachte sie in Schutzhäusern unter. Er wird unter anderem in der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt. Auch die Schweizer Friedrich Born und Carl Lutz halfen tausenden Juden, sind aber weit weniger bekannt, wie auch der deutsche Diplomat Gerhart Feine. Und auch insgesamt lassen sich bis heute viele jüdische Spuren in Budapest finden. Von den Restaurant und Läden mit hebräischen Schildern einmal abgesehen, wirken viele der Hinterhöfe des jüdischen Viertels in Budapest bis heute wie aus der Jahrhundertwende, als hier noch mehrheitlich Juden in den Wohnungen lebten.

Synagogen in Budapest: Liberale, Orthodoxe, alle haben ein Heim

Doch was wäre ein jüdisches Viertel ohne das wichtigste Identifikationsmerkmal der jüdischen Religion. Und hier ist Budapest eine wahre Schatztruhe. So ist die Große Synagoge in der Dohany utca, deshalb auch Dohany-Synagoge, oder nach der deutschen Übersetzung der Gasse auch Tabaktempel genannt, die zweitgrößte Synagoge der Welt. Bis zu 3000 Gläubige Juden finden hier Platz. Ihre Türme sind knapp 50 Meter hoch und die Fassaden reich verziert. Nebenan ist auch das Jüdische Museum und das Holocaustmahnmal für die ermordeten Juden aus Ungarn untergebracht. Die Große Synagoge kann unter der Woche besichtigt werden. Jedoch ist sie selbstverständlich an Schabbat geschlossen, in diesem Fall also von Freitagnachmittag bis Samstag. Die genauen Öffnungszeiten der Großen Synagoge in Budapest kann man hier nachlesen.
Doch neben der beeindruckenden Großen Synagoge gibt es auch noch andere kleinere Synagogen im jüdischen Viertel von Budapest. Gleich in der Nähe haben auch die orthodoxen Juden von Budapest ihr religiöses Zuhause. Die orthodoxe Synagoge Budapests in der Kazinczy utca ist ebenfalls für Besucher geöffnet, genau auch wie die Rumbach-Synagoge und die Synagoge in der Vasvari Pal utca. Doch das ist bei weitem nicht alles, denn Budapest hat noch wesentlich mehr Synagogen, von denen heute viele jedoch anders genutzt werden. Manche sind Kirchen geworden, andere sind Sporthallen. Für alle Interessierten, gibt es hier eine vollständige Liste jüdischer Einrichtungen in Budapest und Ungarn. Besser finde ich aber noch diesen englischen Guide zu den schönsten Synagogen Budapests mit vielen Bildern.

Szimpla Budapest

Die Eingangshalle des Ruinenpubs Szimpla macht Eindruck.

Ruinen-Pubs, Biergärten und Restaurants im Jüdischen Viertel von Budapest

Doch die Faszination für das jüdische Viertel in Budapest hört nicht bei den rein jüdischen Einrichtungen auf. Denn das Viertel ist heute eine der angesagtesten Ausgehmeilen Budapests. Entlang der Kazinczy utca finden sich dutzenden Pubs. Darunter auch das Szimpla, Budapests bekanntestes Ruinenpub. Doch auch andere Pubs oder Biergärten wie das Ellato kert oder das 400 sind zu empfehlen – dieses Ende der Straße bezeichnen manche auch als das Budapester Bermuda-Dreieck. Und in der Tat, auch ich wäre hier fast verschwunden. Daneben gibt es sehr gute Restaurants. Wir haben im Köleves (internationale Küche) und im Soul Food gegessen. Im Soul Food gab es Cajun Küche, also das Essen aus Louisiana, wo ich gerade war. Sehr zu empfehlen – unbedingt das Jambalaya probieren! Wer es gern einfacher und günstiger hat, der isst Gulasch am besten im Frici Papa.
Auch das Einkaufen im Jüdischen Viertel kann Spaß machen. Für Window-Shopping in Budapest empfiehlt sich die Kiraly utca. Auch in den Seitenstraßen rund um die Metro Astoria lässt sich viel finden. Mein Favorit Tisza cipö. Der ungarische Sportartikelhersteller vertreibt unter anderem in Ungarn hergestellte Sportschuhe. Die gibt es ab 60 Euro, die besseren für 80 bis 100 Euro.

Walking Tour durch das Jüdische Viertel

Auch wenn man sich das Viertel ganz leicht selbst erwandern kann, kann es auch nicht schaden eine geführte Tour zu machen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist die Guided Walking Tour jüdisches Viertel Budapest mit einen Guide. Free Budapest Walking Tours bietet solch eine Tour, hier bestimmt ihr den Preis.
Die andere Möglichkeit ist das Selbst-Erlaufen mit einem Kostenloser PDF-Guide für das jüdische Viertel. Den könnt ihr euch auf der Webseite von Budapest Travel nach Registrierung kostenlos herunterladen.

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Posted by Peter Althaus

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