Heute auf den Tag genau ein Jahr ist es ein Jahr her. Ich überquere die Grenze in die Ukraine ohne Rückfahrkarte. Gegen 20 Uhr erreicht unser Bus die Straßen von Lemberg. Es ist schon dunkel aber das Bild ist mir vertraut. Einige alte klapprige Ladas und nicht wenige moderne SUVs kreuzen durch die Straßen, dazu. viele gelbe Minibusse. Osteuropa, da ist Arm und Reich nie weit auseinander. In den Strassen von Lviv ist es bereits dunkel, die gelbliche Straßenbeleuchtung wirft ihr Licht auf die ramponierten Gehwege.
Nach 7 Stunden, die die Fahrt von Krakau gedauert hat, freue ich mich endlich angekommen zu sein. An der Ukrainisch-Polnischen Grenze, lernt man das grenzfreie Europa zu schätzen. Als ich aus dem Bus steige, wartet dort Vika auf mich. Sie ist mein erster Kontakt in der Stadt. Ich habe vorher über Couchsurfing Kontakt mit Locals gesucht. Mein Plan ist, ein paar Tage zu bleiben. Aber sicher ist nichts.

Aus ein paar Tagen wird ein Jahr

Doch aus einigen Tagen ist mittlerweile ein ganzes Jahr geworden und es werden vermutlich noch ein paar mehr. Dafür gibt es mehrere Gründe. Vor meiner Abreise hatte ich meinen Job nicht verlängert und erstmal Zeit bei meiner Familie verbracht, um mich auf meine Reise vorzubereiten. Große Pläne hatte ich damals. Ich wollte Asien durchqueren, dann von Nord- nach Südamerika weiterreisen und eine Weile in einigen Ländern bleiben. Nun, wie das Leben manchmal so ist, man überlegt es sich anders. Denn hier in Lviv habe ich das gefunden, was ich lange gesucht habe: Glück und Zufriedenheit.

Beim Wandel mitmachen statt zuschauen

Alle die mich kennen, wissen von meiner Leidenschaft für Osteuropa. Ich weiß nicht, wo sie genau herkommt oder wie sie entstanden ist. Aber ich fühle mich hier einfach wohl. Ich mag die manchmal schroffen aber eigentlich sehr herzlichen Menschen. Ich mag das nicht alles immer so ist, wie es sein sollte. Die Wände unverputzt, die Autos nicht überrepariert, die Straßen und Dächer löchrig. Dafür schmeckt das Essen und die Leute freuen sich, wenn man ein paar ihrer Worte mit ihnen spricht. So war es auch damals schon in Litauen, als ich dort vor nunmehr zehn Jahren mein Erasmus-Studium anfing. Doch in Deutschland nach der Wende oder in den zehn neuen Ländern der EU nach der Osterweiterung konnte ich immer nur zusehen, wie sich die Dinge veränderten. Heute ist es anders. Ich bin nach dem Euromaidan in die Ukraine gekommen und diesmal muss ich nicht nur zuschauen. Ich kann aktiv dabei helfen, in diesem Land etwas zu verändern.

Lviv Buddy Stadtführung Blogger

Hier zeige ich Inka von blickgewinkelt.de bei ihrem Besuch in Lviv die Stadt.

Kreativität für die eigene Firma nutzen

Um in der Ukraine eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, brauche ich deshalb eine Arbeit. Und da ich nicht wieder für andere arbeiten wollte, habe ich kurzerhand eine Firma gegründet, um bleiben zu können. Was kann ich außer Journalismus noch? Ich habe schon lange nicht nur über Rooksack viel mit Tourismus zu tun. Als Rucksackreisender kenne ich die Bedürfnisse von Reisenden. Deshalb habe ich hier in der Ukraine eine Firma für Stadtführungen gegründet. Bei Lviv Buddy bieten wir Stadtführungen in Lemberg auf Deutsch, auf Englisch, Russisch, Ukrainisch und Polnisch an. Demnächst kommt hoffentlich noch Französisch hinzu. Auch haben wir mittlerweile einige einzigartige Touren entwickelt. Wir bieten nicht nur unsere daily Lviv Walking Tour auf Englisch an. Wir organisieren auch Lviv Pub Crawls und haben ganz neue Stadtführungen erschaffen, wie die Lviv Street Art Walking Tour und die Lviv Craft Beer Tour. Ich kann meiner Kreativität hier also freien Lauf lassen. Wir bekommen sehr gutes Feedback, wie hier von Inka von Blickgewinkelt und auf Tripadvisor. Und nebenbei vermiete ich übrigens auch ein Zimmer in Lviv bei Airbnb! Ich habe das Gefühl, dass ich das ich hier wirklich das Richtige tue.

In Lemberg und die Ukraine verliebt

Und natürlich kommt dazu, dass ich mich auch in das Land und besonders in Lviv verliebt habe. Ich entdecke in Lemberg immer wieder etwas neues. Hinter vielen Türen verbergen sich Treppenaufgänge und Hinterhöfe, von denen einer schöner ist, als der andere. Die Stadt selbst ist super jung und lebendig. Das Essen schmeckt und man kann hier nicht nur Wein und Vodka probieren, sondern auch die aufblühende Craft-Beer-Szene der Stadt entdecken. Und es gibt auch noch viel zu erforschen. Besonders die leider sehr traurige Geschichte der Juden in Lemberg hat es mir angetan. Da gibt es noch viel zu tun. Aber ich habe schon ein gutes Netzwerk aufgebaut und suche immer weiter Leute, die sich auch um dieses und um das geschichtliche Erbe der Stadt bemühen.
Und auch in der Ukraine gibt es noch so viel zu entdecken. In den Karpaten liege noch einige Berge, die ich besteigen will. Ich hab es bisher auch noch nicht nach Charkiw, Chernobyl, Dnipro, Saporischja, Uschgorod, Mukachewo oder Askania Nova geschafft. Diese Liste lässt sich noch beliebig verlängern.

Meine Zukunft und wie es hier weitergeht

Heißt das, dass Rooksack deshalb jetzt bald abgeschalten wird? Nein, natürlich nicht. Ich habe zwar jetzt deutlich weniger Zeit für das Blog. Aber es ist und bleibt mein Baby, in das ich viel Herzblut investiert habe. Außerdem schauen immer noch rund 20.000 einzigartige Besucher jeden Monat vorbei und scheinen weiterhin nützliche Informationen zu finden. Zudem schreibe ich auch hier weiter in Zukunft über meine Reisen, wenn auch nicht mehr so häufig. Kurzum: Ihr könnt euch auf mehr freuen – allerdings vor allem aus Osteuropa. Ich hoffe ich kann euer Interesse hierfür in den kommenden Monaten noch weiter wecken. Vielleicht schaut ihr ja auch mal bei mir in der Ukraine vorbei. Ein Besuch in Lemberg, Kyiw und Odesa lohnt sich auf jeden Fall!

Du hast Fragen zu meinem Leben in Lemberg und der Ukraine? Dann schreib doch einen Kommentar!

Posted by Peter Althaus

Hi, ich bin Peter und ich schreibe hier auf Rooksack über meine Abenteuer mit dem Rucksack in der Welt. Wenn Du mehr davon willst, folge mir auf Facebook, Twitter oder abonnier uns per E-Mail!

8 Comments

  1. Ich finde es spannend und toll, was du machst, mutig auch, aus der „deutschen Sicherheit“ auszubrechen und im schönen Lviv mitzumischen. Es scheint gut zu laufen und das freut mich sehr. Weiterhin viel Glück und ich komme bestimmt noch einmal vorbei! 🙂
    Lg / inka

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    1. Peter Althaus August 30, 2017 at 21:13

      Danke für das Lob, Inka! Du bist sowieso immer willkommen hier!
      Liebe Grüße aus der entspannten Ukraine 🙂

      Antworten

  2. Hi Peter,

    erstmal Glückwunsch zu deinem Unternehmen und dass es bereits nach einem Jahr so gut läuft. Ich wünsche dir, dass es so weiter geht, deine Firma weiter wächst und du die Stadt noch lange so genießt.

    Ich fühle mich in Osteuropa auch immer sehr wohl, ohne mir das so richtig erklären zu können. Dein Beitrag hat mich auf jeden Fall daran erinnert, dass ich bald mal wieder eine Reise in diese Richtung unternehmen sollte. Ich bin so froh, dass ich noch 2011 die gesamte Ukraine inklusive Krim mit dem Auto bereist habe, das dürfte heute nicht mehr so leicht gehen. Aber ein Besuch in Lviv ist wohl weiterhin recht unproblematisch. Sollte ich mal in der Gegend sein, mache ich auf jeden Fall eine Tour von Lviv Buddy mit.

    Viel Erfolg weiterhin!
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Peter Althaus August 30, 2017 at 22:43

      Hallo Julia!
      Schön von Dir zu hören! Ich freue mich auch, Dein Interesse für Osteuropa und das Trampen damals auf unserem Trip nach Tschechien geweckt zu haben.
      Schön auch bei Dir immer mal was zu lesen!
      Freue mich, wenn Du es mal hierher schaffen solltest. Es ist auf jeden Fall ruhig und vermutlich sicherer hier als in Berlin und definitiv als in den meisten Orten in Südamerika. Du bist natürlich bei jeder Führung willkommen, ich zeige Dir aber auch gern so die Stadt!
      Liebe Grüße
      Peter

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  3. Die Ukraine steht bei mir weit oben auf der Liste. Ich wollte eigentlich dieses Jahr schon kommen, werde es aber wohl erst 2018 schaffen. Wenn es so weit ist, melde ich mich bei dir und wir können mal was zusammen trinken gehen.

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  4. Alexander Sprick September 18, 2017 at 22:39

    Hallo Peter,

    „Heißt das, dass Rooksack deshalb jetzt bald abgeschalte(t) wird?“

    Ich hoffe sehr, dass Du noch ganz lange spannende Beiträge verfasst und vielleicht auch noch das eine oder andere Land bereist und darüber berichtest. So genieße ich Deine Beiträge seit November 2015.

    Nach der Wende hatte ich bei etlichen Besuchen im „Ost“-Berliner und Oranienburger Raum ebenfalls den Eindruck, dass die Zeit stehengeblieben sei und die Menschen viel entspannter als wir „Westler“ waren. Du hast vollkommen Recht damit, dass sich in Deutschland viel verändert hat – leider nicht immer zum Vorteil. In der Ukraine scheint die Zeit stillgestanden zu sein und vielleicht lassen sich Entwicklungen tatsächlich beeinflussen…

    Viele Grüße nach Lemberg
    Alexander

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  5. Hi Peter,

    das was du alles schilderst über die Liebe zu Osteuropa kommt mir sehr bekannt vor! Ich muss ehrlich zugeben bis 2002, war Osteuropa für mich ein weisser Fleck auf der Karte, klar kannte ich Tschechien (und die Tschechenmärkte), aber was die Länder sonst alles zu bieten haben, war mir unbekannt. Meine erste Reise in den Osten war dann im Sommer 2002, denn dort bin ich mit der polnischen Frau meines Vaters hingereist. Eigentlich war es geplant 1-2 Wochen zu bleiben, da ich aber Sommerferien hatte und das Schuljahr bei mir ne gute Woche vorher endete, hatte ich keinen grossen Zeitplan. Aus 1-2 Wochen wurden dann 2 Monate und 3 Wochen. Ich hab das schroffe, ehrliche Polen kennengelernt und gesehen, wie das Leben in einer Plattenbausiedlung im tiefsten Oberschlesien ist. In Osteuropa hab ich gelernt, die Schönheit von innen zu erkennen, man schaut oft ein zweites Mal auf die Städte, um auch die schönen Seiten zu entdecken. So fand ich zum Beispiel auch das Schöne in den Gebäuden, die im Sozialismus gebaut worden sind. Inzwischen ist Polen zu meiner zweiten Heimat geworden, inzwischen beherrsche ich auch polnische Sprache recht gut und mein Interesse an Osteuropa ist seither drastisch gestiegen. Inzwischen bekomme ich bei jeder Rückreise schon „ostweh“, wenn ich wieder zuhause bin. Andere Leute haben „Fernweh“… Das Wort „Ostweh“ haben mein Kumpel Dennis und ich erfunden, um das Gefühl auszudrücken, wenn man sich Länder in Osteuropa sehnt. Das Wort drückt genau das aus, was du im oberen Text beschrieben hast. Unverputzte Häuser, kaputte Autos, viel Russ an den Fassaden, Plattenbauten, Chaos, eben, das alles, was diese Länder nicht perfekt macht! Genau dieser „nicht“ perfekte Zustand macht diese Länder so spannend, es ist schön, wenn es nicht perfekt ist! Danke, für die schönen Reiseberichte! 🙂 –

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    1. Peter Althaus Januar 30, 2018 at 9:07

      Hallo David!

      Das freut mich sehr, dass Dir die Berichte gefallen und ich kann genau nachvollziehen, was Du meinst. Mir geht es ähnlich. Ich hab mich mittlerweile auch in der Ukraine niedergelassen. Ich mag auch Polen sehr. Aber die Ukraine finde ich gerade spannender. Du solltest auch unbedingt mal nach Lviv fahren, falls Du noch nicht hier warst. Dann würde ich mich auch über eine Nachricht freuen und wir können ein Bier trinken und über Osteuropa sprechen.

      Beste Grüße aus Charkiw (gerade)

      Peter

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