Schon als ich am Abend mit dem Bus aus Florida ankomme, bin ich sofort von New Orleans begeistert. Die Häuser in ihrer typisch-amerikanischen Architektur sind hübsch zurechtgemacht. Viele sind in bunten Farben angestrichen. Sehe ich das in Deutschland, finde ich es kitschig. Hier passt es zu dieser Stadt. Die Geländer der Veranden sind verziert, mit neogotischen Mustern, die Balkone mit Flaggen geschmückt. Diese Stadt muss man erlebt haben und hier sind mindestens 11 Gründe warum!

In Clubs wie dem Maison bekommt man feinsten Jazz oder Soul gratis - die Musiker freuen sich aber über Trinkgelder.

In Clubs wie dem Maison bekommt man feinsten Jazz oder Soul gratis – die Musiker freuen sich aber über Trinkgelder.

Jazz in New Orleans: Take it Big Easy

Schon kurz nach der Ankunft laufe ich zufällig die Frenchmen Street hinunter. Hier befinden sich einige der besten Jazz-Clubs der Stadt. Aus dem „Spotted Cat“ dringt der erste Trompetensound, den ich bei meinem Besuch in New Orleans höre. Es wird nicht der einzige bleiben. Ganz New Orleans ist voll von Musikclubs. Der Eintritt ist meist frei. Die Bars verdienen ihr Geld mit den Drinks. Die Musiker freuen sich dennoch über ein paar Dollar Trinkgeld. Auch etwas weiter die Straße hinunter werden Jazz, Blues oder Soul gespielt, im Maison oder im Blue Nile. Als ich aus dem Spotted Cat trete, zieht vor mir eine ganze Marching Band mit rund 200 Fans die Frenchmen Street hinunter. Es ist wie ein Mini-Mardi-Gras, für den die Stadt weltberühmt ist. Nachdem ich die Musik genossen habe, kommt mich mein Couchsurfing-Gastgeber Kay abholen. Er ist mit dem Auto da, ich kann endlich meinen Rucksack loswerden und in aller Ruhe ein paar Abita-Biere genießen. Die Brauerei aus Louisiana stellt die neuen Craft-Biere her, die in den USA dem Bier zu neuer Popularität verholfen haben.

Beim Wednesday at the Square hört man einige der besten Bands der Stadt - umsonst und draußen.

Beim Wednesday at the Square hört man einige der besten Bands der Stadt – umsonst und draußen.

Kostenlose Konzerte und Festivals in New Orleans

Auch wenn einem New Orleans insgesamt wie ein großes Festival vorkommt, so gibt es neben den Bars und Clubs immer noch kostenlose Konzerte im Freien. So gibt es von März bis Mai immer die kostenlose Konzertreihe „Wednesday at the Square“ auf dem Lafayette Square. Da kann man tolle Jazz-, Soul-, Blues- oder Rockbands völlig kostenlos sehen. Zudem gibt es Bierstände, man kann das Bier sogar mitten in der Öffentlichkeit trinken – anderswo in den USA ein absolutes No-Go.
Neben diesen Events gibt es kostenlose Konzerte fast zu allen öffentlichen Anlässen. Ich selbst war beim St. Patricks Day in New Orleans auch auf einem gratis Straßenkonzert. Auch die Straßenmusiker in New Orleans haben ein hohes Niveau und auch hier kann man gratis zuhören. Für alle Events gilt jedoch: Die Musiker müssen auch von etwas leben und freuen sich über ein Trinkgeld!

New Orleans ist einfach einzigartig.

New Orleans ist einfach einzigartig.

Liberaler als der Rest der USA

Und noch eines fällt dem häufigen USA-Besucher gleich auf an dieser Stadt: They take it easy im Big Easy, wie New Orleans auch genannt wird. In der Tat ist New Orleans viel liberaler als die meisten anderen Städte der USA. Leben und leben lassen, heißt es hier. „Laisez les bon temps rouler“ oder in der englischen Version „Let the good times roll“, einfach die gute Zeit genießen, danach lebt man hier. Es wird auf der Straße getrunken, oft ziehen Marihuana-Wolken an einem vorüber. Überall ist Musik. Die Leute unterhalten sich über Jazz und Kunst. New Orleans das hat nichts von dem spießigen Kleinstadt-Amerika aus dem Fernseher. Hier spaziert der Kultur-Bürger entlang.

In New Orleans sollte man unbedingt einmal Po Boys probieren.

In New Orleans sollte man unbedingt einmal Po Boys probieren.

Essen in New Orleans: Louisiana kosten

Wer am nächsten Tag erwacht, der ist für ein Kater-Frühstück oder Mittagessen in der kulinarischen Hauptstadt des Landes. Louisiana ist das kulinarische Herz der USA und in New Orleans kommt alles zusammen. Neben dem typischen Gumbo, einem Eintopf, der mit so ziemlich allem gekocht werden kann, was Beine oder Flossen oder was auch immer hat, sollte man auch unbedingt Beignets probieren. New Orleans ist für diese französische Variante des Donuts bekannt. In Restaurants wie Antoine’s kann man Louisiana mit seiner Cajun- und Creole-Küche kosten. Wer es weniger chic haben möchte, den machen Po Boys satt, kleine Sandwiches aus Baguettestangen mit allen möglichen Zutaten belegt. Auch Muffalettas, ein Sandwich der italienischen Einwanderer macht unglaublich satt.
Den besten Überblick über die kulinarischen Köstlichkeiten bekommt man bei einer New Orleans Culinary History Tour. Mein Guide Naif, war nicht nur ein echter Arkadianer (so heißen die französischstämmigen Bewohner Louisianas) sondern wusste auch alles über die Geschichte des Bundesstaates und der lokalen Küche. So kann man dort unter anderem erfahren, wo Gumbo eigentlich herkommt und mit welchen Gewürzen es traditionell zubereitet wird.
Mir ging das aber noch nicht weit genug. Ich habe an der New Orleans School of Cooking sogar beim Schaukochen mitgemacht und mir von Köchin Harriet Robin erklären lassen, wie man das beste Gumbo am besten selbst macht. Das ist übrigens das Geheimrezept von Gumbo: Gutes Gumbo gibt es nicht im Restaurant. Man muss es selbst kochen!

Teilnehmer der Cocktail-Tour: Oft Junggesellenabschiede und Kulinarikfreunde.

Teilnehmer der Cocktail-Tour: Oft Junggesellenabschiede und Kulinarikfreunde.

Die Hauptstadt der Cocktails

Neben dem Essen ist New Orleans aber auch für seine Cocktails berühmt. So stammt gleich eine ganze Reihe von alkoholischen Mix-Getränken aus New Orleans. Der offizielle Cocktail der Stadt ist der Sazerac. Er gilt nicht nur als erster Cocktail überhaupt, er war auch der Cocktail des berühmten Gouverneurs von Louisiana, Huey P. Long. Der Sozialist wurde bei einem Attentat im State Capitol in Baton Rouge getötet. Besonders gut lässt er sich in der Bar des Hotels Monteleone trinken, wo auch schon Truman Capote und Ernest Hemingway tranken. Hemingway hatte hier sogar seinen eigenen Sitzplatz und ließ mit Vorliebe Gäste davon runterschmeissen, die sich darauf gesetzt hatten. Die Bar ist übrigens ein altes Jahrmarkt-Karussell und dreht sich bis heute!
Viel bezeichnender für New Orleans finde ich allerdings den Hurricane. Spätestens seit Katrina macht dieser Cocktail seinem Namen in New Orleans alle Ehre. Den besten Hurricane bekommt man bis heute im Pat O‘ Briens, wo er auch erfunden worden sein soll. Vorsicht: Hier gibt es mehrere Bars, die seltsamerweise unterschiedliche Preise haben!
Wer nun immer noch nicht genug hat, kann sich an rund einem Dutzend weiterer Cocktails in New Orleans probieren. Eine Liste mit Cocktails aus New Orleans gibt es bei Eater.com auf Englisch. Einen guten Überblick und einen geschichtlichen Einblick bekommt man auf einer Cocktail-Tour von Grayline. Mein Guide Brian Huff sah aus, wie ein Schauspieler aus Miami Vice und kannte viele Stories. Die Drinks sind allerdings nicht inklusive. Schade.

Die Häuser im French Quarter von New Orleans gehören zu den schönsten der USA. Besonders die Balkone sind oft reichhaltig verziert.

Die Häuser im French Quarter von New Orleans gehören zu den schönsten der USA. Besonders die Balkone sind oft reichhaltig verziert.

French Quarter

Das French Quarter ist das touristische Herz der Stadt New Orleans. Hier finden sich neben unzähligen Bars und Restaurants, für die die Stadt so weltberühmt ist, auch viele andere Sehenswürdigkeiten. Schon die Bourbon Street allein ist sehenswert, mit den unzähligen typischen Häusern, den vielen kunstvollen Balkonen und den bunten Flaggen, die die Straßen zieren. Im French Quarter finden sich zudem alle bekannten Restaurants der Stadt, wie Antoine’s, Arnaud’s und das Café des Amis. Nicht verpassen sollte man zudem den Jackson Square mit dem Reiterstandbild Andrew Jacksons und der Kathedrale St. Louis. Am Nordende des French Quarters kann man auch durch den Louis Armstrong Park spazieren.

Die Straßenbahnen oder auch Street Cars gehören zum Bild von New Orleans einfach dazu.

Die Straßenbahnen oder auch Street Cars gehören zum Bild von New Orleans einfach dazu.

Straßenbahnen in New Orleans

Doch wer die Stadt auch außerhalb des French Quarters erkunden will und kein Auto hat, der kommt um die Nutzung der Street Cars eigentlich nicht drumherum. Die Straßenbahnen sind allgegenwärtig. Sie fahren vor allem auf den großen Hauptstraßen. Neben Touristen nutzen aber auch viele Einheimische die Trams. Eine Fahrt kostet 1.25 Dollar. Es gibt aber auch Tageskarten für 3 Dollar.
Wer bei den Straßenbahnen jedoch eine schnelle Verbindung erwartet, wird enttäuscht. Leider muss jeder Passagier bei den Fahrern bezahlen, was an manchen Haltestellen ewig dauert. Die Bahnen halten oft auch den Fahrplan nicht ein. Das liegt auch daran, dass immer wieder ignorante Autofahrer sich kurz vor der Tram auf die Gleise stellen und die Straßenbahn warten muss, bis die Autofahrer abgebogen sind.
Dennoch fährt es sich schön in den historischen Wagen mit Holzbänken und es ist wohl die gemütlichste Art die Stadt zu erkunden.
Alternativ zu den Street Cars fahren in New Orleans aber auch Busse auf vielen wichtigen Routen. Ebenfalls nicht immer ganz zuverlässig aber durchaus nutzbar. Viele Locals fahren aber trotzdem abends mit dem Auto, andere bestellen sich ein Uber.

Bei einer Bootstour mit dem Misssissippidampfer Natchez ist man dem viertlängsten Fluss der Welt am nächsten.

Bei einer Bootstour mit dem Misssissippidampfer Natchez ist man dem viertlängsten Fluss der Welt am nächsten.

Bootstour auf dem Mississippi mit der Natchez

Immer wenn ich an den Mississippi denke, fallen mir sofort Huckleberry Finn und Tom Sawyer ein, die berühmten Bücher von Mark Twain, die beide am Mississippi spielen. Und ich denke an die Huck Finn-Trickfilme in denen er auf dem Mississippi reist – für die damalige Zeit stilecht auf einem Mississippi-Dampfer. Auch in New Orleans gibt es ein altes Mississippi-Dampfschiff. Zugegeben, es ist nicht aus dem 19. Jahrhundert aber das wäre auch etwas viel erwartet. Die Natchez ist dennoch ein echter Schaufelrad-Dampfer, wird allerdings mit Diesel betrieben, nicht mit Dampf. Doch das Rad ist weiterhin das Steuer des Bootes. Ich fand des Ausflug mit einer Jazzband an Bord und leckerem Buffett trotzdem cool. Auf der Natchez ist man dem Mississippi nah und sieht New Orleans mit seiner Skyline mal von einer anderen Perspektive. Auch kommt man der beeindruckenden Brücke Crescent City Connection sehr nah. Auf dem Schiff kann man nicht nur trinken oder über Deck flanieren, die Betreiber lassen die Besucher sogar den Maschinenraum besichtigen, während draußen die Riesenpötte auf dem Weg zu den Ölraffinerien vorbeiziehen. Für schöne Außenfotos der Natchez gibt es übrigens hier einen Zeitplan, wann die Natchez wo entlang fährt.

New Orleans ist voll von Park wie dem Audubon Park im Garden District.

New Orleans ist voll von Park wie dem Audubon Park im Garden District.

Parks in New Orleans

Neben den ganzen Alleen mit alten Bäumen, die die Stadt durchziehen, bin ich an allen Ecken der Stadt über Parks gestolpert. Hier saßen bei dem fast immer schönen Wetter New Orleans immer Leute draußen. Besonders im Audubon Park neben der Tulane University, saßen eigentlich immer Menschen auf Decken, es waren Jogger und Einheimische mit ihren Hunden unterwegs. Besonders schön zu sehen sind die alten Bäume, die mit Spanischem Moos bewachsen sind, was sie besonders schön und mystisch macht. Vom Audubon Park aus, ist lässt sich auch der nahe Garden District mit seinen vielen Villen und Stadthäusern einfach durchstreifen.
Im Skulpturengarten in der Nähe des Botanischen Garten am Stadtpark, kann man sich kostenlos die Kunstwerke amerikanischer Künstler anschauen. Der Stadtpark selbst ist riesig und man kann allein hier schon einen Tag verbringen.
Etwas ungewöhnlich ist der Congo Square. Dieser Platz ist zwar weniger schön aber dafür umso geschichtsträchtiger, denn hier spielten Sklaven in der Zeit der Sklaverei am Sonntag auf ihren Trommeln. Der Congo Square gilt deshalb als der Ur-Geburtsort des Jazz!

So schön kann der Tod sein - ein Friedhof in New Orleans.

So schön kann der Tod sein – ein Friedhof in New Orleans.

Friedhöfe in New Orleans: Pretty Dead

Und wie es im Leben so ist, werden Menschen wie Dinge nicht nur geboren, sie sterben auch. Und ähnlich wie in Wien gibt es auch in New Orleans einen ausschweifenden Totenkult. Die Friedhöfe der Stadt zählen zu den schönsten der Welt. Einige sind groß genug, um (wie in den USA übrigens üblich) mit dem Auto befahren werden zu können. Andere wie der Lafayette-Cemetery im Garden District wurden jedoch angelegt noch bevor es das Auto gab. Der Lafayette-Cemetery in New Orleans sieht dementsprechend auch so aus, als ob hier großartige Folgen von The Walking Dead gedreht wurden. Die Reihen mit Mausoleen und Sarkophagen erinnern an die bedeutenden und weniger bedeutenden Bürger der Stadt. Der Friedhof steht unter Denkmalschutz, es gibt aber Führungen. Wer wenig Betrieb erleben möchte geht am besten früh am Morgen hin, dann sind die größeren Touristengruppen noch nicht da. Der Friedhof ist eine super Kulisse für alle Arten von morbiden Fotos. Von fröhlichen Selfies sollte man hier aber schon aus Respekt absehen. Eine Übersicht über die schönen Friedhöfe von New Orleans findet Ihr auf dieser Karte.

Im Superdome von New Orleans waren nach dem Hurrikan Katrina zeitweise mehrere tausend Menschen eingeschlossen. Heute wird hier wieder Sport gespielt.

Im Superdome von New Orleans waren nach dem Hurrikan Katrina zeitweise mehrere tausend Menschen eingeschlossen. Heute wird hier wieder Sport gespielt.

New Orleans nach Katrina

Wahrscheinlich jeder hier kann sich an die schrecklichen Fernsehbilder aus New Orleans, mit den hungernden Menschenmassen im Superdome erinnern. An die Bilder der Retter in den Schlauchbooten die durch die Viertel fuhren oder die wie die Hubschrauber Menschen von ihren Dächern holten, um sie auszufliegen. Lange war danach nicht klar, ob überhaupt jemand wieder nach New Orleans ziehen würde. Zum Glück wurde die Stadt wieder aufgebaut und heute gibt es sogar Touren zu dem Jahrhundertsturm. Hier könnt ihr meine Geschichte zu New Orleans, 10 Jahre nach Hurrikan Katrina lesen.

Danke an Grayline New Orleans, New Orleans School of Cooking, New Orleans Culinary History Tours und das Fremdenverkehrsbüro New Orleans/Louisiana für die Einladung. Meine Meinung bleibt von den Einladungen unberührt. Aber das muss ich euch ja nicht sagen.

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Posted by Peter Althaus

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